Franziskus: Eine Art katholischer Messi

Von: Sonja Essers und Tobias Röber
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Die argentinisch-deutsche Familie Senkler mit Mutter Yamila, Vater Silvano und den Kindern Bastian und Valentina freut sich über den neuen Papst. Foto: Sonja Essers, Hannah Ladwig (3), Anne Volk (2), Tobias Röber
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Der neue Papst kommt aus Argentinien. Die Flagge dieses Landes weht auch in Eschweiler. Foto: dpa

Eschweiler. Es war dann am Donnerstag doch ein etwas anderer Arbeitstag für Silvano Senkler im Caritas-Behindertenwerk an der Aachener Straße. Viele Kollegen beglückwünschten ihn. Und Silvano Senkler gibt gerne zu, „schon ein bisschen stolz zu sein“. Nach Papst Benedikt XVI. sagt der 38-Jährige mit einem Lächeln auch jetzt wieder: „Wir sind Papst!“ Silvano Senkler und seine Frau Yamila leben in der Indestadt – und sie stammen aus Buenos Aires.

Seit 1991 lebt Silvano Senkler in Eschweiler. Damals kam er mit seinen Eltern und drei Geschwistern her. Die wirtschaftliche Lage in Argentinien habe die Familie damals zu diesem Schritt bewegt. Bereut hat er ihn nicht. „Hier fühle ich mich wohl. Die Integration hat gut geklappt“, sagt er und lacht. Von Geburt an hatte er übrigens einen deutschen Pass. Sein Opa stammt aus Hamburg. Er ist nach dem 1. Weltkrieg nach Argentinien ausgewandert.

Natürlich gab es einige Umstellungen, nicht aber beim Glauben. Ein Großteil der Argentinier gehört der katholischen Kirche an. Da ist fast schon klar, dass Töchterchen Valentina ab dem Sommer in einen katholischen Kindergarten geht.

Die Papstwahl haben die Senklers im Fernsehen verfolgt. „Das war schon eine Überraschung“, sagt Silvano Senkler über diese Wahl. Sofort schmiss er den Computer an und sammelte Informationen bei argentinischen Zeitungen. Etliche Videos der feiernden Menschen auf den Straßen schaute er sich an. „Das war ja fast so, als wäre Argentinien Fußball-Weltmeister geworden“, sagt er.

In die Freude mischen sich aber auch nachenkliche Töne. „Viele Leute versuchen jetzt etwas Negatives zu finden. Etwa die Rolle des Papstes in der Militärdiktatur“, sagt Silvano Senkler. Das spiele nun keine Rolle mehr, meint er.

Und was sagen Eschweiler Kirchenvertreter zum neuen Papst?

Pfarrer Dr. Andreas Frick ist besonders glücklich darüber, dass die katholische Kirche ein neues Oberhaupt gefunden hat. Dennoch sei er über den Wahlausgang sehr überrascht gewesen: „Er gehörte nicht zu denen, an die ich speziell gedacht hatte“, gibt Frick zu. Der Pfarrer war davon ausgegangen, dass ein jüngerer Kandidat gewählt werden würde. Deshalb wünscht Frick dem neuen Papst für die anstehenden Aufgaben viel Kraft. Besonders beeindruckt war der Pfarrer von der Bescheidenheit, die Papst Franziskus ausstrahlt. „Der Name Franziskus steht für Einfachheit sowie für die Bereitschaft, selbst arm und mit viel Gottvertrauen zu leben“, berichtet Frick. Diese Einstellung kommt auch bei den Bürgern der Indestadt sehr gut an. „Heute Morgen habe ich eine Messe in Herz Jesu gehalten“, erzählt Frick und fügt hinzu: „Dort hing bereits ein Bild des neuen Papstes.“ Trotzdem warnt der Pfarrer davor, zu große Erwartungen an das neue Oberhaupt zu knüpfen: „Wenn ein neuer Papst gewählt wird, brechen immer große Hoffnungen auf, die nicht alle erfüllt werden können.“ Schließlich sei ein Papst nicht gewählt worden, um mit dem Mainstream zu schwimmen, so der Pfarrer weiter. Symbolträchtige Zeichen allerdings erwartet auch er von Papst Franziskus: „Ich denke, dass er uns lehren wird, noch viel großzügiger zu sein“, so Frick.

Dieter Sommer, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Eschweiler, knüpft an den neuen Papst seine ganz eigenen Erwartungen: „Ich wünsche mir, dass Franziskus ein tolles ökumenisches Klima, so wie wir es in Eschweiler haben, auch an die Spitze der Kirche befördert.“ Dass ihm dies gelingen müsse, verdeutliche schon seine Herkunft, so Sommer. Schließlich kommt der Papst aus dem gleichen Land wie Fußballer Messi: „Hoffentlich wird Franziskus eine Art katholischer Messi, der die Kirche weiter voranbringt“, meint Sommer.

Das erhoffen sich auch die Senklers. „Es wäre schön, wenn es ein bisschen moderner wird, vor allem in Bezug auf Verhütung und Aids“, sagt Silvano Senkler. Dennoch solle auch Altbewährtes bleiben.

Auch die Vertreter anderer Religionen freuen sich über den positiven Ausgang der Wahl. Für die Mönche der Buddhistischen Gemeinschaft Wat Dhammaniwasa steht vor allem die Zufriedenheit der Christen im Vordergrund: „Für uns ist es wichtig, dass die Christen mit dem neuen Papst zufrieden sind“, erklärt Mönch Phrasamut Akkawangso. Außerdem hoffe man, dass Franziskus ein guter Mensch sei und dementsprechend handeln werde, so Akkawangso.

Die Mitglieder der Türkisch Islamischen Gemeinde DITIB beeindruckt vor allem der Wahlvorgang selbst: „In unserem Glauben gibt es so etwas gar nicht“, berichtet Cifci Seher und fügt hinzu: „trotzdem freuen wir uns sehr für die Christen.“ Die Indestädterin, die die Verkündung im Fernsehen verfolgt hat, fand jedoch auch den vorherigen Papst sympathisch: „Mir hat besonders gut gefallen, dass er von sich aus zurückgetreten ist und nicht auf Biegen und Brechen in seinem Amt geblieben ist“, erklärt Seher. Schließlich müsse man auch an sich selbst denken.

Pfarrer Dr. Andreas Frick verbindet mit Papst Benedikt etwas ganz Besonderes: „Vor über 20 Jahren hat mich Joseph Ratzinger zum Priester geweiht.“ Und auch dessen Vorgänger, Papst Johannes Paul II., ist der Pfarrer während seines Studiums in Rom öfter persönlich begegnet. „Beide verehre ich auch heute noch“, erzählt Frick. „Dass Papst Franziskus sich nun auf den Weg zu seinem Vorgänger macht um diesen zu Besuchen, finde ich besonders schön“, so Frick weiter.

Indestädter, die dem neuen Papst ihre Wünsche zukommen lassen möchten, haben dazu am Freitag Abend um 19 Uhr Gelegenheit. Dann findet in St. Peter und Paul ein Gottesdienst statt, in dem für Franziskus gebetet wird.

Am Wochenende werden Silvano und Yamila Senkler sicher Kontakt zu ihrer Familie in Argentinien aufnehmen und ein wenig von der Stimmung in ihrem Geburtsland mitbekommen. Und wer weiß: Im nächsten Sommer ist Fußball-WM. Vielleicht darf Silvano Senkler dann wieder jubeln wie in diesen Tagen...

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