Fortbildungsreihe: Von Depressionen bis zu Drogenmissbrauch

Von: psi
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Dr. Ulrich Hagenah von der Uniklinik Aachen referierte zum Thema „Notfallversorgung bei Kindern und Jugendlichen mit psychischen Störungen“.

Eschweiler. Die Notfallversorgung von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Störungen stand im Mittelpunkt einer Fortbildungsveranstaltung im St.-Antonius-Hospital. Rolf Evers-Frerker, Leiter des Notarzt-Standortes Eschweiler, sprach von einem „überwältigenden Interesse“.

Immerhin hatten sich über einhundert Fachkräfte aus Medizin und Pflege zu diesem Termin vorangemeldet. „Wir wollen dazulernen“, eröffnete Dr. Ulrich Hagenah seinen Vortrag. Der leitende Oberarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Aachener RWTH Uniklinik verwies darauf, dass immer mehr Notärzte und Rettungsdienstler zu Notfällen mit Kindern und Jugendlichen gerufen würden. Gleichzeitig verfügten jedoch viele der Helfer nicht über Kenntnisse im Umgang mit jugendlicher Klientel: „Das ist verbesserungsbedürftig“, so der Mediziner.

An der Spitze einer langen Reihe möglicher psychischer und körperlicher Notfälle stehe die Selbsttötung (Suizid) bei Kindern und Jugendlichen. Aussagekräftiges statistisches Material dazu stünde leider nicht zur Verfügung.

Allein die Häufigkeit misslungener Suizidversuche ließe sich nur grob erahnen. Nach Experteneinschätzungen versuchen etwa 20 bis 40 Kinder und Jugendliche jeden Tag, sich das Leben zu nehmen. Rund drei Jahre alte Zahlen belegten, dass über 10.000 erwachsene Todesopfer in Deutschland durch Selbsttötung zu beklagen seien. Bei Kindern und Jugendlichen ist Suizid die zweithäugste Todesursache.

Während bei Erwachsenen etwa dreimal mehr Männer als Frauen diesen letzten Verzweiflungsschritt begehen, ist das Verhältnis bei den Versuchen der Jugendlichen umgekehrt. Aus statistischer Sicht versuchen Mädchen dreimal so oft, sich das Leben zu nehmen als Jungen. Da Jungs häufiger sogenannte „harte Methoden“ anwendeten, führten ihre Versuche wiederum dreimal öfter zum Tod. Mädchen und junge Frauen hingegen nähmen meist Tabletten ein oder verletzten sich die Pulsadern.

Mit Fallbeispielen erläuterte Dr. Hagenah wesentliche Details aus der direkten Arbeit mit jungen Notfallpatienten. Mit „Suizidalität ist keine Krankheit, sondern ein Symptom“ fasste er zusammen, dass immer ein komplexes System verschiedenster Ursachen zu einem Suizidversuch führen. Zu berücksichtigen seien psychische Phänomene wie Depressionen oder familiäre Probleme, aber auch akute Erkrankungen und Drogenmissbrauch. Selbstverletzungen, so Dr. Hagenah, stellten nicht per se den Wunsch nach der Beendigung des Lebens dar, sondern haben meist einfach eine entlastende Funktion. Suizidale Krisen werden jedoch häufig von gesteigerten Phasen der Selbstverletzung eingeleitet bzw. begleitet.

Den medizinischen und pflegerischen Fachkräften erläuterte der RWTH-Mediziner schließlich in kompakter Form, wie Situationsanalyse und Umgang mit jugendlichen Notfallpatienten in einer Krisensituation gestaltet werden könnte. Aber, so monierte er, sei Hilfe leider auch nicht immer ganz eindeutig gesetzlich geregelt. Bei Fragen der Einweisung etwa befänden Rettungskräfte sich oftmals in einer unangenehmen juristischen Grauzone zwischen möglicher unterlassener Hilfeleistung und Freiheitsberaubung. Eindeutig zu verbessern sei aber auf alle Fälle auch die Krisen-Kommunikation zwischen allen beteiligten Notfall-Helfern und etwa der Polizei.

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