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Flüchtlinge aus Container: Erst gerettet, dann verschwunden

Von: Rudolf Müller
Letzte Aktualisierung:
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Wo sind die Flüchtlinge? In Eschweiler sind sie knapp dem Tod im Container entronnen – jetzt wieder auf dem Weg nach England? Foto: Ralf Roeger

Aachen/Eschweiler. Nur um Haaresbreite sind die 13 Syrer, Iraner und Afghanen, die die Polizei am Dienstag aus einem Kühlcontainer in Eschweiler befreit hat, dem Erstickungstod entgangen. Jetzt sind elf von ihnen verschwunden – und die Polizei rätselt, wohin.

Während zwei noch minderjährige Flüchtlinge in Aachen blieben, ist der Aufenthaltsort der anderen den Behörden derzeit unbekannt. Sie waren noch am Dienstag mit der Maßgabe entlassen worden, sich innerhalb von acht Tagen bei der Aufnahmestelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge in Dortmund zu melden.

Dass sie dort bislang nicht angekommen sind, ist für die Piraten-Fraktion im Landtag ein Skandal: „Es ist unfassbar, wie unsensibel die Polizei mit traumatisierten und schutzlosen Menschen verfährt.“ Kritik kommt auch von Amnesty International. Der Schutzgedanke und die Verantwortung würden ausgeblendet, sagt die Aachener Vorsitzende von Amnesty im Bezirk Aachen, Ingeborg Heck-Boeckler, dem WDR.

Die Bundespolizei weist die Vorwürfe zurück: Man habe nach Vorschrift gehandelt, betont Sprecher Knut Paul. Diese besage, dass Asylbewerber, gegen die nichts vorliege, nach erkennungsdienstlicher Behandlung und Befragung auf freien Fuß zu setzen seien. Damit ende die Zuständigkeit der Bundespolizei, die Asylbewerber schon aus Kosten- und Versicherungsgründen nicht transportieren oder begleiten dürfe. Derartige Hilfen seien zudem unzulässige, die Freiheit der Betroffenen einschränkende Maßnahmen. „Wir fühlen uns manchmal auch nicht wohl, aber uns sind die Hände gebunden“, sagt Paul.

Im Eschweiler Fall hätten die Flüchtlinge eine Begleitung durch Mitarbeiter des Sozialamts abgelehnt. Man habe ihnen Bahntickets ausgehändigt, den Bahnsteig genannt und einen Taxischein für die Fahrt vom Dortmunder Bahnhof zur Aufnahmestelle gegeben. Kämen sie dort nicht innerhalb der Frist an, werde nach ihnen gefahndet. Vielleicht aber haben sie dann längst ihr ursprüngliches Ziel erreicht: England.

Gut vier Stunden waren die Flüchtlinge im Container eingeschlossen. Nach Angaben der Polizei war die Atemluft bereits verbraucht, als die Tür geöffnet wurde. Gegen die Schleuser wird nun auf Basis von Paragraf 96 des Aufenthaltsgesetzes ermittelt: „Wer den Geschleusten einer das Leben gefährdenden (...) Behandlung oder der Gefahr einer schweren Gesundheitsschädigung aussetzt“, muss mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren rechnen.

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