Eschweiler - Feuerwehr: Weitere Planstellen sollen entlasten

Feuerwehr: Weitere Planstellen sollen entlasten

Von: Rudolf Müller
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Wo Hilfe benötigt wird, ist Eile geboten. Da muss auch schon mal die „Reserve“ in den Einsatz. Foto: imago/Jochen Tack

Eschweiler. Feuerwehrleute, die bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit Dienst tun, eine aus den Nähten platzende Feuerwache und Abwanderungstendenzen, die das Personalproblem noch verstärken: Berichte unserer Zeitung zur Situation hauptamtlicher Feuerwehrleute hatten Ende vergangenen Jahres die Politik auf den Plan gerufen.

Nachdem Bürgermeister Rudi Bertram etwaige Sicherheitsbedenken vorab zurückgewiesen („In Eschweiler ist der Rettungs- und Brandschutz jederzeit gesichert.“) und die CDU-Ratsfraktion die Wehrleitung um ein klärendes Gespräch gebeten hatte, legt die Verwaltung jetzt dem morgen tagenden Haupt- und Finanzausschuss ein Papier vor, in dem sie die Situation erläutert.

Immer wieder Lücken

Wenn auch die Verwaltung ständig dafür Sorge getragen habe, die vorgegebene Personalstärke von 57 hauptamtlichen Feuerwehrkräften zu stabilisieren, so seien doch immer wieder personelle Engpässe zu verzeichnen. Dies habe zuletzt an einer hohen Zahl längerfristig erkrankter Kollegen gelegen. Aber auch Personalabgänge seien nicht vonstatten gegangen, ohne dass sich zeitlich begrenzt Lücken auftaten.

In den zurückliegenden zehn Jahren seien insgesamt 27 Mitarbeiter ausgeschieden – 2,7 im Jahresschnitt. Von den 27 kündigten zwei wegen Aufgabe des Feuerwehrberufs, sieben wurden regulär pensioniert, einer ging nach Auslaufen seines Zeitvertrags, und 17 wechselten zu anderen Wehren – darunter fünf Beamte mit langjährigen Dienstzeiten bei der Stadt Eschweiler und 17 Berufsanfänger, die nach relativ kurzer Tätigkeit bei der Stadt „arbeitsmarktbedingt“ ausgeschieden seien.

Zahlen, die zwar nicht besorgniserregend seien, in Schwerpunktzeiten (2010 und Herbst 2014) aber aufgrund der zeitlich verzögerten Nachfolgebesetzungen durchaus zu Schwierigkeiten geführt haben. „Die Bewegung auf dem Arbeitsmarkt der Feuerwehrleute ist immer noch Auswuchs der 2007 geänderten Arbeitszeitverordnung, die eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit der Feuerwehrbeamten von 54 auf 48 Stunden und damit die Notwendigkeit einer Personalerhöhung um 12,5 Prozent mit sich gebracht hat“, betont man im Rathaus. „Das demzufolge landes- und bundesweit notwendige Mehr an ausgebildeten Feuerwehrbeamten steht auch zur Zeit nach hiesiger Einschätzung noch nicht bedarfsdeckend zur Verfügung, und die daraus resultierenden Probleme werden uns in naher Zukunft noch weiter begleiten.“ Hätte die Stadt Eschweiler nicht die Grundausbildung von hauptamtlichen Feuerwehrleuten übernommen und somit einen regionalen Personalpool geschaffen, würden sich die Nachbesetzungsverfahren zum Teil noch länger hinziehen.

Dritter Wagen nur im Notfall

Knapp über 10000 Einsätze jährlich hat der Krankentransport- und Rettungsdienst zu leisten. Macht pro 24-Stunden-Schicht im Schnitt mehr als 27. „Dies stellt für die eingeteilten Kräfte eine hohe Arbeitsbelastung dar“, räumt die Verwaltung ein. „Wenn die Mitarbeiter der Wache im Rettungsdienst eingesetzt sind, stehen sie für anderen Arbeiten, zum Beispiel in den Werkstätten, nicht zur Verfügung und erleben auch Nächte, in denen sie kaum Ruhezeiten haben. Das ist mit ein Grund dafür, dass die Multifunktionalität der Mitarbeiter angestrebt wird. Sie sollen im Brandschutz und im Rettungsdienst ausgebildet und einsetzbar sein.“ Eine rollierende Besetzung der Funktionen könne den stärker beanspruchenden Einsatz im Rettungsdienst abmildern.

Nach dem Rettungsdienstbedarfsplan der Städteregion muss die Indestadt regelmäßig zwei Rettungswagen mit dem notwendigen Personal bereithalten. Der dritte Wagen, den die Wehr nutzt, ist das älteste Fahrzeug und eigentlich als Ersatzwagen im Fall technischer Pannen eines der beiden anderen Fahrzeuge gedacht. „In den Medienberichten konnte der Eindruck entstehen, dass dauernd drei Rettungsfahrzeuge unterwegs sein müssten“, erklärt die Verwaltung. „Das ist nicht der Regelfall, kommt aber vor. Und zwar statistisch gesehen 2,2 mal innerhalb einer 24-Stunden-Schicht.“ Eigentlich sollten solche „First Responder“-Einsätze von der Crew eines Löschfahrzeugs mit ihrem gewohnten Fahrzeug übernommen werden. Die Stadt sieht es im Sinne der Betroffenen, möglicherweise lebensbedrohlich Erkrankten oder Verletzten, allerdings für sinnvoller an, das Team mit dem dritten Rettungswagen ausrücken zu lassen. Das wiederum führt zu dem statistisch verschwindend geringen, dennoch aber vorhandenen Risiko eines Engpasses bei einem gleichzeitigen Brand- oder Hilfeleistungseinsatz. Das will die Wehr durch eine angepasste Alarm- und Ausrückordnung mit der Alarmierung zusätzlicher – freiwilliger – Kräfte verhindern. „Es wäre fatal, wenn durch zu spätes Eintreffen oder zu geringe Einsatzstärke Menschen unnötigerweise verletzt oder sogar getötet würden. Dies zu verhindern, ist oberste Priorität bei den Feuerwehren“, heißt es im Rathaus. „Und alle Planungen sowie die der Feuerwehr zur Verfügung stehenden Ressourcen und die Einsatzbereitschaft aller Feuerwehrmitglieder sind darauf ausgerichtet, dass dies auch in Zukunft nicht eintreten darf.“

Dazu soll nicht zuletzt eine Verbesserung der Personalsituation beitragen. Darin sind Wehrleitung, Personalvertretung und Verwaltung sich einig. Vier zusätzliche Planstellen sollen ausreichen, die Engpässe zu entzerren. Und dies in etwa kostenneutral: Was für Zusatzpersonal ausgegeben wird, soll bei den Mehrarbeitsvergütungen (siehe Box) eingespart werden.

Wie es grundsätzlich weitergeht, das soll der Brandschutzbedarfsplan zeigen, mit dessen Aktualisierung Feuerwehr und Verwaltung begonnen haben. Seine Vorlage macht aber erst dann Sinn, wenn die Auswirkungen des Landesgesetzes über Brandschutz, Hilfeleistung und Katastrophenschutz bekannt sind, das inzwischen als Ministerialentwurf vorliegt.

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