Eschweiler - Flucht, Drogen, Diebstahl: Gefängnis

Flucht, Drogen, Diebstahl: Gefängnis

Von: Tobias Röber
Letzte Aktualisierung:

Eschweiler. Fast acht Stunden dauerte es am Montag im Eschweiler Amtsgericht, bis das Urteil feststand. Ein 36 Jahre alter Mann aus Eschweiler wurde zu 20 Monaten Haft verurteilt. Im September des Vorjahres war er nach einer Flucht festgenommen worden, bei der er unter anderem direkt auf einen Polizeibeamten zugefahren sein soll, um sich einer Polizeikontrolle zu entziehen.

Verurteilt wurde der mehrfach vorbestrafte Mann wegen verschiedener Delikte, jedoch nicht – wie anfangs in Betracht gezogen – wegen versuchten Mordes. Aber der Reihe nach: Ein Hinweis war am frühen Abend des 6. September 2014 bei der Polizei eingegangen. Auf dem Parkplatz unterhalb des Spielplatzes an der Indestraße stehe ein verdächtiger Wagen.

Zwei Polizeibeamte machten sich auf den Weg und bekamen einen weiteren Hinweis, kurz bevor sie den Parkplatz erreichten: Möglicherweise handele es sich um Personen mit Kontakten zur Rockergruppe Hells Angels. Das erhärtete sich jedoch nicht.

Die beiden Beamten, die am Montag beide aussagten, parkten auf dem Platz und gaben nach eigener Aussagen dem Fahrer des Wagens mit Handzeichen und später auch Rufen zu verstehen, er solle stehen bleiben. Der Wagen parkte zu dem Zeitpunkt rückwärts aus. Als die Beamten ausstiegen und auf den Wagen zugingen, fuhr der 36-Jährige los. Ein Beamter sprang zur Seite und schoss zweimal auf den Fluchtwagen, in dem ein unbekannter Beifahrer saß.

Beifahrer bleibt unbekannt

Der 36-Jährige hatte einen weiteren Mann aus Eschweiler beschuldigt, neben ihm gesessen zu haben. Der jedoch bestritt, in dem Wagen gesessen zu haben, und auch die beiden Polizeibeamten waren sich einig, dass der beschuldigte Mann „eher nicht“ Beifahrer war. Im Laufe der Vernehmungen stellte sich heraus, dass der Angeklagte am 6. September zwölfmal mit dem angeblichen Beifahrer telefoniert hatte und auch nach der Flucht zweimal.

Der 36-Jährige bestätigte, losgefahren zu sein, er habe aber sicher niemanden verletzen wollen. Zwar hatten die Beamten damals gleich die Verfolgung aufgenommen, festgenommen wurde der Flüchtige jedoch erst einen Tag später – wieder nach einer Flucht. Als die Polizei bei ihm in Dürwiß auftauchte, floh er durch einen Hintereingang.

Ein Polizist versperrte ihm zunächst den Weg und konnte den 36-Jährigen schließlich am Fuß festhalten, als dieser über eine Leiter auf eine Mauer kletterte. Der flüchtende konnte sich losreißen. Dabei soll er laut Aussage des Polizisten aktiv mit dem anderen Fuß ins Gesicht des Beamten getreten haben. Der 36-Jährige bestritt dies. Der Polizist gab jedoch auch an, keine schlimme Verletzung davongetragen zu haben.

Kurz darauf endete die Flucht auf dem Dach eines Hauses. Im Fluchtauto fanden die Polizisten ein Elektroschockgerät sowie ein Faustmesser. Zudem bestand für den Wagen keine Haftpflichtversicherung und es waren zum Zeitpunkt der Flucht gestohlene Kennzeichen angebracht. Am Tag nach der Flucht wurden andere, erneut gestohlene Kennzeichen an den Wagen geschraubt. Diese habe er nicht selbst gestohlen, sagte der Angeklagte.

Marihuana, Heroin, Ecstasy

In seiner Wohnung wurden verschiedene Drogen gefunden. So 22,15 Gramm Marihuana, 2,48 Gramm Heroin, 8,84 Gramm Amphetamine und sieben Ecstasy-Pillen. Lediglich das Marihuana sei sein Eigentum gewesen, gab der 36-Jährige zu Protokoll.

Neben der Haupttat Anfang September wurden dem Indestädter weitere Delikte zur Last gelegt, von denen er einige einräumte. So soll er zweimal getankt haben, ohne zu bezahlen. Eines der Vergehen räumte er ein. Er habe sein Portemonnaie vergessen und sei daraufhin einfach weggefahren. Zudem gab er zu, ein Mobiltelefon von der Ladentheke eines Geschäfts an der Schnellengasse entwendet zu haben.

