Fit werden und Freunde fürs Leben kennenlernen

Von: ran
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Junge Talente: Hunderte Grundschüler nahmen am Samstag die Auszeichnung des Deutschen Sportabzeichens entgegen. Foto: Andreas Röchter
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Informationen aus erster Hand: Rebecca Graeve brachte den Zuhörern auch die Ausrüstung einer Eishockey-Spielerin näher. Foto: Andreas Röchter
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Vereinssportler aller Altersklassen waren im zurückliegenden Jahr aktiv und legten das Deutsche Sportabzeichen ab. Am Samstag gab es in einer würdigen Feierstunde die Urkunden. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Die Vorzeichen standen nicht wirklich gut, schließlich hatten die Verantwortlichen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in jüngster Vergangenheit die organisatorischen und bürokratischen Hürden zur Abnahme des Deutschen Sportabzeichens in die Höhe geschraubt.

Die Folge: Vor allem den Sportlehrern in den Schulen wird die Abnahme erschwert, da diese durch die Hinzunahme von Disziplinen wie „Zonenweitsprung“ oder „Zonenweitwurf“ nicht mehr während der Bundesjugendspiele möglich ist. Doch von derartigen Einfällen basisferner Funktionäre lassen sich die indestädtischen Sportler keinesfalls abschrecken. Und so konnten Gastgeber Johannes Gastreich, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisen-Bank Eschweiler, Moderator Christoph Herzog, „Mister Olympia“ Charly Biernat, der seine Kontakte spielen lässt und großartige Sportlerpersönlichkeiten nach Eschweiler holt, sowie Bürgermeister Rudi Bertram und sein Verwaltungsteam am Samstag sage und schreibe 892 (!) junge und jung gebliebene Athleten zur Verleihung des Deutschen Sportabzeichens 2013 in der Aula der Realschule Patternhof begrüßen.

„Die Verleihung findet in diesem Rahmen statt, damit wir euch beziehungsweise ihnen gratulieren können. Ihr habt, Sie haben etwas Besonderes geleistet“, begrüßte Christoph Herzog nacheinander die Grundschüler, die Schüler der weiterführenden Schulen sowie die Sportabzeichen-Absolventen aus den Vereinen.

Bürgermeister Rudi Bertram schloss sich mit einem kurzen Grußwort an: „Sport zu treiben, ist etwas Großartiges. Man lernt Freunde fürs Leben kennen und nimmt unglaublich viel mit“, so der Verwaltungschef, der nicht zuletzt den Lehrern, Eltern und Betreuern für ihr Engagement in Sachen Deutsches Sportabzeichen dankte. Leider werde es heutzutage gerade jungen Menschen schwer gemacht, Schule und Sport zu verbinden. „Vielleicht gelingt es uns ja, die Voraussetzungen zu schaffen, damit Schulen und Sportvereine noch enger zusammenarbeiten können“, setzt Bertram auf die Möglichkeit zu Kooperationen.

Auch Gastreich unterstrich die Bedeutung des Breitensports. „Er ist gut für Körper, Geist und Seele!“ Der Vorstandsvorsitzende der Raiffeisen-Bank Eschweiler erinnerte an die Anfänge der Sportabzeichenverleihung in der Inde-stadt: „Im Jahr 2002 konnten wir 77 Personen auszeichnen. 2011 folgte der Höhepunkt, als wir, unter günstigeren Voraussetzungen, nahezu 1000 Abzeichen verliehen haben. Diesmal sind wir stolz, im Vergleich zum Vorjahr wieder einen Anstieg auf 892 Sportabzeichen registrieren zu können.“

Besondere Glanzpunkte bei den Verleihungen des Deutschen Sportabzeichens setzt seit jeher Charly Biernat. Dies war am Samstag nicht anders. Mit der Eishockey-Nationalspielerin Rebecca Graeve hatte „Mister Olympia“ eine Sportlerin auf die Bühne der Realschule Patternhof geholt, die die Herzen der Gäste aller Altersstufen im Sturm eroberte. In den aufschlussreichen Gesprächen mit Biernat brachte die 20-Jährige auf wohltuend bodenständige Art und Weise den aufmerksamen Zuhörern ihren Sport und ihr Leben als Leistungssportlerin näher.

