Fatih Cevikkollu präsentiert den „Fatih-Tag“ im Kulturzentrum

Von: Volker Rüttgers
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Ein entwaffnendes Lächeln: In seinem neuen Programm nimmt Fatih Cevikkollu kein Blatt vor dem Mund. Im Kulturzentrum gab er am Samstag eine Vorpremiere. Foto: Volker Rüttgers

Eschweiler. „Ich geh zum lustigen Türken, da gibt es Döner für den Kopf!“ Auch nach 20 Jahren auf der Bühne spielt er mit den Klischee-Vorstellungen seines „deutsch-deutschen“ Publikums, dass einem das Lachen im Halse stecken zu bleiben scheint: Fatih Cevikkollu suchte am Samstag die gnadenlose Konfrontation mit seinem Publikum und vollführte eine rasante Testfahrt ohne Anschnallgurt und Airbag in seinem neuen Programmgefährt „Fatih-Tag“.

Die Vorab-Premiere jedenfalls gefiel dem Eschweiler Publikum, auch wenn oder eben gerade weil nicht alles für diesen Abend auswendig gelernt war. „Ich erkenne an eurem Lachen, was ihr gewählt habt“ – kaum auf der Bühne angekommen, nimmt der Künstler sofort volle Fahrt auf und gab eine Breitseite in Richtung Bundestag: „Warum starten wir hier in Deutschland keine Revolution?“ Cevikkollu macht es sich nicht einfach, versteckt er sich doch nicht hinter der Maske des zynischen Kabarettisten, sondern sagt offen und ehrlich seine Meinung. Mehr noch, er fordert seine Zuschauer heraus, mit ihm zu diskutieren.

Und stellt dabei gewagte Thesen auf: „Der Verfassungsschutz ist die Nachfolgeorganisation der SS und Gestapo. Überlegt mal, ohne SS lässt sich Verfassungsschutz doch schon gar nicht schreiben.“ Ist das jetzt überspitzt scharfzüngiges Kabarett oder meint der das da ernst? Wenn die Zuschauer auf ihren Sitzen unruhig werden, dann ist Fatih Cevikkollu ganz in seinem Element. Um im nächsten Moment sein entwaffnendes, breites Lächeln zu zeigen und zu versichern, dass das alles doch nur Spaß sei: „Ich sag‘ euch, warum wir keine Revolution hier starten: Weil es dafür kein Formular gibt!“

Auch mal „fieser Möpp“

Wenn Cevikkollu, der von sich selbst behauptet, er sei „ene echte kölsche Jong“, als „fieser Möpp“ die Vorteile von Hartz-IV-Immobilien darlegt („Bei Hartz-IV-Empfängern kriegst du jedenfalls immer pünktlich deine Miete, am besten noch mit vielen Kindern, denn das Kindergeld ist ebenfalls sicher!“), wenn er die Politikerampel analog zur gescheiterten Lebensmittelampel fordert, wenn er sagt, dass unsere Gesellschaft mehr Verlierer als Gewinner produziert und jedes Hamsterrad von innen wie eine Karriereleiter aussehe, dann legt der Kabarettist seinen Finger ganz tief in die politischen und sozialen Wunden unseres Landes.

Frech war Fatih Cevikkollu, der mittlerweile sein viertes Bühnenprogramm spielt, immer schon: „Wer glaubt, dass in Erdbeerjog­hurt Erdbeeren drin sind, der glaubt auch, dass Til Schweiger ein Schauspieler ist.“ Mit dem Alter wird er nun auch noch gnadenlos ehrlich. Das habe auch mit seiner Tochter zu tun, erklärt er, um ohne Umschweife von seinen Erlebnissen mit Müttern auf dem Spielplatz zu berichten, „diesen Dinkel-Dominas mit ihren Versorgungsstationen“.

Seine Tochter jedenfalls bekomme Mini-Salami und Schokoriegel und brauche auch nicht die Hand des Opas zur Begrüßung zu küssen. Schließlich betrachtet Fatih genau wie seine Familie die Sicht der Dinge nicht als „Mensch mit Migrationshintergrund“, eine Frau sei ja schließlich auch kein „Mensch mit Menstruationshintergrund“, sondern als Kölner, der mitten in einer multikulturellen Gesellschaft lebt und Freunde wie „Juao“ aus Brasilien hat, der gerne mal aus „Faustn von Goethn“ zitiert.

„Ist der Gag so okay? Oder lieber nicht?“, Fatih Cevikkollu vertraut seinem Eschweiler Publikum am Samstag, schließlich gilt es, sein Programm „Fatih-Tag“ zu testen und zu verfeinern. Auch wenn er die Witze seiner schlagfertigen Gäste im Talbahnhof wahrscheinlich nicht in die Nummer einbauen wird, scheint sich der Künstler wohlzufühlen. Obwohl er auf Konfrontation aus ist. Auch wenn zumindest zwei Zuschauer den Talbahnhof bereits nach zehn Minuten verlassen. Warum auch immer, das ist schließlich Kabarett oder wie Fatih behauptet: „Das muss auch mal wehtun!“

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