Freudige Feier mit einem flammenden Appell

Von: Andreas Röchter
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Die Abiturientia 2016 des Städtischen Gymnasiums: 91 jetzt ehemalige Schüler erhielten am Samstagvormittag ihre Reifezeugnisse und haben nun die Gelegenheit, neuen Wegen zu folgen. Foto: Andreas Röchter
Stufenkoordinatorin Anke Kalhöfer
Die Abiturientia 2016 des Städtischen Gymnasiums: 91 jetzt ehemalige Schüler erhielten am Samstagvormittag ihre Reifezeugnisse und haben nun die Gelegenheit, neuen Wegen zu folgen. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Es ist ein Tag der großen Emotionen: Freude, berechtigter Stolz und Erleichterung auf der einen, aber auch ein wenig Abschiedsschmerz und Ungewissheit auf der anderen Seite, prägen ihn! 91 nun ehemalige Schüler des Städtischen Gymnasiums nahmen am Samstagvormittag in der vollbesetzten Aula ihre Abiturzeugnisse entgegen.

 „Herzlichen Glückwunsch! Sie haben sich eine hervorragende Grundlage für ihren weiteren Lebensweg erarbeitet“, gratulierte Bürgermeister Rudi Bertram zu Beginn seines Grußwortes den Schulabgängern, um kurz darauf einen Appell folgen zu lassen: „Neben fundiertem Wissen haben sie an dieser Schule auch soziale Kompetenzen erworben. Nutzen sie diese, um nicht nur nach vorne, sondern auch nach links und rechts zu blicken. Nehmen sie andere Menschen mit. Unsere Gesellschaft muss wieder zusammenrücken. Engagieren sie sich. Bringen sie sich ein. Kritisch, aber offen für neues“, so die Bitte des Verwaltungschefs.

Schulleiter Winfried Grunewald nutzte seine Ansprache, um nachdrücklich auf gesellschaftliche Entwicklungen hinzuweisen, die auch das Umfeld und die Zukunft des Städtischen Gymnasiums erheblich betreffen.

„Vor 1989 teilte ein undurchlässiger Grenzzaun unser Land. Eine unerträgliche Situation! Doch ein gutes Vierteljahrhundert nach dem Mauerfall sind in Europa Bemühungen deutlich zu erkennen, sich abzuschotten. Auch in Deutschland. Länder betonen ihre Nationalstaatlichkeit. Nationalismus wird wieder hoffähig. Zerbrechen Europa und dessen Werte?“, so die sorgenvolle Frage. Angst herrsche. Doch Angst sei ein schlechter Ratgeber, der Zäune, Mauern und Grenzen neu entstehen lasse.

Auch im Umfeld des Städtischen Gymnasiums! „Besuchen tatsächlich zu viele Ausländer, es sind übrigens sechs Prozent, diese Schule? Diese Frage regt mich auf!“, stellte Winfried Grunewald im Hinblick auf die geringe Zahl der Neuanmeldungen fest.

„An dieser Schule treffen unterschiedliche Kulturen aufeinander. Neben zahlreichen Chancen birgt dies sicherlich auch Konfliktpotenzial.“ Doch das Konzept „Integration: Ja, aber ...“ gehe nicht auf. „Kann ein Schüler etwa nicht mehr behütet aufwachsen, wenn ein Mädchen aus dem Iran und ein Junge aus der Türkei neben ihm sitzt? Warum regiert hier die Angst? Wir müssen Flüchtlingskinder teilhaben lassen und unsere Herzen öffnen. Nur so kann Integration gelingen“, unterstrich der Schulleiter unter dem lautstarken Applaus seiner Zuhörer.

Angst sei vor allem durch Bildung wirksam zu bekämpfen. Werte dürften nicht als feststehende Pfähle verstanden werden, sondern müssten mit Inhalten gefüllt werden. „Ihr Abiturienten habt dies gelernt! Hier an dieser Schule“, bekräftigte Winfried Grunewald. „Seht euer Abiturzeugnis als Auftrag, euch weiter zu entwickeln und Schranken abzubauen“, so sein Schlusswort.

Peter-Liesen-Preis

Weitere Grußworte richteten Jörg Peters als Vertreter der Silberabiturienten sowie Thomas Graff als Vorsitzender der Vereinigung der ehemaligen Schüler und Freunde des Städtischen Gymnasiums an die Schulabgänger. Gemeinsam mit Rudi Bertram verlieh Letztgenannter den Peter-Liesen-Preis an Abiturient Alexander Fulbrecht, der sich in den zurückliegenden Jahren unter anderem in der Schülervertretung sowie im Schulsanitätsdienst außerordentlich engagiert habe

. Das Abituriententrio Astrid Hirsch, Laura Herrmann und Jan Duscha blickte im Namen der Jahrgangsstufe auf acht ereignisreiche Schuljahre zurück, die am Prüfungstag X zur Erkenntnis geführt hätten, dass auf gute Themenwahl seitens der Lehrerschaft nicht grundsätzlich Verlass und „auf Lücke“ lernen nicht immer die beste Lösung sei.

Warmherzige und auch sehr persönliche Töne schlug Lehrerin Anke Kalhöfer an, die gemeinsam mit Ludger Lamour als Jahrgangsstufenkoordinatorin tätig war: „Heute ist unser letzter Lehrer-Schüler-Tag. Ich hoffe, dass ihr in Zukunft bei meinem Anblick nicht nur an Kurvendiskussionen und schwierige Klausuren denkt. Im Schulalltag stehen Formalien, Lernpensum und Noten im Vordergrund. Mein Wunsch für euch ist, dass in Zukunft Lernen und Leben ganz selbstverständlich zu eurem Alltag gehören und dass ihr in den kommenden Wochen eine kurze Zeit der Sorglosigkeit, ein aus der Zeit fallen, erlebt, um anschließend in der Gegenwart aufzuwachen.“

Dann stand den großen Momenten nichts mehr im Wege. Die Abiturienten nahmen ihre Zeugnisse aus den Händen von Anke Kalhöfer, Ludger Lamour und Winfried Grunewald entgegen.

Musikalische Gestaltung

Musikalisch gestaltet wurde die Abiturfeier vom Schulchor unter der Leitung von Annette Zumbroich, dem Streicherensemble, dem Gesangsduo Jeanne Jansen (Jahrgangsstufe 10) und Robin Schroif (9b) sowie dem Instrumentalduo Martin Graff (Saxophon, Abiturientia 2012) und Tim Schroif (Klavier, Abiturientia 2015).

Am Morgen hatten Pfarrerin Frauke Meier und Pfarrer Michael Datené bereits gemeinsam mit den Abiturienten, ihren Eltern, Familien und Freunden sowie den Lehrern des Städtischen Gymnasiums Eschweiler einen stimmungsvollen ökumenischen Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Peter und Paul gefeiert.

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