„Ein bisschen geschubst“

Ein weiterer Anklagepunkt lautete wie folgt: Seine Partnerin, mit der er auch eines seiner beiden Kinder hat, soll er bei einem Streit gewürgt und ihr mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen haben. Als die Frau die Polizei anrief, soll er gesagt haben: „Wenn du die Bullen anrufst, schlage ich dir die Zähne aus.“

Dann soll er das Telefonkabel aus der Wand gerissen haben. Die junge Frau konnte sich bei der Befragung am Montag so nicht mehr an diese Tat erinnern und auch der 36-Jährige sagte, es habe zwar öfters Streit gegeben, aber geschlagen habe er seine Freundin nie. Sie gab an, dass es schon mal heftiger zuging, allerdings verbal. Gewürgt habe er sie nicht, höchstens „im Affekt ein bisschen geschubst“.

Dennoch gab es in den vergangenen Jahren Gewaltschutzverfahren, sprich: Der 36-Jährige durfte die Frau nur kontaktieren, wenn sie zustimmte. Es sei immer wieder mal schlimmer gewesen, sagte die Mutter der gemeinsamen Tochter. Ob die Beziehung noch bestehe, ließ sich nicht ohne Weiteres klären. Allerdings sagte die Frau im weiteren Verlauf, sie könne sich vorstellen, den 36-Jährigen zumindest vorübergehend bei sich aufzunehmen.

Es wurden einige Zeugen befragt, mitunter mit neuen Erkenntnissen. So wurde ein Mann befragt, der in der Nähe des Spielplatzes wohnt und von seinem Balkon aus auf den Parkplatz schauen kann. Er hat auch am 6. September zur Tatzeit auf den Parkplatz geschaut und war noch am selben Abend nach Aachen ins Polizeipräsidium gefahren, um eine Aussage zu machen. Das Problem: Seine Aussagen vom September unterschieden sich doch mitunter sehr von seinen gestrigen Angaben. am Montag erschien der türkischstämmige Mann auch mit einem Dolmetscher vor Gericht, bei der Polizei damals habe er keinen Dolmetscher gehabt.

Der Polizeibeamte, der die Aussage am Abend des 6. September aufgenommen hatte, wurde am Montag kurzfristig ins Eschweiler Amtsgericht bestellt. Laut seiner Aussage habe sich der Mann damals verständigen können und ein Dolmetscher sei nicht nötig gewesen.

Auch ein Unfallsachverständiger kam zu Wort. Er hatte unter anderem getestet, mit welcher Geschwindigkeit der Fluchtwagen auf die Polizisten zugefahren sein kann. Sein Ergebnis: Zwischen acht und 15 bis maximal 17 Stundenkilometer.

Das Vorstrafenregister des 36-Jährigen wurde am Montag vor der Urteilsverkündung ebenfalls verlesen. So war er bereits mehrfach wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis (inklusive Fahrverbots) aufgefallen, ebenso wegen Einbruchsdiebstahls und Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Dass er immer wieder auch Drogen konsumiert habe, räumte der Angeklagte ein. Grund für sein regelmäßiges Abrutschen in die Kriminalität sei vor allem der Verlust des Arbeitsplatzes gewesen sowie Probleme in der Beziehung, erklärte die Betreuerin des Angeklagten.

Fluchtgefahr

Der Staatsanwalt forderte in seinem Plädoyer eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten, die nicht zur Bewährung ausgesetzt werden könne, da beim Angeklagten bereits Strafen zur Bewährung ausstehen und Fluchtgefahr bestehe.

Beim Diebstahl des Mobiltelefons, dem Tankbetrug, den gefälschten Kennzeichen, dem unerlaubten Besitz von Betäubungsmitteln und der Flucht unmittelbar vor der Verhaftung könne man von einer schwerwiegenden Straftat absehen. Nicht jedoch beim Hauptanklagepunkt. Es habe sich dabei um einen schwerwiegenden Eingriff in den Straßenverkehr zur Verdeckung einer Straftat gehandelt. Zudem sei der Mann erheblich vorbestraft.

Naturgemäß plädierte der Verteidiger für ein geringeres Strafmaß. Er bezog sich dabei vor allem auf den Polizisten, der beiseite gesprungen war und anschließend auf den Wagen geschossen hatte. Möglicherweise habe der Beamte die Situation falsch wahrgenommen, so der Verteidiger. Er hielt eine Strafe zwischen 18 und 21 Monaten für angemessen.

Das Gericht entschied schließlich auf eine Freiheitsstrafe in Höhe von einem Jahr und acht Monaten. Auf Grund der verschiedenen Delikte wie dem vorsätzlichen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr, der Urkundenfälschung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Diebstahl sei die Strafe in der Höhe angemessen.

Auch, weil mildernd das Geständnis berücksichtigt werden könne. Der Angeklagte habe dazu beigetragen, umfassend aufzuklären. Auf Grund der eher schlechten Sozialprognose, verbunden mit der Fluchtgefahr, wurde die Strafe nicht auf Bewährung ausgesetzt.

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