Flüchtlinge fühlen sich dank Unterstützung pudelwohl

Von: Sonja Essers
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Brigitte Averdung-Häfner hat eine besondere Verbindung zu Rudi (Mitte) und seinen Brüdern Eno (links) und Ermir. Foto: Sonja Essers

Eschweiler. Der kleine Rudi entwickelt sich prächtig. Er strahlt über das ganze Gesicht und brabbelt munter vor sich hin. Ein richtiger Wonneproppen sei der Kleine, der vor drei Monaten in der Indestadt das Licht der Welt erblickte, meint Brigitte Averdung-Häfner.

Nicht nur sie, sondern auch die Mitglieder der Sensibilisierungs- und Aufräumtruppe haben zu dem kleinen Rudi, seiner Mutter und seinen beiden Brüdern eine ganz besondere Beziehung aufgebaut. „Wir haben ein sehr familiäres Verhältnis“, sagt Brigitte Averdung-Häfner, während sie den Kleinen auf ihrem Arm hält.

Wie es dazu kam? Im Oktober des vergangenen Jahres kamen die 31-jährige Fatima (Name von der Redaktion geändert) und ihre beiden Söhnen Ermir und Eno in die Indestadt. Ein zu Hause fand die kleine Familie in einer der Notunterkünfte an der Hüttenstraße. Fünf Monate später brachte Fatima den kleinen Rudi auf die Welt.

Brigitte Averdung-Häfner und ihre Truppe sorgten dafür, dass die Flüchtlinge aus Albanien eine Wohnung fanden und richteten diese ein. Mittlerweile betreuen die engagierten Indestädter, die in regelmäßigem Kontakt mit Demet Jawher von der Abteilung für Integrationsangelegenheiten stehen, vier Flüchtlingsfamilien, und auch bei Fatima und ihren drei Söhnen hat sich in den vergangenen Monaten so einiges getan.

Arbeit wird wertgeschätzt

Erst vor wenigen Tagen erhielt Fatima einen Brief von der Arbeiterwohlfahrt. Darin waren zwei Gutscheine für Möbel enthalten. Die junge Frau freute sich sehr darüber, gab sie jedoch an Brigitte Averdung-Häfner weiter. „Ich brauche das nicht. Ich habe alles“, teilte sie der Fotografin mit.

Für die Indestädterin war dies ein ganz besonderer Moment. „Darüber habe ich mich wirklich gefreut“, sagt sie rückblickend. Schließlich habe Fatima mit dieser Geste nicht nur die Arbeit der Sensibilisierungs- und Aufräumtruppe wertgeschätzt. „Sie versteht auch, woher das Geld kommt, wie man damit wirtschaftet und dass man nicht überall hingeht, nur weil es etwas umsonst gibt“, so Averdung-Häfner.

Selbstverständlich sei dies keineswegs, meint Averdung-Häfner, die oft mitbekommt, wie die alltäglichen Dinge zu Problemen werden können. Das weiß auch Fatima. Kürzlich versuchte sie den Stopfen des Waschbeckens mit einem Messer zu entfernen. Sie habe nicht gewusst, dass es dafür einen Schalter gebe. „Im Grunde ist vieles sehr einfach. Wohnungen zu bekommen und einzurichten, sind das kleinste Problem. Oft muss allerdings zuerst die Alltagsbewältigung gelernt werden.“

Und wie haben sich Fatimas Söhne bisher eingelebt? Der vierjährige Ermir kommt in den kommenden Wochen in den Kindergarten, der achtjährige Eno besucht mittlerweile die Schule. Besonders gerne spielen die beiden Jungs Fußball, erzählen sie. Auch das Deutschlernen klappe ganz gut, meint Eno, sein Lieblingsfach sei allerdings das Malen, berichtet er und seine braunen Augen funkeln.

Doch es gibt auch Situationen, die ihn in Angst und Schrecken versetzen. „Es ist nicht schön, wenn man sich schlägt“, sagt der Schüler. Gewalt und Streitigkeiten kennt Eno aus seiner Heimat Albanien. Familienstreitigkeiten zwangen Fatima und ihre Kinder dazu, das Land zu verlassen.

Ihren Vater haben Eno und Ermir seit Oktober nicht mehr gesehen. Er wurde kurz vor der Grenze zu Deutschland festgehalten. Wann und ob er in die Bundesrepublik kommen wird, wissen Fatima und ihre Söhne nicht. Lediglich mit ihren Eltern und ihrem Bruder hat die 31-jährige Albanerin bereits das eine oder andere Mal seit ihrer Ankunft in Eschweiler telefoniert.

Umso dankbarer ist Fatima für die Hilfe, die sie von Brigitte Averdung-Häfner und ihren Mitstreitern bekommt. Zwei Mal in der Woche kümmern sich die Frauen abwechselnd um den kleinen Rudi. Nur so kann Fatima am Deutschunterricht teilnehmen. Bei Arztbesuchen und Behördengängen sowie den Einkäufen bei der Eschweiler Tafel wird die gelernte Köchin von ihren neuen Freunden begleitet. Auch ihre Nachbarin, die ebenfalls aus Albanien stammt, wird von der Sensibilisierungs- und Aufräumtruppe unterstützt. Zudem richteten die Ehrenamtler eine Wohnung am Markt sowie eine Wohnung an der Röthgener Straße ein.

Unsicherheit oft vorhanden

Ohne die Hilfe zahlreicher Inde­städter wäre dies allerdings nicht möglich gewesen. „Viele Leute wollen helfen“, meint Brigitte Averdung-Häfner. Wichtig sei ihr, dass die Menschen, die sich engagieren wollen, auch direkt mit den Betroffenen in Kontakt kommen. Doch immer wieder sei Unsicherheit zu spüren. „Ich werde oft gefragt, ob man einfach zu den Leuten hinfahren und ihnen Sachen geben kann. Dann sage ich: Warum nicht?“ Mittlerweile fühle sich die Indestädterin als „Mama“ der Truppe, sagt sie und lacht.

Einfach sei das ehrenamtliche Engagement trotzdem nicht immer. Schließlich müsse man dieses erst einmal mit Arbeit und Familie unter einen Hut bekommen. „Viele Leute stellen sich das leicht vor, das ist es aber nicht“, gibt Averdung-Häfner zu bedenken.

Und auch mit dem Verhalten ihrer Schützlinge ist die Fotografin nicht immer einverstanden. Besonders wenn es darum geht, die deutsche Sprache zu lernen. Während einige ihrer Paten dies eher langsam angehen lassen, gibt es andere, die sich bereits problemlos verständigen können. „Jeder hat da sein eigenes Tempo“, sagt Averdung-Häfner.

Die Verständigung zwischen ihr und Fatima klappt ganz gut. Einen Dolmetscher brauchen die Frauen nicht mehr. Einziger Helfer: das albanische Wörterbuch. „Mittlerweile spreche ich ein bisschen Albanisch“, berichtet Averdung-Häfner, die sich über neue Mitstreiter freut. „Ich hoffe, wir können erreichen, dass sich noch mehr Menschen engagieren“, sagt sie.

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