Eschweiler - Feuerwehr nicht genug Nachwuchs

Feuerwehr nicht genug Nachwuchs

Von: Sonja Essers
Letzte Aktualisierung:
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Wasser marsch! Nur wer bei den Übungen konzentriert bei der Sache ist, kann sich später auch im Einsatz bewähren. Die Jugendfeuerwehr wirbt jetzt kräftig um Nachwuchs.
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80 Mitglieder hat die Jugendfeuerwehr Eschweiler: Röhe/Kinzweiler hat 12 Jugendliche, Bohl 10, Weisweiler 8, Dürwiß 14, Lohn 9, Stadtmitte 27. Davon wechseln jetzt 8 in die aktive Wehr.

Eschweiler. Ausflüge, Wettbewerbe, Film- und Spielabende, Grillen, Basteln und Zeltlager. Bei so vielen Angeboten sollte man doch meinen, dass sich Kinder und Jugendliche darum reißen, bei einem solchen Programm dabei sein zu dürfen. Bei der Jugendfeuerwehr Eschweiler ist dies jedoch nicht der Fall.

Die Verantwortlichen dort sorgen sich um die sinkenden Mitgliederzahlen. Die insgesamt sechs Jugendgruppen, zu denen Stadtmitte, Kinzweiler/Röhe, Dürwiß, Neu-Lohn, Weisweiler und Bohl/Hastenrath/Nothberg gehören, zählen zusammen knapp 80 Mitglieder, doch dies sah in der Vergangenheit noch anders aus.

„Im Jahr 2009 bestand die Jugendfeuerwehr noch aus 99 Mitgliedern“, erklärt Marie-Luise Göldner, Stadtjugendwartin. Fast 20 Mitglieder verlor die Jugendfeuerwehr in nur vier Jahren. Gründe für diese Entwicklung gibt es laut Göldner einige. „Sobald die Mitglieder 18 Jahre alt sind, wechseln sie in die aktive Wehr. Die Lücken, die so mit der Zeit entstanden sind, konnten wir in den vergangenen Jahren nicht mehr auffangen.“ Doch das sei nicht das einzige Problem. „Der demographische Wandel ist bei uns angekommen“, meint Göldner. Zwar habe sie in ihrer Jugendgruppe in Stadtmitte keine Nachwuchsprobleme, jedoch seien gerade am Stadtrand immer weniger Kinder und Jugendliche am Eintritt in die Jugendfeuerwehr interessiert.

Das bestätigt auch Gabriel Hinzen. Seit rund zehn Jahren leitet er die Jugendgruppe Kinzweiler, die Mitte des vergangenen Jahres mit der Jugendgruppe Röhe zusammengelegt wurde. „Momentan besteht unsere Jugendgruppe aus 13 Mitgliedern, davon kommen vier Kinder aus Röhe“, erklärt Hinzen. Auch er sieht die Gründe für die geringen Mitgliederzahlen im Wandel der Gesellschaft: „Heute werden bestimmte Dinge einfach als selbstverständlich angenommen. Viele Menschen denken, dass die hauptberuflichen Feuerwehrleute ausreichen, doch das ist nicht so. Man muss auch Ehrenamtler haben.“

Stadtbrandinspektor und Leiter der Feuerwehr Harald Pütz kennt das Nachwuchsproblem nur zu gut. „Auch wir in der aktiven Wehr merken, dass immer weniger Jugendliche nachrücken.“ Dabei sei gerade die Jugendfeuerwehr für den Erhalt der aktiven Wehr wichtig. Hinzu kommt, dass seit dem Wegfall der Wehrpflicht zum 1. Juli 2011 auch die Ersatzdienstleistenden fehlen. „Wir hatten immer fünf bis sechs Zivildienstleistende, die uns in den letzten Jahren natürlich fehlen“, meint Pütz. Der aktuelle Jahrgang besteht aus 20 Mitgliedern. 17 davon sind nach der Jugendfeuerwehr in den aktiven Dienst eingestiegen, drei Mitglieder sind Quereinsteiger.

Um Kinder und Jugendliche zunächst für die Jugendfeuerwehr und später auch für den aktiven Dienst zu begeistern, will man künftig mehr Mitgliederwerbung machen. Vor allem an den Schulen will man sich in Zukunft präsenter zeigen, „schließlich sitzt dort unser Nachwuchs“, meint Göldner. An den weiterführenden Schulen will man verstärkt 17- und 18-Jährige ansprechen, erklärt Pütz.

Von den Schulleitern wird dies sehr begrüßt. Nicht nur Bürgermeister Rudi Bertram, sondern auch Gerd Schnitzler, Rektor der Katholischen Grundschule Kinzweiler und Sprecher der Eschweiler Schulleiter, hat bereits seine Hilfe zugesagt. So werden momentan Flyer mit Informationen über die Jugendfeuerwehr und die aktive Wehr an die rund 7500 Schüler der Indestadt verteilt. Zwei Jugendliche haben sich bereits gemeldet.

Ein weiteres Projekt ist die Kinderfeuerwehr. Doch der Gesetzentwurf für dieses Projekt wurde im Innenausschuss des NRW-Landtags mit den Stimmen von SPD und Grünen abgelehnt. In der Kinderfeuerwehr könnten bereits Kinder ab sechs Jahren spielerisch an das Thema Feuerwehr herangeführt werden. Ab dem zehnten Lebensjahr können sie schließlich in die Jugendfeuerwehr wechseln und mit 18 in den aktiven Dienst übergehen. „Unser Ziel ist es, die Jugendlichen so lange wie möglich zu halten, damit sie in den aktiven Dienst gehen können“, so Pütz. Obwohl dies immer seltener der Fall ist, gibt es auch heute noch Beispiele dafür, dass der Dienst in der Feuerwehr im Leben einer Familie einen ganz besonderen Stellenwert einnimmt, wie Göldner berichtet: „Ich habe einen Jungen in meiner Gruppe, dessen Mutter auch schon bei mir in der Jugendfeuerwehr war und auch heute noch im aktiven Dienst tätig ist.“ Auch Alexander Fulbrecht und Andreas Offermann bestätigen dies. Beide sind Mitglieder in der Jugendgruppe Stadtmitte und haben dort viel Spaß. „Es tut gut, etwas Gutes zu tun“, erzählen die Jugendlichen, die mit dem Erreichen des 18. Lebensjahres auch in die aktive Wehr wechseln wollen.

Und auch Göldner zeigt sich mit Blick auf die Zukunft der Jugendfeuerwehr optimistisch. „Wir sind guter Dinge, dass in absehbarer Zeit mehr Nachwuchs kommt“, meint die Stadtjugendwartin.

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