Eschweiler - Franziskushaus: Vom Rabauken zum Sprecher im Beirat

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Franziskushaus: Vom Rabauken zum Sprecher im Beirat

Von: Patrick Nowicki
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Gemeinsame Freizeitgestaltung wie Puzzeln gehört im Franziskushaus zum Alltag. Soziale Kontakte sind für die Bewohner wichtig. Foto: Nowicki
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Michael Stricker nennt das Franziskushaus „mein Zuhause“. Seit fünf Jahren lebt er dort.

Eschweiler. Stolz öffnet Michael Stricker sein Zimmer. Er gewährt Einblicke in sein eigenes, ganz persönliches Reich. Neben dem Bett steht ein CD-Spieler, Poster pappen an der weißen Wand. Über seinem Bett hängt eine Deutschlandfahne. Über seiner Couch offenbart er, welchem Fußballverein er die Daumen drückt: Borussia Mönchengladbach.

„Ich habe natürlich ein Trikot“, sagt er und hält es in die Luft. Auf dem Tisch befinden sich Puzzleteile und Legobagger. Irgendwie erinnert alles an ein Jugendzimmer. Aber Michael Stricker ist keine 16 mehr, er ist 25 Jahre alt. Im Franziskusheim an der Liebfrauenstraße hat er gelernt, sein Leben zu strukturieren.

Das Zimmer aufräumen, pünktlich aufstehen, sich in die Gemeinschaft einbringen – das alles konnte er nicht. „Ich war etwas schwierig“, gesteht er. Während er das sagt, lacht er verlegen. Er zählt zu Menschen mit sogenanntem herausfordernden Verhalten. Seit fünf Jahren wohnt er an der Liebfrauenstraße, kurz nach der Eröffnung des Hauses zog er ein. Dort ist nun sein Zuhause, dort fühlt er sich wohl. Mit dem Heilerziehungspfleger Eduard Lichatschow weiß er einen Betreuer an seiner Seite, der ihm Möglichkeiten zeigt, den Alltag zu bewältigen und Regeln zu beachten. Mit ihm gemeinsam hat er seine persönlichen Ziele festgelegt.

Im Franziskushaus, dem heilpädagogischen Wohnheim der Caritas Lebenswelten, genießt die Gemeinschaft eine hohe Bedeutung. Jeder kann sich mit seinen Fähigkeiten einbringen. Das ist für die Bewohner wichtig und gibt ihnen Selbstbewusstsein. Michael Stricker setzt sich in besonderem Maße für die anderen Bewohner ein: Er ist Mitglied des Beirates, der Feste mitplant und Wünsche vorbringen kann. Erst vor wenigen Wochen ging das Sommerfest über die Bühne. „Es waren viele Menschen und Nachbarn gekommen“, berichtet die Leiterin des Franziskushauses, Barbara Koerner. Auch zahlreiche Nachbarn waren dabei. Längst sind die einstigen Vorbehalte einer nachbarschaftlichen Offenheit gewichen.

Soweit möglich, sollen die Bewohner einmal selbstständig leben können. Nicht jeder wird dieses Ziel erreichen können, aber Erfolge sind bei allen spürbar. Vor allem bei jungen Menschen soll der Weg in ein betreutes Wohnen oder eine Wohngruppe führen. Dies kann sich auch Michael Stricker vorstellen. Er genießt die Gartenarbeit. Vor wenigen Wochen absolvierte er ein Praktikum auf einem Bauernhof.

Das bedeutete für ihn: um 4 Uhr morgens aufstehen, um um 5 Uhr den Bus zu erwischen. Beginn in Mausbach war um 6 Uhr. Für den 25-Jährigen war dies eine Herausforderung, die er aber gemeistert hat. „Es hat mir Spaß gemacht“, sagt er. Dass er nicht weiter dort arbeiten kann, hat Gründe, über die er nicht sprechen möchte. Er will bald einen neuen Anlauf in einem anderen Bauernhof nehmen. Ein weiterer Schritt in ein selbstbestimmtes Leben.

Dazu gehört auch die Freizeitgestaltung. Die Halle der benachbarten Bischöflichen Liebfrauenschule darf die Sportgruppe nutzen. Mit Bewohnern des Odilienhauses bilden manche die „Rasselbande“, eine Musikgruppe. Fahrten an die niederländische See oder in die Eifel gehören im Sommer zum Angebot. Michael Stricker schwimmt gerne. An die 40 Bahnen absolviert er im Hallenbad. Natürlich ist er auch ein leidenschaftlicher Fußballer.

Derzeit arbeitet er im Caritas-Behindertenwerk an der Aachener Straße. Dort ist er allerdings selten zu finden, denn er gehört der Gartengruppe an, die quer durch Eschweiler unterwegs ist. Auf seiner Arbeitsstelle hat er auch Freunde gefunden, die er auch in der Freizeit besucht. Solche sozialen Kontakte sind wichtig. Aber sie zu pflegen, musste Michael Stricker erst einmal lernen.

Er weiß sich nach fünf Jahren im Franziskushaus nun besser selbst einzuschätzen. „Wenn ich schlecht drauf bin, dann gehe ich in mein Zimmer und höre Musik“, sagt er. Früher hat er sich nicht zurückgezogen, sondern die Konfrontation gesucht. Dann hat er gelernt, Konflikte anders zu bewältigen. Inzwischen ist er beliebt bei den anderen Bewohnern.

Das 22 Mitarbeiter starke Team im Franziskushaus arbeitet weiter daran, dass die Menschen dort sozial integriert werden und eine Tagesstruktur erfahren. Für Michael Stricker steht fest, dass er irgendwann einmal in der Wohngruppe leben will. Bis dahin ist das Franziskushaus sein Zuhause.

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