Fledermaus-Exkursion: Den Nachtschwärmern auf der Spur

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Vor dem Abmarsch bekam jedes Kind aus der Exkursionsgruppe einen Fledermaus-Stempel auf den Arm. Foto: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Kaum hatte die Wandergruppe den Parkplatz verlassen, knatterten Signale aus dem Ultraschall-Detektor. Aufgeregte Kinderrufe: „Da! Da fliegt eine Fledermaus!“ Und tatsächlich: Gegen den noch hellen Abendhimmel sahen die Teilnehmer der Exkursion die nächtlichen Jäger flattern. Ein beeindruckender Auftakt zur Fledermaus-Wanderung am Freitagabend im Eschweiler Stadtwald.

Der Eschweiler Kommunalbeamte Arno Kohlert ist seit mehr als 20 Jahren Experte für heimische Fledermäuse. Er führte die von der Volkshochschule angebotene abendliche Exkursion in dem Wald. Der Termin war mit Bedacht gewählt.

Am vergangenen Wochenende war die 21. Europäische Fledermausnacht. So wie in Eschweiler waren am Freitag- und am Samstagabend überall von Russland bis Portugal Wandergruppen unterwegs, die den Rufen der Fledermäuse lauschten und sich über das Leben der oftmals bedrohten Arten informierten.

Fledermäuse sind Säugetiere

Kohlert erzählte den mehr als zwei Dutzend Teilnehmern, darunter vielen Kindern, Spannendes und Kurioses über das Leben der Handflügler – denn das sind sie: Säugetiere, bei denen im Lauf der Evolution vor mehreren Millionen Jahren, zu einer Zeit, als es noch gar keine Menschen gab, die Finger immer länger wurden und sich zwischen den Fingern dünne Häute bildeten, berichtete Arno Kohlert. „Wenn Menschen so lange Finger hätten, würden sie bis zu den Knien reichen.“

Die Kinder der Exkursionsgruppe hörten aufmerksam zu: „Die sind auch ganz anders als Menschen, weil: Ich kann nicht mit den Händen fliegen.“ Sie sind auch anders als Vögel, denn „die haben ja Federn und keine Häute“. Bei so viel Sachverstand konnte Kohlert nur nicken. Und warum jagen Fledermäuse nachts? Weil dann die Konkurrenten um die Nahrung, die Schwalben und anderen Vögel, schlafen. Da hat man die leckeren Fliegen und Mücken für sich allein. „Fledermäuse sind ein wenig wie Kinder, die sich einen Wecker stellen, um nachts heimlich zum Kühlschrank zu schleichen und dort Nutella zu futtern“, sagte Kohlert.

Nach dieser informativen und amüsanten Einleitung, bei der die Nachtwanderer sogar die lateinischen Namen der Fledermäuse erfuhren – die Zwergfledermaus zum Beispiel heißt Pipistrella Pipistrella, das habe jedoch nichts mit Pippi Langstrumpf zu tun – gab es für die Kinder zwar kein Nutella, aber einen Fledermaus-Stempel auf den Arm. Und dann ging es in den immer nächtlicher werdenden Wald. Fledermäuse orten ihre fliegende Nahrung ebenso wie Hindernisse auf dem Flugweg durch Ultraschallrufe.

Diese Ultraschallwellen werden reflektiert. Aus den Echos erkennen die Fledermäuse dann Entfernung und Bewegung dieser Objekte und können auch unterscheiden, ob es sich dabei etwa um einen Ast oder eine Mücke handelt. Für menschliche Ohren sind diese bis zu 140 Dezibel lauten Schreie nicht zu hören. Erwachsene Menschen nehmen hohe Frequenzen nur bis zu etwa 18 Kilohertz wahr. Die Rufe der Fledermäuse sind meist deutlich höher, bis zu 200 Kilohertz. Mit einem Ortungsgerät, dem Fledermaus-Detektor, lassen sich die Rufe in tiefere, für Menschen hörbare Töne umwandeln.

Rufe der Arten sind verschieden

Kohlert hatte zwei dieser Geräte mitgebracht. Das größere durften die Teilnehmer der Exkursion abwechselnd benutzen. Schnell lernten sie dabei, die Rufe der beiden im Stadtwald häufigsten Fledermaus-Arten zu unterscheiden. Die Zwergfledermaus, die zwischen den Bäumen jagt, stößt sehr schnelle, hohe Rufe aus, um besser navigieren zu können. Der Große Abendsegler, der im Bereich der Baumwipfel oder höher fliegt, hat langsamere, tiefere Rufe. Geht man mit der Frequenz noch weiter herunter, hört man auch die Grillen im Wald zirpen.

Festival schallt bis in den Wald

Für die Musik vom Eschweiler Musik-Festival auf dem Markt, die über die ganze Stadt bis hinauf zum Wald schallte, brauchten die Nachtwanderer allerdings keinen Ultraschall-Detektor. Die hörte man auch so. Ebenfalls gut zu hören, wenn die Musik einmal Pause machte: Käuzchenrufe. Ein wenig unheimlich klang das hohle „Schu-huuu schu-huuu“ der Waldkäuze schon. Immerhin sollen nach einem alten Volksglauben Käuzchenrufe ja den nahen Tod ankündigen.

Durch den immer dunkler werdenden Wald führte der Weg zu einem Teich am Waldweg Gerhardsschacht. Die Hoffnung, dort im Licht eines Handscheinwerfers jagende Fledermäuse beobachten zu können, erfüllte sich allerdings nicht. Es waren noch andere Waldbesucher unterwegs, die mit Taschenlampen leuchteten. Offenbar reagierten die Flattertiere tatsächlich wie jemand, der nachts zum Kühlschrank schleicht. Der mag es auch nicht, wenn jemand in der Küche dauernd das Licht an- und ausschaltet.

Natürlich hatten auch die Teilnehmer der Exkursion Taschenlampen dabei. Die waren auch notwendig, um die Waldwege zu beleuchten. Denn dort hüpften immer wieder Kröten. Auf die möchte man ja nicht treten. Die Kinder bildeten spontan einen Krötenrettungstrupp und setzten mit ebenso viel Enthusiasmus wie mit der gebührenden Vorsicht jede kleine oder große Erdkröte, die über den Weg hüpfte, in das Gras am Wegesrand. Das entschädigte die Teilnehmer der spannenden Exkursion etwas dafür, dass man nach dem Anfangserfolg kaum noch Fledermäuse erblickte, sondern nur noch ihre knatternden Rufe hören konnte.

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