Eschweiler - Franz-Liszt-Gesellschaft: Viele Ständchen zum besonderen Geburtstag

Franz-Liszt-Gesellschaft: Viele Ständchen zum besonderen Geburtstag

Von: jope
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Kongeniales Trio: Siegfried Ts
Kongeniales Trio: Siegfried Tschinkel (links) erläuterte als Moderator sachkundig und mit Herz die Werke Franz Liszts, die dann von Violetta Palatinus (Gesang und Querflöte) sowie von József Acs am Flügel meisterhaft und emotional dargeboten wurden. Foto: Joachim Peters

Eschweiler. Die kultivierte Salon-Atmosphäre im Bistro de Ville hätte dem ersten Star-Pianisten der europäischen Musikgeschichte gut gefallen. Und die Darbietung als verfrühtes Ständchen zu seinem runden Geburtstag nicht minder.

Franz Liszt (1811-1886) würde am 22. Oktober 200 Jahre werden. Die rührige Eschweiler Franz-Liszt-Gesellschaft von 1982 reihte sich mit einer von Vorsitzendem Günter Wopperer eröffneten Gala in die Reihe der musikalischen Gratulanten von Budapest bis Weimar ein.

Weimarer Klassik

Weimar - dies war eine der Lisztschen Lebens-Epochen, die Moderator Siegfried Tschinkel vorstellte und dann in Interpretationen der beiden ungarisch-Eschweiler Vollblutmusiker József Ács und Violetta Palatinus mündeten. In Weimar ließ sich der in ganz Europa bejubelte und von Frauen angeschmachtete Klaviervirtuose zwischen 1848 bis 1859 als Theaterintendant nieder. „Wir kennen die erste Weimarer Klassik durch Goethe und Schiller.

Liszt begründete mit seinen Inszenierungen und seiner Förderung von Künstlern eine zweite Weimarer Klassik”, rückte Tschinkel den Ungarn ins Licht seiner Bedeutung für die europäische Kultur insgesamt. Die letze Lebensphase führte den schon immer gläubigen und sozial engagierten Liszt in die katholische Welthauptstadt Rom. Dort schuf er die von József Ács entdeckte und 2007 in Eschweiler uraufgeführte Vatikanische Version der Graner Festmesse.

Die Welturaufführung eines Liszt-Werkes gab es zwar diesmal nicht, aber die Darbietung sehr selten zu hörender Werke aus der musikalisch revolutionären Spätzeit des Komponisten sehr wohl. So eröffnete etwa József Àcs die durch mehrere Menügänge garnierte Konzertgala mit den „Wasserspielen der Villa d´Este”. Sprudelnd wie diese vor Liszts feudalem Domizil nahe Rom waren die musikalischen Einfälle des genialen Komponisten wie auch die sensitive und wunderbar perlende Interpretation des Eschweiler Maestros.

Siegfried Tschinkel wies darauf hin, dass Liszt mit solchen Werken den „musikalischen Pfeil” weit in die Moderne schleuderte. So sei Maurice Ravel schier entzückt beim Hören der „Wasserfälle” gewesen. Doch auch Liszt selbst war begeistert über einen anderen Großen: den Teufelsgeiger Niccoló Paganini. Liszt lotete die kompositorischen und darstellerischen Ausdrucksmöglichkeiten des Italieners für seine eigenen Werke und Auftritte am Klavier aus.

Frucht sind Paganini-Etüden, mit denen József Ács die Mitglieder und Freunde der Liszt-Gesellschaft „berauschte”. Mit den Rigoletto-Transkriptionen (nach der Oper von Verdi) unterstrich der Pianist die einleitenden Bemerkungen des Moderators: Selbst wenn Fremdes durch die Hände des Komponisten Liszt ging, entstand daraus Originelles und Neues.

Die Liebe Franz Liszts zu der Musik von Chopin, Schubert und den „Zigeunern” ist in seinen Briefen und seiner Musik bezeugt. Eine der von József Ács beseelt interpretierten „Consolations” war für den Ungarn zweifache musiktherapeutische Tröstung: zum einen die über den Tod des früh verstorbenen polnischen Freundes, zum anderen jene über die unerfüllte Liebe zu einer eigenen Klavierschülerin.

Dann schlug die Stunde der musikalischen Mehrfach-Begabung Violetta Palatinus. War das Bistro de Ville bei den von Liebenssehnsucht, Melancholie und Lebensreife getragenen Liedern fast zu eng für den stimmstarken und emotional bewegten Sopran von Violetta Palatinus, so sprang das ungarische Temperament der nun mit Querflöte auftretenden Künstlerin und ihres Mannes am Flügel bei der Ungarischen Rhapsodie Nummer 2 energetisch auf das Publikum über. Liszt war hier dem Irrtum erlegen, die Wiege der ungarischen Musik sei bei den Zigeunern des Landes zu finden. Musikgeschichte und Zuhörer können solch einen Irrtum, der die Phantasie beflügelt und rhythmische Vitalität befördert, verzeihen.

Graner Festmesse an Allerheiligen im Dom

Wegen der großen Nachfrage gab es nach der Premiere am Samstagabend am Sonntag eine weitere Liszt-Gala - an gleicher Stelle im Bistro de Ville und mit gleichem Programm.

Am Tag des 200. Geburtstages von Franz Liszt, dem 22. Oktober, probt ein Chor aus Eschweiler vier Stunden lang im Aachener Dom an der „Graner Festmesse. Vatikanische Version”.

Schließlich werden der Kirchenchor St. Peter und Paul Eschweiler und der Liszt-Regiochor dieses zuerst in Eschweiler (2007) und zuletzt in Rom (2010) aufgeführte Werk im Dom am Allerheiligen-Fest (Dienstag, 1. November, 10 Uhr) singen.

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