Eschweiler - Flüchtlingslager im Libanon hinterlässt Spuren

Flüchtlingslager im Libanon hinterlässt Spuren

Von: ran
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Kümmerte sich fünf Wochen lang um Kinder in Flüchtlingslagern des Libanon: der 17-jährige Indestädter Kilian Suermann.

Eschweiler. Seit drei Wochen sind die Sommerferien Vergangenheit. Doch für Kilian Suermann sind sie nach wie vor sehr präsent. Der 17-jährige Indestädter verbrachte nämlich fünf der sechseinhalb Wochen im Nahen Osten, genauer gesagt im Libanon. Nicht um dort Urlaub zu machen, sondern um in verschiedenen Projekten mit Flüchtlingskindern zu arbeiten.

„Ziel war es, Kindern, die in jungen Jahren bereits viel Schlimmes erlebt und durchgemacht haben, eine schöne Zeit zu bereiten”, betont der Schüler der „Amos Comenius Schule”, einem privaten Gymnasium in Aachen.

Reise ins Ungewisse

Erste Verbindungen in Richtung Naher Osten kamen durch Kilians Vater Harald Suermann zustande. Dieser ist als Professor für Nahost-Wissenschaften an der Universität Bonn tätig und lebte gemeinsam mit seiner Frau Catherine vor einem Vierteljahrhundert ein Jahr lang im Libanon.

Nachdem aus dem ursprünglichen Wunsch Kilians, sechs Monate in den Vereinigten Staaten oder in Großbritannien zu verbringen, nichts wurde, kam er auf die Idee, es seinen Eltern gleichzutun und für einige Wochen in den Libanon zu gehen, und dort an Caritas-Projekten teilzunehmen.

Am Samstag, 4. Juli, begann für den Jugendlichen die Reise ins Ungewisse, denn eine echte Vorstellung von dem, was ihn erwartete, hatte Kilian Suermann nicht. Darüber hinaus hatte er zwei Tage vor dem Start auch noch eine schlechte Nachricht erhalten. Denn den Verantwortlichen der Caritas war es nicht gelungen, eine Unterkunft für den Aufenthalt im ersten Camp zu organisieren. Doch davon ließ sich der ehemalige Leichtathlet von Germania Dürwiß nicht schrecken. „Über Bekannte meines Vaters, bei denen ich zunächst wohnte, lernte ich einen Pfarrer der maronitischen Kirche kennen, den ich einige Tage bei seiner Arbeit in einem Vorort von Beirut unterstützen konnte”, blickt Kilian Suermann zurück.

Nach Abschluss dieser ersten Etappe ging es ins Bekaa-Tal. „Eine sehr arme Region, in der viele Menschen das gesamte Jahr über in Zelten leben. Und dies bei Temperaturen, die von minus 17 Grad im Winter bis zu plus 45 Grad im Sommer reichen”, macht der Schüler deutlich. Hier folgte die Arbeit mit Flüchtlingskindern, die meistens aus dem Irak stammten. Unterstützt von einheimischen Ehrenamtlern der Caritas, die oft auch als Dolmetscher fungierten, wurde gespielt, gebastelt und geredet.

„Von allen Seiten betrachten”

Auch Ausflüge standen auf dem Programm. „Die Perspektiven für diese jungen Menschen sind nicht gut. Im Libanon dürfen sie teilweise das Lager nicht verlassen. Und zurück in den Irak, wo Flüchtlinge oft als Vaterlandsverräter angesehen werden, können sie später wohl auch nicht”, verdeutlicht Kilian Suermann, der in seiner Heimatstadt seit eineinhalb Jahren für die Jusos politisch tätig ist.

Das Fazit seines Aufenthalts im Libanon fällt auch vier Wochen nach seiner Rückkehr sehr positiv aus. „Ich habe Menschen anderer Kulturen, Nationalitäten und Religionen kennengelernt und sehe nun vieles aus einem anderen Blickwinkel. Es gilt immer, die Dinge von allen Seiten zu betrachten und sie nicht einseitig zu sehen, wie dies in unseren Medien nicht selten geschieht”, betont Kilian Suermann. So habe die Vorstellung vieler Menschen hierzulande, im Nahen Osten liefe fast jeder mit einem umgehängten Maschinengewehr herum, nichts mit der Realität zu tun.

„Ich habe auch viele Frauen gesehen, die sich ohne Schleier oder Kopftuch auf den Straßen bewegten”, berichtet der Schüler der elften Jahrgangsstufe, der nach fünf Wochen im Nahen Osten allerdings auch die Annehmlichkeiten seiner Heimat zu schätzen weiß. „Vor allem die letzten beiden Wochen waren mit Arbeitstagen von 15 bis 17 Stunden sehr anstrengend. Von daher ist es durchaus auch schön, wieder zu Hause zu sein.”

Missen möchte Kilian Suermann aber keine der Erfahrungen, die er im Libanon machte. „Es war eine Zeit, die meine Persönlichkeit mitprägen wird.”
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