Eschweiler - Frieda Braun überzeugt mit Bauernschläue und Biss

Frieda Braun überzeugt mit Bauernschläue und Biss

Von: vr
Letzte Aktualisierung:
13788262.jpg
„Frieda Braun“: Mit Bauernschläue und Biss, trotzdem extrem liebenswert: Karin Berkenkopf lieferte als Sauerländerin Frieda Braun amüsante Geschichten mit reichlich gesellschaftlicher Kritik. Foto: Volker Rüttgers

Eschweiler. Um gleich zu Beginn mit einem Missverständnis aufzuräumen: Der Kabarettist muss von Natur aus kein Kotzbrocken oder Zyniker sein, er darf auch bissig und gleichzeitig liebenswert sein, dies ist allerdings dann der schwerere Weg.

Karin Berkenkopf vermittelt diesen Eindruck bereits nach den ersten gesprochenen Sätzen auf der Bühne, in ihrer Rolle als Frieda Braun, der Sauerländerin mit dem Herz auf der Zunge und der Bauernschläue im Augenwinkel.

„Rolle vorwärts“ heißt das Kursprogramm, in dem Frieda ihrem Talbahnhof-Publikum am Sonntagabend praktische Tipps im Umgang mit dem „Zartphone“, trägen Ehemännern und dem eigenen Spiegelbild gab. Natürlich wieder mit reichlich Kuriosem von alten Bekannten, dem Wigbert und seiner Mia, der ehemaligen Krankenschwester Erika und Viola mit ihrem Selbstverwirklichungstrip, schließlich ist Winterberg ein Dorf.

Trifft das auch auf Eschweiler zu? Frieda Braun beschäftigte diese Frage so sehr, dass sie ihr Publikum immer wieder auf seine Erfahrungen ansprach.

Wie steht es mit der modernen Erkrankung, die wie ein norwegischer Junge klingt – ach ja, „Björn out“? Wird an der Inde auch niederländisch-feindlich gesprochen: „Ich hätte gerne jungen Holländer in Scheiben“? Und gibt es hier auch ein Schützenwesen, dass Prinz Charles vor Neid erblassen lassen würde, weil er hier so schnell König werden könnte?

Fragen über Fragen, die die Kabarettistin mit perfekter Mimik und Gestik gekonnt wegkickte, um dann zur nächsten Anekdote zu kommen. Dabei handle es sich keineswegs eins zu eins um Geschichten aus dem Leben, so Karin Berkenkopf, vielmehr seien die Begegnungen und Gespräche mit Freunden und Bekannten eher Impulse, die sie zu ihren Bühnengeschichten ausbaue.

Schließlich die Erkenntnis, dass eines der großen Probleme im Alter sei, dass der Kopf schnell vergesse, der Körper hingegen langsam. Aber keine Sorge, schließlich hat die schlaue Sauerländerin auch hier den passenden Tipp: Einfach mal beim Toilettenbesuch in der Pause seinem Nachbarn „Du bist schön!“ zuraunen. Doch in Violas Nacktschwimmkurs mit Walgesang habe sie sich dann doch nicht getraut: „Ohne Badeanzug, da schwimmst du ja quasi neben dir!“ Nein, Frieda Braun habe in ihrem Leben vieles mitgemacht, aber sich so unbekleidet präsentieren? Sie lasse schließlich kein „Spindluder“ mehr mit sich treiben.

Mit ihrer Mischung aus zurückhaltender, fast verschämter Gestik und bissiger Pointierung ließ Frieda Braun keine Minute ihres Bühnenprogramms ohne Lacher vergehen. Ihr Publikum hatte sie auch am Sonntag im Talbahnhof direkt ins Herz geschlossen, vor allem weil die Kabarettistin in ihrer Bühnenfigur nie beleidigt oder Zuschauer bloßstellt. Dass Kabarett auch gänzlich ohne Politik auskommen kann und der Gesellschaft im besten Sinne den Spiegel vorhält, bewies Frieda Braun mit ihren Geschichten aus der Provinz, die aber auch jeder in der Stadt kennen dürfte.

Am Sonntag ging jedenfalls niemand mit schief zur Seite hängendem Kopf nach Hause, das wäre nämlich der Beweis für zu viel Arbeit und Fachwissen, das sich ja im linken Hirnlappen anlagere und deswegen unweigerlich zum Kopfschiefstand führe.

Vielmehr dominierte ein entspanntes Lächeln auf den Gesichtern der Talbahnhofbesucher, die sicherlich auch beim nächsten Kurs der Sauerländerin wieder dabei sein wollen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert