Eschweiler-Röhe - „Foodsaver“: Begonnen hat es mit einer Kiste Zucchini

„Foodsaver“: Begonnen hat es mit einer Kiste Zucchini

Von: Sonja Essers
Letzte Aktualisierung:
10628060.jpg
Gina Kahn und Meike Krüger sind Foodsaver und retten Lebensmittel. Erst Donnerstagmorgen ergatterten sie im Großmarkt in Aachen Obst und Gemüse. Hätten sie die Lebensmittel nicht mitgenommen, wären diese in der Mülltonne gelandet. Foto: Sonja Essers
10628066.jpg
Gina Kahn und Meike Krüger sind Foodsaver und retten Lebensmittel. Erst Donnerstagmorgen ergatterten sie im Großmarkt in Aachen Obst und Gemüse. Hätten sie die Lebensmittel nicht mitgenommen, wären diese in der Mülltonne gelandet. Foto: Sonja Essers
10628062.jpg
Gina Kahn und Meike Krüger sind Foodsaver und retten Lebensmittel. Erst Donnerstagmorgen ergatterten sie im Großmarkt in Aachen Obst und Gemüse. Hätten sie die Lebensmittel nicht mitgenommen, wären diese in der Mülltonne gelandet. Foto: Sonja Essers

Eschweiler-Röhe. Neun Kisten Pflaumen, eine Kiste Weintrauben, zwei Kisten Orangen, vier Kisten Nektarinen, eine Kiste Radieschen, dreieinhalb Kisten Melonen, eine Kiste Möhren, zehn Säcke Zwiebeln, neun Fladenbrote, Kartoffeln, Schnittlauch, Avocados, Spinat: Ohne Gina Kahn und Meike Krüger wären diese Lebensmittel im Müll gelandet.

Die beiden sind Foodsaver. Sie retten Lebensmittel, bevor die in den Müll wandern. Ihr Motto: Lebensmittel teilen, anstatt sie wegzuwerfen. Angefangen hat alles mit einer Kiste Zucchini, die Krüger bei ihrem ersten Einsatz rettete. Ihr ehrenamtliches Engagement begann, nachdem sie den Film „Taste The Waste“ von Foodsharing-Begründer Valentin Thurn gesehen hatte. Dieser klärt darüber auf, wie viele Lebensmittel täglich weggeworfen werden. „Ich wusste, dass Supermärkte Ware wegwerfen, aber dass es solche Mengen sind, hätte ich nie gedacht“, sagt die 28-Jährige.

Keine Konkurrenz zur Tafel

Dass Lebensmittel vor der Tonne gerettet werden, ist spätestens seit dem Prinzip der Tafeln bekannt. Dennoch unterscheiden sich die beiden Institutionen voneinander.„Wir nehmen auch Dinge an, die über dem Mindesthaltbarkeitsdatum oder Verfallsdatum liegen“, erklärt Krüger. Konkurrenz aber nicht, schließlich gebe es einen weiteren wichtigen Unterschied: „Foodsharing ist nicht nur für Hilfsbedürftige, sondern für Jedermann. In manchen Städten sammeln die Foodsaver abends sogar noch die Reste der Tafel ein“, sagt Krüger.

Wie wichtig das Retten der Lebensmittel ist, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Jeden Tag kommen im Großmarkt 200 bis 300 Kilogramm zusammen, die in die Tonne wandern. In Discountern zehn bis 20 und im Einzelhandel fünf bis zehn Kilogramm. „Es gibt Menschen, die hungern und wir schmeißen unsere Lebensmittel weg, weil ein Blatt welk ist“, so Krüger.

Für die Auszubildende stand fest: Das muss sich ändern. „Man muss die ökologischen Probleme bedenken, die so entstehen“, sagt sie und nennt ein Beispiel: „Wenn wir Bananen wegwerfen, werden sie im Herkunftsland so teuer, dass die Einheimischen sich keine mehr leisten können.“

Krüger stieß im Internet auf zwei Plattformen. Auf der einen wurde Essen geteilt (siehe Box). Eine weitere beschäftigte sich damit, Lebensmittel zu retten. „Seitdem bin ich infiziert“, sagt Krüger und lacht.

Im Februar des vergangenen Jahres startete Krüger in Aachen. „Als ich nach Eschweiler gezogen bin, habe ich gedacht, dass ich hier einfach weitermache“, sagt sie. Gesagt, getan. Anfang des Jahres gründete die 28-Jährige eine Organisation in der Indestadt, dessen Botschafterin sie nun ist.

Derzeit engagieren sich in dieser 15 Ehrenamtler. Doch helfende Hände werden dringend gebraucht. „Dann könnten wir uns weiter ausbreiten und mehr Kooperationen abschließen“, erklärt Krüger. Kooperationen bestehen mit erst einem Händler in der Indestadt. Wo Krüger, Kahn und ihre Mitstreiter die Lebensmittel momentan retten? Auf dem Großmarkt in Aachen. Mit zwei Autos ging es dort am Mittwoch hin.

Auf dem Großmarkt sind die Ehrenamtler bestens bekannt. Einige der sieben Händler hatten ihnen bereits Ware zurecht gestellt, andere konnten den Frauen keine Reste abgeben. „Das ist auch ok. Dann landet auch nichts in der Tonne“, sagt Krüger.

Auf dem Großmarkt retten die Foodsaver Obst und Gemüse. „Manchmal ist man von den vielen Sachen erschlagen. Irgendwann gewöhnt man sich daran, aber eigentlich ist es erschreckend“, sagt Krüger. So auch am Mittwoch. Ein Händler hatte 13 Kisten Nektarinen bereit gestellt. Während einige von Schimmel befallen waren, waren andere in einem einwandfreien Zustand.

Warum sie trotzdem im Müll landen? „Beim Großmarkt werden Waren in großen Mengen verkauft. Wenn eine Nektarine von Schimmel befallen ist, geht die ganze Kiste in den Müll“, sagt Krüger.

Anlaufstelle in Röhe

Einmal in der Woche fährt die Truppe einen Discounter an, täglich werden in einer Bäckerei Brot und Brötchen abgeholt. Mittwochs und samstags wird die Ware in einem Innenhof an der Nickelstraße in Röhe aufgebaut. Dort kann sich ab Mittag jeder Indestädter kostenlos bedienen.

Einen Wunsch haben Krüger und Kahn allerdings. Sie würden gerne einen Fairteiler in der Innenstadt einrichten. „Dafür eignet sich alles. ein Regal oder Körbchen in einer alten Telefonzelle, das von uns gefüllt wird, würde schon reichen“, sagt Krüger. Diese Meinung teilen auch die Indestädter, die den Fairteiler nutzen. „Es wäre toll, wenn es mehr geben würde. Das ist eine schöne Sache, die unterstützt werden muss“, ist sich eine Dame sicher.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert