Freifunk: Das Gratis-Netz wächst und wächst

Von: Patrick Nowicki
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Möchte Freifunk nach vorne bringen: Samuel Hillesheim. Foto: Nowicki

Eschweiler. Die Chancen, mit dem Smartphone in der Innenstadt kostenlos im Internet surfen zu können, steigen. Im vergangenen Herbst startete die Freifunk-Initiative mit zehn Knotenpunkten, inzwischen bestehen mehr als 50 in der Innenstadt. Jetzt beteiligt sich auch die EWV (Energie- und Wasserversorgungs-GmbH) an der Verbreitung des kostenlosen WLANs. Samuel Hillesheim von der Freifunk-Initiative spricht von einem „Quantensprung“.

Die Besucher des Eschweiler Marktplatzes kommen schon jetzt in den Genuss, per Freifunk im Internet zu surfen. Mit wenigen Klicks ist man online. Ein Passwort oder eine spezielle Software sind dafür nicht erforderlich, denn das Handy oder Tablet wählt sich wie zu Hause im WLAN ins Freifunknetz ein. „Einige Marktwirte haben sich beteiligt, so dass wir ein flächendeckendes Netz haben“, sagt Hillesheim. Dort stehen die sechs Sender so dicht beieinander, dass sie sich zu einem zusammenhängenden Netz verbinden. Dies entspricht dem Prinzip des Freifunks.

Unterstützung vom Rat

Der Rat und die Stadtverwaltung unterstützen schon länger die Freifunk-Initiative. 1500 Euro stellten die Kommunalpolitiker für den Ausbau des Netzes in Eschweiler aus der Stadtkasse für diese Jahr zur Verfügung. An zahlreichen städtischen Gebäuden befinden sich schon jetzt Knotenpunkte, am Rathaus, an der Volkshochschule und an der Feuerwache zum Beispiel.

Auch die Flüchtlingsunterkunft auf dem Stich, die ehemalige Kirche St. Michael und die Jahnhalle wurden mit Freifunk ausgestattet: „Das Internet gibt den Menschen die Möglichkeit, Kontakt zu ihren Verwandten in der alten Heimat aufzunehmen“, begründet Hillesheim die Entscheidung, dort einen Sender zu installieren. Erst im Oktober des vergangenen Jahres hat sich die Community in Eschweiler gegründet – und die Anhängerschaft wächst.

Auch in den Augen von Bürgermeister Rudi Bertram hat der Freifunk eine soziale Bedeutung. Nicht jeder könne sich schließlich einen teuren Datentarif fürs Handy leisten, weiß er. Mehr noch: Die Internetversorgung einer Stadt entscheide mit darüber, wie attraktiv eine Stadt für Familien ist. In das gleiche Horn bläst Samuel Hillesheim: „Die Internetverbindung ist ein genauso wichtiger Baustein wie Straßen und Wege.“

Jeder kann mitmachen, das Freifunk-Netz weiter zu spannen. Die Initiative in Eschweiler, die der Aachener Community angeschlossen ist, arbeitet ehrenamtlich. Wer sich beteiligen möchte, stellt einen Teil seines Internetanschlusses für andere zur Verfügung. Die Verbindung zum Netz geschieht über einen Router mit einer speziellen Software. So bleiben der private Internetzugang und das eigene hausinterne WLAN geschützt. Wer sich in das Freifunknetz einwählt, hat keinen Zugang zu sonstigen Daten. Die Kopplung der einzelnen Router geschieht über Server der Freifunk-Initiative.

Theoretisch schlägt Freifunk jede Geschwindigkeit der üblichen Handytarife – allerdings hängt dies auch von der grundsätzlichen Datenleitung ab, an die der Router angeschlossen ist. Ein schleppender Datentransfer macht sich sofort beim Surfen bemerkbar. Eine Kostprobe davon erhielt Marc Jan Eulmann, NRW-Staatssekretär im Ministerium für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien, der auf seiner Rundreise mit dem SPD-Landtagsabgeordneten Stefan Kämmerling auch den Blausteinsee besuchte.

Dort befindet sich ebenfalls ein Freifunknetz, das allerdings noch nicht die Liegewiese am Seeufer erreicht. Die Leitung zum Zentrum am Blausteinsee ist jedoch nicht die schnellste. Die Konsequenz: Man muss sich mit einem langsameren Gratis-Internet begnügen.

Am Seeufer denkt der Wirt des See-Restaurants, Marc Lersch, darüber nach, das WLAN aufzurüsten, damit auch die Besucher an der Strandbar kostenlos surfen können. Er steht für zahlreiche Unternehmer, die in den vergangenen Monaten dafür gesorgt haben, dass das Netz in Eschweiler immer weiter wächst. Mit dem Engagement des EWV kommen zahlreiche weitere Knoten hinzu.

Allerdings wird nicht auf einem Schlag in ganz Eschweiler ein Freifunk-Netz entstehen, denn die Freifunk-Initiative muss ihre Serverleistung sukzessive ausbauen. „Dies geschieht nicht von jetzt auf gleich“, sagt Samuel Hillesheim, der auch in der Nachbarstadt Stolberg am Aufbau des Netzes beteiligt ist. Der Wahl-Indestädter erledigt diese Arbeiten ehrenamtlich.

Einige Projekte geplant

Einige Projekte warten noch darauf, umgesetzt zu werden. So denkt die Initiative darüber nach, gezielt Vereine anzusprechen. „Sportvereine müssen ihre Ergebnisse inzwischen per App schnell an die Verbände senden“, berichtet Hillesheim. Ein WLAN-Netz, idealerweise auch für andere Besucher zugänglich, könnte diese Arbeit erleichtern. Die Größe und Stärke des Routers kann jeder selbst bestimmen. Laut Hillesheim kann man schon für wenig Geld das Netz wachsen lassen. Die Ehrenamtler helfen auch dabei, die richtige Software auf den Router aufzuspielen.

Was bisher nur für Großstädte galt, kann bald auch in Eschweiler Wirklichkeit werden: ein kostenloser WLAN-Zugang für alle Menschen in der Innenstadt.

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