„Ich stehe vier- bis fünfmal pro Woche zu Trainingseinheiten auf dem Eis. Hinzu kommen bis zu drei Trainingseinheiten im Kraftraum. An den Wochenenden folgen dann in der Regel zwei Punktspiele. Im Sommer steht vor allem Leichtathletik mit Übungen, die von Sprints bis zu Ausdauerläufen reichen, auf dem Programm“, erzählte der weibliche Kufencrack. Und die Verdienstmöglichkeiten? „Gleich Null! Vielmehr zahlen wir unsere Ausrüstung, die zwischen 1500 und 2000 Euro kostet, selber. Und auch die Kosten der Busfahrten zu den Auswärtsspielen tragen wir Spielerinnen. Sponsoren sind im Damen-Eishockey selten bis gar nicht vorhanden“, machte die Nationalspielerin, die im „Hauptberuf“ Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule in Dortmund studiert, deutlich. „Ohne die Unterstützung meiner Eltern und meiner beiden älteren Schwestern wäre ich niemals so weit gekommen“, dankte sie ihrer Familie. „Rebecca Graeve und ihre Mitstreiterinnen sind gute Beispiele, dass Sport nicht grundsätzlich gleichzusetzen ist mit Geld verdienen“, unterstrich Charly Biernat.

Dass Eishockey aber sehr wohl ein körperbetonter Sport ist, sieht Rebbeca Graeve ausgesprochen positiv. „Ich habe bei den Jungs einiges einstecken müssen, dafür aber auch gelernt, auszuteilen“, bedauert sie, dass im Damen-Eishockey der Bodycheck verboten ist. „Fast alle Mädchen und Frauen, die Eishockey spielen, haben in Jungenmannschaften begonnen und sind also gewohnt, mit Bodychecks zu spielen. Deshalb wünschen wir uns, dass größerer Körpereinsatz erlaubt wird“, hofft die zweifache DEB-Pokalsiegerin aus eigener „leidvoller“ Erfahrung auf Regeländerungen. „Als ich ganz zu den Damen wechselte, musste ich mich erst daran gewöhnen, ohne Bodychecks zu spielen. Das hat gedauert. Und bis dahin war immer ein Platz auf der Strafbank für mich reserviert“, schmunzelte Rebecca Graeve rückblickend, ohne den Blick nach vorne zu vernachlässigen. „Gefällt Ihnen Südkorea?“, fragte Biernat abschließend. „Absolut. Vor allem im Jahr 2018“, so die Antwort der Nationalspielerin. Das Ziel „Olympische Spiele 2018 in Pyeongchang“ lässt grüßen.

Nach den Gesprächen folgte die Eishockey-Praxis: Jeweils vier mutige Sportabzeichen-Absolventen erhielten unter professioneller Anleitung durch Graeve die Gelegenheit, auf der Bühne erste Erfahrungen mit Schläger und Puck zu sammeln. Passen, enge Puckführung und Torschuss standen auf dem Programm der kurzen Trainingseinheit. Wobei eine junge Dame sehr behände mit den Sportgeräten umging. Kein Wunder, steht sie seit acht Jahren für die Grizzlies aus, na ja, Aachen auf dem Eis. Wie sehr Graeve die Eschweiler beeindruckt hatte, wurde nach der Überreichung der Urkunden deutlich. Rebecca Graeve schrieb Autogramm um Autogramm, obwohl für sie noch am gleichen Abend das Bundesligaspiel gegen die ESG Esslingen anstand. Endstand: 5:1 für Bergkamen. Zweifache Torschützin: Rebecca Graeve!

Zum Abschluss drückten Johannes Gastreich und Christoph Herzog, die auch die Arbeit der Mitorganisatoren Annette Brandenburg und Rudolf Biermann (Raiffeisen-Bank) sowie Helmut Friedrichs, Jana von Meer, Stephanie Hansen und Michael Effenberg (Stadtverwaltung) hervorhoben, ihre Hoffnung aus, 2015 eine ähnlich große Zahl von Absolventen des Sportabzeichens ehren zu können. „Es wird auch in diesem Jahr definitiv einen Tag des Sportabzeichens geben, an dem jeder die Gelegenheit hat, außerhalb von Schule oder Verein das Sportabzeichen abzulegen“, versicherte Herzog.

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