„Fränzis“ Platz ist hinter der Theke

Von: Sonja Essers
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Franziska Lohren
Mit 88 Jahren geht Franziska Lohren in den Ruhestand. Foto: Sonja Essers

Eschweiler-Bohl/Hastenrath. Franziska Lohren ist Wirtin mit Leib und Seele. Hier fühlt sich „Fränzi“, wie sie liebevoll genannt wird, zu Hause. 38 Jahre lang kümmerte sie sich Tag für Tag um ihre Gäste. Doch nun ist Schluss: Fränzi, die am Dienstag ihren 88. Geburtstag feierte, meldete vor zwei Wochen ihr Gewerbe ab und ist seitdem im wohlverdienten Ruhestand.

Für viele Indestädter war die Wirtin, die in Düsseldorf geboren wurde und mit ihrem Mann Fred dort bereits eine Gaststätte betrieb, ein Eschweiler Original. Zu ihr kamen nicht nur Erwachsene, die nach der Arbeit noch ein oder zwei Bierchen trinken wollten. Auch die Kinder der gegenüberliegenden Grundschule klopften nach dem Unterricht an Fenstern und Türen, um sich in der kleinen, urigen Gaststätte mit leckeren Gummibärchen einzudecken.

1976 suchten Franziska Lohren und ihr Mann Fred eine neue Herausforderung. Nicht nur eine Veränderung, sondern vor allem eine neue Gaststätte sollte her. Die Indestadt war der damals 50-Jährigen bestens bekannt. Die Vollwaise war bis zu ihrem 15. Lebensjahr in einem Waisenheim in Eschweiler untergebracht. Zurück in Düsseldorf heiratete sie Fred Lohren und bekam zwei Kinder. Als der Umzug nach Eschweiler anstand, waren ihre Sprösslinge von dieser Idee jedoch alles andere als begeistert und blieben in ihrer Heimat.

Für „Fränzi“ und ihren Fred startete nun ein neues Leben in der Stadt an der Inde. Auch eine geeignete Gaststätte war schnell gefunden: Das „Eifel-Stübchen“ an der Bohler Straße, indem viele Inde-städter bereits zuvor ihre Freizeit verbrachten. Schnell lebte sich das Ehepaar ein und auch die ersten Gäste ließen nicht lange auf sich Warten. Während Fred Lohren als gelernter Koch in der Küche arbeitete, fühlte sich Fränzi hinter der Theke am wohlsten.

Doch nur ein halbes Jahr nach ihrer Ankunft in der Indestadt verstarb ihr Mann. Der Schicksalsschlag konnte sie jedoch nicht davon abhalten die Kneipe weiter zu betreiben. Nur die Küche wurde geschlossen. „Fränzi“ kämpfte sich durch und dabei machte sie nicht nur positive Erfahrungen. „Es waren öfter mal welche dabei, die so richtig betrunken waren. Aber da musste man dann eben durch. Das weiß man ja vorher, wenn man eine Kneipe betreibt“, sagt sie.

Fünf Jahre nachdem ihr Mann gestorben war, lernte sie ihren Lebensgefährten Rudi kennen, mit dem sie die Gaststätte 28 Jahre lang betrieb. Auch er ist inzwischen verstorben. Auf die Frage, ob sie in den vergangenen 38 Jahren die ein oder andere Nacht durchgefeiert habe, sagt die 88-Jährige trocken: „Das kann man wohl laut sagen.“

Doch nicht nur in der Kneipe war die Stimmung immer bestens. Auch außerhalb ihrer Gaststätte sorgte „Fränzi“ für gute Laune, vor allem beim männlichen Geschlecht. „Wenn ich früher über die Straße ging, wurde mir immer hinterher gepfiffen. Und wenn die Männer das mal nicht taten, dann dacht ich direkt, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist“, sagt sie rückblickend und beginnt zu lachen. Daran erinnern sich auch die männlichen Gäste, die ihr zu ihrem 88. Geburtstag gratulierten. „Fränzi wor ne richtije Schuss, e lekker Mädsche“, sind sich die Gäste einig.

Doch Eschweilers älteste Wirtin erlebte in den vergangenen 38 Jahren nicht nur Positives. Zwei Schlaganfälle sowie zwei Überfälle hinterließen ihre Spuren. Doch Fränzi ließ sich auch davon nicht unterkriegen. Nach ihrem zweiten Schlaganfall, den sie vor einigen Jahren erlitt, kämpfte sie sich zurück hinter die Theke. „Damals konnte ich gar nicht mehr sprechen“, erinnert sie sich und fügt hinzu: „Das haben die in der Reha doch gut hinbekommen, oder?“

Nicht nur die Hundenärrin, die in den vergangenen 38 Jahren bereits acht Vierbeiner – darunter Doggen, Rottweiler und Schäferhunde – hielt, wünscht sich für die kommenden Jahre vor allem Gesundheit. Auch ihre ehemaligen Gäste hoffen, dass ihre „Fränzi“ ihnen noch lange erhalten bleibt.

Auch wenn sie jetzt nicht mehr hinter der Theke steht, so wissen ihre Freunde genau, wo sie sie tagsüber antreffen können. In ihrer Wohnung, die direkt über der Kneipe liegt, hält die 88-Jährige meist nicht viel. Oft sitzt sie an einem der Holztische in der Gaststätte und schaut auf den kleinen Fernseher, der an der Wand angebracht ist. Wenn sie hungrig ist, kocht sie sich eine Kleinigkeit in der angrenzenden Küche.

Gerade weil sie ihr „Eifel-Stübchen“ so liebt, fiel der 88-Jährigen der Schritt in den Ruhestand schwer. Doch Gäste kamen in der Vergangenheit nur noch selten und so konnte die Wirtin von ihren Einnahmen nicht mehr leben. „Die Theke ist tot“, sagt Lohren und ergänzt: „Ich hätte die 40 Jahre gerne voll gemacht, aber es ging leider nicht mehr.“

Doch wie geht es mit „Fränzi“ und ihrem „Eifel-Stübchen“ weiter? Vielleicht zieht sie in eine nur wenige Meter entfernte Seniorenwohnung. Das Haus samt Kneipe könnte sie verkaufen. Eine endgültige Einscheidung ist noch nicht gefallen, jedoch ist sie sich sicher: „Zurück nach Düsseldorf gehe ich nicht. Hier ist mein Zuhause.“

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