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Fragen, Hoffnungen und Ängste der Menschen ernstnehmen

Von: tol/iba
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In diesem Monat gedenken Mensc
In diesem Monat gedenken Menschen ihrer Toten - nicht nur am Totensonntag. Foto: ddp

Eschweiler/Stolberg. Der November wird auch „Trauermonat” genannt. Er steht im Zeichen von drei kirchlichen Feiertagen und des weltlichen Volkstrauertags. Ein weiterer Feiertag wurde bereits am Sonntag begangen.

Den Reformationstag feiern die evangelischen Christen in Deutschland am 31. Oktober im Gedenken an die Reformation der Kirche durch Martin Luther. Der Mönch und Theologieprofessor soll im Jahr 1517 am Tag vor Allerheiligen 95 Thesen zu Ablass und Buße an der Wittenberger Schlosskirche angeschlagen haben.

Am Allerheiligentag gedenken die katholischen Christen ihrer „Heiligen”. Ein Begriff, mit dem längst nicht mehr alle etwas anfangen können, denn „Heiligkeit ist heute kein angesehenes Wort und Heiligwerden kein Ziel, das man ernsthaft anstrebt”. Deshalb sei das Fest Allerheiligen für viele Zeitgenossen kein Thema mehr. Das liege auch daran, dass man sich vorstelle, Heilige seien wirklichkeitsfremd, wirkten lächerlich und passten nicht in das übliche Leben unserer Welt und Zeit, gibt das Bistums Aachen eine Erklärung dafür.

Dennoch komme gerade bei Schlagworten wie „Komischer Heiliger” oder „Scheinheiliger” indirekt zum Ausdruck, dass diese Typen Karikaturen dessen darstellten, was eigentlich ein Heiliger sei: „Bei Licht besehen sind Heilige Menschen, die einerseits die Botschaft Jesu ernstgenommen haben und andererseits die Zeichen ihrer Zeit erkannten.” Wie ein roter Faden ziehe sich die Regel, treu zum Evangelium zu stehen und Fragen, Hoffnungen und Ängste der Menschen ernstzunehmen, durch ihr Leben.

Dass die Kirche trotz ihrer sündigen Geschichte für viele immer noch Raum der Hoffnung und des Glaubens sei, so lässt das Bistum wissen, liege daran, „dass es ganz unten im Volk Gottes Barmherzige gibt, die nicht stur auf ihr Recht pochen, Ohnmächtige, die dennoch mit aller Macht und Phantasie Frieden schaffen, wo sie leben”. „Sie sorgen dafür, dass die Kirche auf Kurs bleibt, dass sie ihr Ziel nicht aus den Augen verliert.” Allerheiligen lasse sich deshalb als „Tag der unbekannten Heiligen” verstehen und feiern. Das Fest sage den Christen, „dass ihr Leben letztlich zu einem guten Ende führt”.

Am Nachmittag des Allerheiligentages ziehen in den katholischen Pfarrgemeinden aber auch schon Prozessionen zu den Friedhöfen, die Christen schmücken die Gräber ihrer verstorbenen Angehörigen und stellen Lichter auf. Somit wird das Gedächtnis der Verstorbenen, das erst am Allerseelentag begangen wird, bereits Inhalt des Allerheiligenfestes.

Der Allerseelentag am 2. November geht zurück auf das französische Benediktinerkloster Cluny, wo der Abt Odilo im Jahr 998 für die unterstellten Klöster bestimmte, am Tag nach Allerheiligen aller verstorbenen Gläubigen durch Gebete, Messe und Almosen zu gedenken, weil die Vorstellung bestand, dass die Verstorbenen, häufig auch „Arme Seelen” genannt, im Fegefeuer auf die Hilfe der Christen angewiesen seien.

Auch der Totensonntag und der Volkstrauertag dienen dazu, den Toten im öffentlichen Bewusstsein einen Platz einzuräumen. Da Sterben und Tod zum Leben gehören, ist das Gedächtnis der Toten auch ein Ausweis der Humanität in der Industriegesellschaft.

König Friedrich Wilhelm III. von Preußen ordnete 1816 an, jährlich den letzten Sonntag des Kirchenjahres als allgemeinen Feiertag zur Erinnerung an die Verstorbenen zu begehen. Dieser Feiertag wurde schnell von anderen Landeskirchen übernommen. Der Totensonntag - dieses Jahr am 20. November - ist für die Evangelische Kirche, was für die Katholische Allerseelen ist. Auch am Totensonntag werden Friedhöfe besucht und Gräber geschmückt. Man gedenkt der Toten und weist auf die im Evangelium versprochene Auferstehung hin.

Eine Woche vor Totensonntag ist am 13. November in ganz Deutschland Volkstrauertag. 1920 vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. zum Gedenken an die Kriegstoten des Ersten Weltkrieges ins Leben gerufen, wollten diejenigen, die der Krieg verschont hatte, ein Zeichen der Solidarität mit denjenigen setzen, die persönliche Verluste zu beklagen hatten.

Nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland wurde der Volkstrauertag erneut vom Volksbund eingeführt. Seit 1952 findet der Volkstrauertag zwei Wochen vor dem ersten Adventsonntag statt und ist heute ein Mahntag zum Frieden.
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