Eschweiler - Flyer mit umfassenden Informationen zum „Delir“

Flyer mit umfassenden Informationen zum „Delir“

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Haben ein Flyer zum sogenannten „Delir“ erstellt: Pflegedirektorin Roswitha Brenner, Intensivfachpfleger Bernd Rütten und Dr. Yvonne Commerscheidt-Hopp, leitende Oberärztin, Klinik für Anästhesie und Operative Intensivmedizin St.-Antonius-Hospital (v. l.). Foto: Gerhard Bree

Eschweiler. Intensivfachpfleger Bernd Rütten hat auf seine älteren Patienten ein besonders wachsames Auge. Denn sie sind überdurchschnittlich oft von einem sogenannten „Delir“, also einem akuten Verwirrtheitszustand betroffen, der nach Operationen auftreten und mehrere Tage dauern kann.

Wirken diese Patienten also trotz eines gut verlaufenen Eingriffs verwirrt oder apathisch, erkennen Bernd Rütten und seine Kollegen die Warnzeichen und können handeln. Denn wenn die Störung nicht rechtzeitig erkannt wird, kann das zu dauerhaften Schäden führen.

„Viele betagte Patienten entwickeln in den ersten Stunden oder Tagen nach größeren Operationen das ‚Postoperative Delir‘“, sagt Dr. Yvonne Commerscheidt-Hopp, die sich als leitende Oberärztin der Klinik für Anästhesie und Operative Intensivmedizin am St.-Antonius-Hospital (SAH) besonders eingehend mit diesem Thema beschäftigt.

„Der Verwirrtheitszustand kann sich bereits nach dem Erwachen aus der Narkose zeigen, innerhalb der ersten Stunden, aber manchmal auch erst Tage nach dem Eingriff auftreten. Die betroffenen Patienten wissen dann nicht mehr, wo sie sind, können nicht sagen, welcher Tag es ist und erkennen manchmal sogar ihre Angehörigen nicht mehr.“

Gemeinsam mit ihrem Kollegen Bernd Rütten hat die Ärztin einen Flyer erstellt, der umfassende Informationen zum Thema „Delir“ für Patienten, Angehörige und Mitarbeiter des St.-Antonius-Hospitals bereithält. Besonders das SAH-Ärzte- und -Pflegeteam der Intensivmedizin ist für das Problem sensibilisiert und setzt mit einem umfassenden Betreuungskonzept an, das im Rahmen eines multiprofessionellen Projekts entwickelt wurde. Neben einer sorgfältigen medizinischen Behandlung, der patientengerechten Gestaltung der Intensivräume und der Lärmvermeidung auf der Station gehört auch die Einbindung der Angehörigen dazu.

„Oft reicht es schon, ein vertrautes Gesicht hinzuzuholen, das ruhig auftritt und deutlich spricht, damit die Patienten ihre Angst verlieren“, erzählt Pfleger Bernd Rütten. „Auch wissen wir aus Beobachtungen und Gesprächen mit Patienten, dass vor allem das Hören, das Gefühl der Haut und das Riechen intakt sind. Deshalb ist es sinnvoll, sich bei der Kontaktaufnahme auf diese Wahrnehmungsbereiche zu konzentrieren und dem Patienten zum Beispiel über die Hand zu streichen, auch wenn er nicht zu reagieren scheint. Ebenso wichtig ist, den Patienten nach dem Aufwachen aus der Narkose Orientierung zu bieten. Dazu müsste beispielsweise die Brille oder das Hörgerät bereitliegen. Hilfestellung bei der zeitlichen Orientierung können große, gut lesbare Uhren im direkten Blick unserer Patienten sein.“

Wie genau es zu einem „Delir“ kommt, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Fest steht, dass Entzündungsreaktionen im Körper eine Rolle spielen, die möglicherweise durch psychischen Stress, den operativen Eingriff, Schlafentzug oder Flüssigkeitsmangel verursacht werden.

Auch eine fehlende oder nicht ausreichende Schmerztherapie erhöht die Gefahr, ein „Delir“ oder andere Komplikationen zu erleiden. Daher nimmt das Team der Intensivstation bei seinen Patienten dreimal täglich ein sogenanntes „Delir“-Scoring vor. Dadurch werden die Erkrankten in ein spezielles System eingestuft, um schon im Vorfeld ein potenzielles „Delir“ erkennen und frühzeitig Therapiemaßnahmen ergreifen zu können.

Vermittlung von Geborgenheit

Mittlerweile wurde das Betreuungskonzept der Intensivmedizin auf die gesamte Pflege im St.-Antonius-Hospital übertragen, denn auch ohne OP kann ein Patient während eines Klinikaufenthalts an einem „Delir“ erkranken.

„Schon junge Patienten fühlen sich beim Anblick des sterilen Weiß der Krankenhauszimmer und der langen Klinikflure nicht wohl. Umso stressiger ist die Umstellung für ältere Patienten“, erklärt Pflegedirektorin Roswitha Brenner. „Sensibilität sowie die Vermittlung von Geborgenheit und Sicherheit sind gefragt, wenn es darum geht, Patienten bei der Genesung zu unterstützen.“

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