Flora und Fauna hautnah: Leser erkunden die renaturierte Indeaue

Von: Tobias F. Röber
Letzte Aktualisierung:
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Eschweiler-Neu-Lohn. Puh, ganz schön früh dieser Treffpunkt um sechs Uhr. Am Morgen wohlgemerkt. 14 Leser haben sich gestern im Rahmen der Reihe „7 x Sommer“ unserer Zeitung mit einem Biologen von RWE Power auf den Weg durch die renaturierte Indeaue gemacht. Es war eine spannende Tour mit vielen neuen Erlebnissen, auf die wir Sie, liebe Leser, gerne noch einmal mitnehmen.

„Morgenstund hat Gold im Mund“, heißt es ja so schön. Und in der Tat: Was die Gruppe bei aufgehender Sonne sieht, ist sehr schön anzusehen. Passend dazu präsentiert sich auch eine Goldammer ruhig auf einem Ast.

Aber der Reihe nach. Um sechs Uhr ist Treffpunkt auf dem Wanderparkplatz in Fronhoven. Von dort aus geht es mit dem Auto weiter zur Gedächtniskapelle Neu-Lohn und dann zu Fuß in die erwachende Natur. Ulf Dworschak schreitet voran. Er ist seit 24 Jahren Biologe in der Rekultivierungsabteilung von RWE Power. André Bauguitte aus der Kommunikationsabteilung des Konzerns ist ebenfalls mit dabei, um eventuelle Fragen rund um die Energiegewinnung zu beantworten.

„Normalerweise geht man im Sommer früh raus, um die Vögel zu hören“, sagt Dworschak und lauscht einer Goldammer, die ein unverwechselbares Geräusch von sich gibt. „Zipp, zipp, zipp, ziiiiiiieeeeepp“, hören dann auch die Leser. Und wie merkt sich der Biologe diesen Ton? „Zipp, zipp, ziep, wie hab‘ ich dich liiiieeeb“, erklärt er.

Dann geht es an sehr tief hängenden Nistkästen vorbei. Die sind nicht etwa für Vögel, sondern für Haselmäuse. Die streng geschützten Tiere werden in diesen Behausungen auch umgesiedelt. Derzeit beispielsweise vom Hambacher Forst in die Indeaue. Sobald sie sich in den Nistkästen verkrochen haben, hält man den Eingang zu und bringt die Haselmäuse in ihre neue Heimat. So einfach geht das.

Kurz danach gibt es einen ersten Blick auf die renaturierte Inde. Das ist nämlich gar nicht so einfach. Vor neun Jahren wurde die Renaturierung abgeschlossen, inzwischen verstellen Bäume und Sträucher den Blick auf die Inde. „Es gibt bewusst keine Wirtschaftswege zur Indeaue. Lediglich ein paar Blickachsen wollten wir offen halten“, erklärt Ulf Dworschak. 400 000 Bäume und Sträucher wurden gepflanzt, 24 Millionen Euro in das Projekt investiert, erklärt André Bauguitte. Einige Bäume sind bei dem Wind abgebrochen und fordern unsere Leser zu einer kleinen Kletterpartie heraus. Zur Belohnung gibt es den Blick auf den Fluss und auf einen Biber, der in weiter Entfernung vorbeischwimmt. Der Fischreiher, der zum Frühstück an den Fluss gekommen war, zieht lieber gleich weiter. Im Gegensatz zu den Mücken, die ebenfalls erwachen und sich über die Gruppe freuen.

Der Biologe erklärt den Lesern, dass es unter dem renaturierten Fluss eine Dichtung gibt. Das wird unter anderem an der Vegetation deutlich. In Flussnähe, also dort, wo sich auch wegen der Dichtung viel Wasser sammelt, sind die Bäume und Sträucher höher.

Döbel, Groppe und Barbe

Natürlich gibt es auch Fische in der Inde. Bachforelle, Äsche, Döbel, Groppe, Gründling, Elritze, Barbe, Hasel, Lachs, Stichling, Schmerle und Blauband-Bärbling leben in dem Fluss, den Angler gerne nutzen würden. Darüber gibt es jedoch einige Diskussionen mit Umweltschützern, wie Dworschak verrät. Einen Eisvogel entdeckt leider keiner, obwohl die Tiere, wie Dworschak erläutert den Fluss quasi als Autobahn nutzen und stets an ihm entlang fliegen.

Und wie sieht es mit der Wasserqualität aus? Die Qualität sei generell in Ordnung, sagt Dworschak. Allerdings führe die Inde die natürlichen Schwermetalle aus der Eifel mit. Dazu kämen die bekannten Säuren aus den Vegla-Poldern. „Wenn man in der Inde Sediment anpackt, dann hat man im Grunde Sondermüll in der Hand. Baden würde ich in dem Fluss nicht unbedingt“, erklärt der Biologe.

Aber zurück zu Fauna und Flora. Eiche, Buche, Esche, Kirsche und Ahorn sind die dominierenden Baumarten. Kurzlebige Pappeln stehen ebenfalls dazwischen und werden eigentlich nach einiger Zeit gefällt. Allerdings bleiben einige auch stehen, etwa für Spechte. Aus diesem Grund werden auch tote Bumstämme aus anderen Wäldern entlang der neuen Indeaue verteilt. Es gibt bereits Spechte, die darin nisten.

Kurz darauf hält Ulf Dworschak inne und blickt in Richtung eines Feldes. Ein Reh steht in 100 Metern Entfernung und schaut die Gruppe an. Dann setzt es zu einem Sprint an, hüpft mehrere Meter, sprintet wieder und ist eine Minute später in einem Maisfeld verschwunden. Die Graureiher haben es da weniger eilig. Sie staksen auf der Suche nach Nahrung auf einem Feld umher. Gut, dass Ulf Dworschak ein Spektiv dabei hat. Schnell ist es aufgebaut und die Leser können die Vögel in Aktion erleben. Dworschak erklärt, dass es unter anderem in Lamersdorf eine Brutkolonie der Tiere gibt.

Auf der Mäanderbrücke gibt es die nächsten Tiere zu sehen. Zwei Turteltauben ziehen lieber schnell von dannen, dafür singt der Fitis. Wer? Der Fitis! Den gibt‘s wirklich. Er ist ein heimischer Vogel und wird wegen seines Aussehens leicht mit dem Zilpzalp verwechselt. Kanadagänse fliegen lautstark vorüber und lassen sich auf einem Feld nieder, zum zu grasen. Auch ein Kormoran lässt sich blicken. Angler sehen den Vogel mit gemischten Gefühlen, da er großen Hunger auf die Fische im Fluss hat.

Mäander kommt übrigens von einem Fluss an der türkischen Ostküste, der diesen Namen trägt und die typischen Schlingen aufweist, die unsere Leser an der renaturierten Inde beobachten.

Das ist aber längst nicht alles. entlang der neuen Indeaue gibt es zwei fünf Hektar große Wiesen, die von RWE bewirtschaftet werden. Sie liegen direkt am Fluss. Ein Grund, warum kein Landwirt Interesse an diesen Wiesen habe, sagt Dworschak. Natürlich laden die Wiesen zu einem kleinen spaziergang ein. Der Regen vom Vortag ist bei jedem Schritt zu spüren, ein Ausflug in Richtung Flussufer endet im Schlamm. Immerhin duftet es dort sehr angenehm. Wasserminze hat sich in Flussnähe ausgebreitet.

Kurz darauf geht‘s zurück zu den Autos. Die Tour hat unseren Lesern richtig gut gefallen. Rosemarie Thülen sagt stellvertretend: „Das frühe Aufstehen hat sich richtig gelohnt!“ Auch Karl Biernat ist froh, dabei gewesen zu sein: „Toll, was wir für Schätze vor der Haustüre haben.“ Dem ist wohl nichts hinzuzufügen. Der eine oder die andere wird die renaturierte Indeaue sicherlich auch auf eigene Faust erkunden. Kein Wunder – es lohnt sich.

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