Folgen von Mobbing: Rückzug, Angst, Schulverweigerung und mehr

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Mobbingopfer brauchen Schutz: Dr. Wolfgang Hagemann weist auf die möglichen massiven Spätfolgen hin. Foto: Sonja Essers

Eschweiler. Mobbing gehört für viele Schüler zum Alltag: „Diese Untersuchungsergebnisse, welche auch durch andere Studien bestätigt werden, müssten zu einem Aufschrei in unserer Gesellschaft führen“, sagt Dr. med. Wolfgang Hagemann, Ärztlicher Direktor der Röher Parkklinik, Arzt für Psychotherapeutische Medizin und Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie.

„Was hier nicht weiter ausgeführt wird, sind die massiven destruktiven Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung betroffener Schüler.“ Während sich die Auswirkung von Mobbing in nachlassenden schulischen Leistungen, sozialem Rückzugsverhalten, Depressivität und Angst bis hin zur Schulverweigerung zeigen können, verweisen viele Erwachsene darauf, dass schon während der Schulzeit das erlittene Mobbing die Weichen für ihre seelische Erkrankung gestellt hat.

„Soziale Phobien, Prüfungsängste, Ängste das Studium abzuschließen und in die Berufswelt einzutreten und Verantwortung für sein Leben zu übernehmen, sich von zuhause abzulösen und sich auf eigene Füße zu stellen, Selbstverletzungen als Ausdruck der inneren Not, sich nicht vertrauensvoll an andere Menschen wenden zu können, großes Misstrauen, das daran hindert, sich mit seinen Ängsten und Nöten Menschen anzuvertrauen aus der Erfahrung, schon während des Mobbings keine ausreichende Unterstützung erfahren zu haben, werden von jungen Erwachsenen bis zum ca. 30. Lebensjahr beschrieben. Doch selbst bei älteren, welche in Lebenskrisen seelisch erkranken, finden sich Wurzeln in der Mobbingerfahrung während der Schulzeit.“

Mobbing wirke wie ein soziales Trauma, bewirke, dass das Opfer mit dem Erleben von Hilflosigkeit, Ausgeliefertsein, Schutzlosigkeit konfrontiert werde.

„Es sollte unbedingt ein Appell an die Verantwortlichen in der Schule, das sind die Mitschüler, die Lehrerinnen und Lehrer, die Schulleitung sowie das Elternhaus, sowie gegebenenfalls Großeltern und weitere nahestehende Angehörige gerichtet, ganz klar und deutlich zum Ausdruck zu bringen, dass Mobbing zu erfahren sozial desintegriert, das Bedürfnis nach Zugehörigkeit missachtet wird, den Betroffenen zum Opfer macht, das des Schutzes bedarf“, betont Hagemann.

Es sei von größter Wichtigkeit, dass der Betroffene sich als Opfer anerkannt wisse, erlebe, wie er vor weiteren Ausgrenzungen und Anfeindungen Schutz erfahre und sein Bedürfnis nach sozialer Zugehörigkeit unbedingt Unterstützung erhalte. „So kann es gelingen, dass die ansonsten destruktiv wirkenden Mobbingerfahrungen zu einer Stärkung in der Persönlichkeitsentwicklung beitragen können.

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