Forderung nach einem altersgerechten Quartier

Von: fe
Letzte Aktualisierung:

Eschweiler. „Jetzt sind Sie dran!“ Unter diesem Motto organisierte Peter Toporowski, Seniorenbeauftragter der Stadt Eschweiler, jetzt einen Workshop zum Aufbau eines altengerechten Quartiers in der Innenstadt. Zahlreiche Bewohner folgten der Einladung der Stadt in den Ratssaal, um sich in die Überlegungen, wie die Innenstadt für die wachsende Zahl von älteren Menschen attraktiver gemacht werden könnte, einzubringen.

Die Workshops sind Teil des Projektes „Altengerechtes Quartier Eschweiler-Zentrum“, das seit Anfang des Jahres vom Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert wird. Eschweiler ist die erste Stadt in der Städteregion Aachen, die sich mit Unterstützung des Ministeriums auf den Weg gemacht hat, in einem solchen Modellprojekt ein Quartier zu schaffen, in dem Wohnen und Leben von älteren Menschen besondere Berücksichtigung finden.

Vorschläge einbringen

Toporowski hatte für die Workshops Verstärkung mitgebracht: Seit Anfang des Jahres ist Cem Gökce als Quartiersentwickler bei der Stadt Eschweiler beschäftigt und hat die Aufgabe, Vorschläge für Verbesserungen im Quartier für ältere Menschen auf den Weg zu bringen. „Das kann ich nur gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern“, so Gökce zu Beginn des Workshops.

Nach Angaben von Peter Toporowski hat die Stadt Eschweiler aber auch schon 2014 begonnen, sich Gedanken über die Folgen des demografischen Wandels und neue Ansprüche an das Wohnen durch ältere Menschen zu machen. Dazu begrüßte der Seniorenbeauftragte Dr. Wolfgang Joußen vom B-PLAN Büro in Eschweiler, das im Auftrag der Stadt eine Befragung zu den Wohnwünschen älterer Menschen in Eschweiler durchgeführt hat.

„Zentrales Ergebnis dieser Studie ist, dass die älteren Menschen auch in Eschweiler möglichst lange in den eigenen vier Wänden wohnen und nicht schon früh in einem Seniorenheim leben möchten“, so Joußen. Kaum überraschend, dass dann im zweiten Teil der Workshops das Thema „Wohnen im Alter“ großen Raum einnahm. Die Teilnehmenden hatten jetzt Gelegenheit, ihre persönlichen Anforderungen an ein altengerechtes Quartier ausführlich vorzustellen. Und davon wurde umfassend Gebrauch gemacht: Jeder der mehr als 60 Besucher stellte sein wichtigstes Anliegen im Ratssaal vor.

Konkrete Anregungen

Das Spektrum der Beiträge reichte dabei von konkreten Anregungen zur Gestaltung des Wohnumfeldes („mehr Grün“, „mehr Bänke“, „Autofreie Zonen“) bis hin zu Vorschlägen für eine weitere Verbesserung der medizinischen und pflegerischen Versorgung. Immer wieder gewünscht wurde auch die Möglichkeit, auch ohne Pflegebedürftigkeit punktuell unterstützende Hilfen beim Einkauf, bei der Erledigung von Behördengängen und z.B. beim Arztbesuch in Anspruch nehmen zu können.

Ein weiteres wichtiges Thema war die Mobilität von älteren Menschen. Das fanden die meisten Besucher ganz besonders wichtig. Gewünscht wurden da vor allem Ergänzungen zum öffentlichen Personennahverkehr, beispielsweise durch ein Rufbussystem oder durch die Einrichtung von Fahrdiensten durch Ehrenamtler.

Dass ohnehin in allen Bereichen mehr ehrenamtlich Aktive in Zukunft für die angemessene Versorgung älterer Menschen in Eschweiler benötigt werden, meinten alle Teilnehmenden. Gerade älter werdende Menschen in Eschweiler sind nach den Erfahrungen von Seniorenverbänden und caritativen Einrichtungen bereit, sich stärker als bisher für andere zu engagieren.

Manchmal fehlt ihren dann aber ein wenig der Überblick, wo sie sich denn da genau einbringen könnten. Auch dazu soll der gerade fertiggestellte neue Seniorenwegweiser für Eschweiler Anregungen geben, so der Seniorenbeauftragte Toporowski. Der Seniorenwegweiser wird in Kürze gedruckt zur Verfügung stehen und kann auf der Webseite des Projektes www.eq50.de heruntergeladen werden.

Wie ein roter Faden zog sich durch alle Beiträge im Workshop das Thema „Altersarmut“: „Wohnen, Mobilität und die Versorgung müssen auch für ältere Menschen mit weniger Geld bezahlbar bleiben und werden“, hob eine Teilnehmerin hervor und verwies dazu auf ihre Erfahrungen in ihrem Heimatland Griechenland. „Da haben viele Menschen im Alter fast gar kein Geld, aber die anderen unterstützen sie dann“, so die Teilnehmerin, die sich mehr gegenseitiges Helfen im Alter auch für Deutschland und Eschweiler wünschte, um weitere Ausgrenzung zu vermeiden.

Angeregte Diskussion

Die Beiträge und die angeregte Diskussion ließen erkennen, dass aus der Sicht der Teilnehmer folgende Themen für die weitere Arbeit am altengerechten Quartier besonders wichtig sind: Wohnen, Mobilität, Tag- und Nachtversorgung und -betreuung und ehrenamtliche Seniorenarbeit. Aber auch das „Wie schaffen wir das?“ in Eschweiler ist aus Sicht der Workshopteilnehmer von besonderer Bedeutung. Denn alles, was verändert und verbessert werden soll im Quartier, muss organisiert und auch finanziert werden.

Dazu nahmen schon einige Workshopteilnehmer die anwesenden Politiker und Politikerinnen aus dem Stadtrat in die Pflicht. Denn im weiteren Fortgang des Projektes soll nicht nur geredet, sondern auch gezeigt werden, was wie durch wen in Eschweiler in die Tat umgesetzt werden kann. Deshalb wählten die Teilnehmenden auch den Aspekt „Organisation des altengerechten Quartiers“ zu einem weiteren Schwerpunktthema für die Arbeit im Projekt.

Diese weitere Arbeit müssen die Teilnehmenden mit Unterstützung des Projektteams nun aber in den kommenden Wochen selbst machen: So wurden zum Schluss der Veranstaltung 5 Arbeitsgruppen eingerichtet, die konkrete Vorschläge für die Verbesserung der Lebenssituation von älteren Menschen im Quartier Eschweiler-Zentrum ausarbeiten werden. Die ersten Sitzungen der Arbeitsgruppen finden nach der Sommerpause statt. Über die Termine werden die Teilnehmenden schriftlich informiert. Die Termine werden auch auf der Webseite des Projektes www.eq50.de bekanntgegeben.

„Zu diesen Sitzungen sind auch weitere Mitstreiter für die Schaffung des altengerechten Quartiers Eschweiler-Zentrum herzlich willkommen“, betonte Peter Toporowski. Bis das altengerechte Quartier im Zentrum der Stadt dann eingerichtet sein wird, wird noch etwas Zeit vergehen. Das Projektteam rechnet mit einem länger dauernden Prozess von fünf bis zehn Jahren.

„Wir reden seit vielen Jahren über den demografischen Wandel, jetzt ist es Zeit zum Handeln für die wachsende Zahl von älteren Menschen auch in Eschweiler“, hob Dr. Wolfgang Joußen hervor. Die erforderliche Arbeit soll im Verbund von Stadt, freien Trägern, Einrichtungen, Unternehmen und Bewohnerinnen und Bewohnern in Angriff genommen werden. Das altengerechte Quartier Eschweiler-Zentrum ist somit aus der Sicht des Projektteams ein erster Schritt, der dann auch für die anderen Quartiere in Eschweiler in Angriff genommen werden sollte.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert