Fleißiges Lieschen wird ausgezeichnet

Von: Doris Kinkel-Schlachter
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Duschgel, Handcreme und Kalender: Anneliese Spieß hat alles liebevoll verpackt und wünscht den Senioren im Namen der Pfarre Heilig Geist ein gesegnetes Weihnachtsfest sowie Gesundheit im neuen Jahr. Foto: Doris Kinkel-Schlachter

Eschweiler-Bergrath. Wenn die Stadt den heutigen „Tag des Ehrenamtes“ wieder zum Anlass nimmt, das besondere ehrenamtliche Engagement verdienter Bürger öffentlich zu würdigen und sie für ihren herausragenden Einsatz zum Wohle der Allgemeinheit auszuzeichnen, ist auch Anneliese Spieß unter den Geehrten. „Unter Umständen werde ich aufgeregt sein und einen roten Kopf haben“, sagt sie und lächelt zurückhaltend.

Die 72-Jährige ist es nicht gewohnt, dass um sie „soviel Aufhebens gemacht wird“. Aber heute wird Anneliese Spieß im Mittelpunkt stehen, weil sie sich im „überaus großen Maße für die Seniorenarbeit in der Pfarre St. Antonius engagiert“, so heißt es in der Laudatio, die Bürgermeister Rudi Bertram am frühen Abend halten wird.

Ein Tag vorher, bei Anneliese Spieß zu Hause: Die Bergratherin hat alle Hände voll zu tun. In Weihnachtspapier eingepackte Kleinigkeiten wie Kaffee, Kosmetika und Kalender türmen sich auf einem Tisch im Wohnzimmer, zwischendurch ruft der Papagei. „Ich kann jetzt nicht Rocky!“ Anneliese Spieß hat nicht nur einen Vogel, sondern gleich 22, einen Ara, einen Kanarienvogel und 20 Wellensittiche.

Und wenn sie bei ihrer ganz schön ausfüllenden ehrenamtlichen Arbeit einmal Zeit für sich hat, genießt sie diese gerne, um den Piepmätzen zuzuschauen. „Zuallererst kommt aber meine Familie“, sagt Anneliese Spieß. Und die ist mit drei Söhnen, einer Tochter, elf Enkeln und einem Urenkel – zahlreiche Bilder von ihnen hängen an den Wänden – nicht gerade klein. „Die Kinder mischen ordentlich mit, bei uns geht es immer lebhaft zu und ist der Zusammenhalt stark.“

Mitmischen ist auch das Stichwort, wenn es um das Engagement für die Seniorenarbeit in der Pfarre geht. Hier mischt die rüstige Rentnerin mit, wo sie nur kann. Seit 26 Jahren besucht sie die kranken Damen und Herren für die Pfarre. Wenn sie dann im Krankenhaus ist, bedenkt sie die Patienten auch stets mit einem kleinen Geschenk, meistens ein schönes Waschtuch. Spieß: Ich bin seinerzeit in den Pfarrgemeinderat gewählt worden und auch mal Vorsitzende gewesen, da hatte es sich so ergeben, dass ich immer mehr caritative Arbeiten erledigt habe.“

Jeden ersten Donnerstag im Monat richtet sie den Seniorennachmittag der Pfarre aus. Vorher backt sie Kuchen, kocht im Pfarrheim Kaffee, deckt die Tische ein. „Da habe ich aber auch Helfer“, gibt sich Anneliese Spieß bescheiden. Immer sind es rund 20 Senioren, die sich an den Nachmittagen bei Kaffee und Kuchen sowie belegten Brötchen austauschen, über Neuigkeiten aus dem Dorf, aktuelle Rezepte, Sorgen und Freuden. Jedes Jahr hat das „fleißige Lieschen“ im Rahmen ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit auch einen halben Tag frei, wenn es auf Seniorenfahrt geht, die Anneliese Spieß natürlich ebenfalls organisiert. Meistens geht es mit dem Bus nach Gressenich.

Dort braucht sich die Bergratherin um nichts mehr zu kümmern und kann sich zu den Frauen und Männern setzen, um selbst einfach nur Senior zu sein. Auch wenn die Damen und Herren Beständigkeit lieben, darf es sicherlich eine kleine Abwechslung geben: Die nächste Seniorenfahrt geht vielleicht zum Eschweiler Stadtwald.

Abwechslung bringt Anneliese Spieß in das Leben einiger ihrer Mitmenschen. Und damit sind nicht die verschiedenen Geschenke gemeint, die diejenigen erhalten, die ihren 80., 85., 90. und 95. Geburtstag feiern. Es ist die Zeit, die die 72-Jährige mitbringt, und es sind die Gespräche, die sie mit den betagten Menschen führt. „Es geht nicht um das Fläschchen Sekt, die kleine Lektüre oder um ein Päckchen Süßes: Die meisten Leute freuen sich einfach darüber, dass die Pfarre an sie denkt“, weiß Spieß. „Das ist aber schön, dass Sie an mich denken“, bekommt sie dann auch immer wieder zu hören.

Jahrelang hat sie das Pfarrfest mitorganisiert, „ich habe das auch mal alleine gemacht, dann mit Hilfe, das war schon was anstrengender, das mache ich jetzt nicht mehr“, sagt Anneliese Spieß. Warum sie sich so engagiert? „Ich finde es schön, zusätzlich zur Familie eine Aufgabe zu haben“, sagt sie, wie selbstverständlich. Und räumt dann lächelnd ein: „Manchmal hat der Tag wirklich zu wenige Stunden für mich!“

Für die Zukunft wünscht sich Anneliese Spieß, dass sie ihrer ehrenamtlichen Arbeit noch möglichst lange nachkommen kann, „die alten Leute motivieren mich immer wieder, und ich mache das natürlich auch, weil ich sehe, dass es ankommt. Nicht, um von allen Seiten Dank zu bekommen, sondern weil es mir Freuede bereitet. Manchmal werde ich gefragt: ‚Wenn du das mal drangibst, wer macht es dann?‘“ Es wird schon weitergehen, da ist sich Anneliese Spieß sicher, irgendwie...

Neben ihr auf der Couch liegen dunkelblaue Wollknäuel und Stricknadeln, sie stricke nur für den Eigenbedarf, sagt Anneliese Spieß. Außer zuletzt, da habe sie von der Aktion „Kleine Söckchen, warme Füße“ gehört und spontan 32 Paar Socken gestrickt, für zarte Babyfüßchen bis hin zu Socken für Jugendliche. „Also Langeweile habe ich wirklich keine“, sagt die Rentnerin. Soviel zum Thema Eigenbedarf.

Pfarrer Marian Janke kann wirklich zufrieden sein mit seiner fleißigen Helferin, und das ist er auch. Zurzeit ist sie damit beschäftigt, Kalender zusammenzustecken, denn vor Weihnachten bekommen alle, die 80 Jahre und älter sind, einen geschenkt. Und dann sind da noch die Sternsinger. Spieß: „Da mache ich auch seit Jahren mit und gucke, dass die Umhänge vernünftig sind. Wenn es nötig ist, wasche ich sie, bügele sie auf oder nähe auch neue.“ Zur Stärkung gibt es Sternchensuppe mit Wurst und Brötchen im Pfarrheim, dann ziehen Kaspar, Melchior und Balthasar weiter.

Weiter ziehen muss auch Anneliese Spieß. Die liebevoll verpackten Geschenke wollen verteilt werden. Mit ihren Helfern fährt sie einige Seniorenheime ab und wünscht 26 Frauen und Männern im Namen der Pfarre Heilig Geist ein gesegnetes und besinnliches Weihnachtsfest, Glück und Gesundheit im neuen Jahr.

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