Fest der Freude nach der Zeit des Fastens

Von: Andreas Gabbert
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Eine Geste der Nähe und des Respekts: Beim Zuckerfest begrüßen die Jüngeren die Älteren mit Verbeugung und Handkuss. Foto: Andreas Gabbert

Eschweiler. Der junge Mann, der gerade zur Tür hereingekommen ist, verneigt sich vor dem Mann mit den grau melierten Haaren im Anzug und gibt ihm einen Handkuss. Die beiden umarmen sich, schütteln die Hände und lachen. In Bahri Cifcis Geschäft ist an diesem Tag eine Menge los.

Freunde, Verwandte und Bekannte kommen zu Besuch, um mit ihm und seiner Familie das Zuckerfest, das Ende des Fastenmonats Ramadan zu feiern. Dazu gehört auch, falls man sich gut kennt, den Älteren mit einem Handkuss zu begrüßen, um Nähe und Respekt auszudrücken.

Begonnen hat der Tag für Bahri Cifci, den Vorsitzenden des Türkisch-Islamischen Kulturvereins, in der Moschee. Am Morgen hatten sich dort rund 400 Muslime aus Eschweiler und Umgebung versammelt, um gemeinsam zu beten. Mit den Nachbarn, gleich welchen Glaubens, in Frieden zu leben, lautete die Botschaft des Iman. Nach dem Gebet wird sich gegenseitig gratuliert. Anschließend gehen die Männer nach Hause, wo die Frauen alles vorbereitet haben.

Neben dem Opfer- ist das Zucker- oder Ramadanfest das größte Fest der Muslime. In dieser Zeit werden Freunde und Verwandte besucht, aber vor allem die Armen und Kranken sollen an diesen Tagen nicht vergessen, Trauernde getröstet werden. Es werden Tee und jede Menge kulinarische Köstlichkeiten gereicht - Schokolade, süßes Gebäck und vieles mehr. Wer zu Besuch kommt, bringt ein kleines Geschenk mit.

Zurück aus der Moschee, schließt Cifci seine Frau Seher und seine Tochter Serap in die Arme. Mit dem Sohn in Karlsruhe und den Verwandten in der Türkei wird telefoniert. Das Ramadanfest ist eine richtige Familienfeier. In der Regel besuchen die Jüngeren die Älteren. Aber auch alle Nachbarn sind eingeladen mitzufeiern.

„Wenn wir zusammen leben, sollten wir auch zusammen feiern”, sagt Cifci. In den vergangenen Jahren waren der Bürgermeister, Vertreter der Polizei und der Parteien in die Moschee eingeladen. Dies sei diesmal aus organisatorischen Gründen nicht möglich gewesen, erklärt Cifci.

Gemeinschaft und Intergration sind dem Vorsitzenden des Türkisch-Islamischen Kulturvereins wichtig. „Das schreibt unser Glaube vor, auch wenn im Koran nicht ausdrücklich von Integration die Rede ist. Man soll sich anpassen.” erklärt er.

Während in einem Nebenraum schon gefeiert wird, muss Bahri Cifci noch in seinem Geschäft ausharren. Das Ramadanfest ist in Deutschland eben kein anerkannter Feiertag. „Es wäre schön, wenn wenigstens die Schüler einen Tag frei bekämen, damit sie nach der Moschee nicht mehr in die Schule müssen”, sagt Cifci.

In der Türkei sieht das ein wenig anders aus, dort sind die Läden drei Tage lang geschlossen. Vom Stellenwert ist das Fest vergleichbar mit Ostern oder Weihnachten.
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