Fastenzeit: Es muss nicht immer nur Verzicht sein

Von: Annika Kasties
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Die Muffins zur Seite und her mit dem Obst: Oecotrophologin Sonja Denner sieht die Fastenzeit für viele Menschen als Anlass, ihre Ernährung umzustellen. Foto: Annika Kasties

Eschweiler. Einige Süßigkeitentüten stapeln sich vielleicht noch in der Küche, mühevoll zusammengetragen unter schallenden „Alaaf“-Rufen am Rosenmontagszug. Doch der heutige Aschermittwoch markiert nicht nur das Ende der jecken Karnevalszeit, sondern auch den Beginn der Fastenzeit.

Während vielen Menschen beim Thema Fasten primär der Verzicht auf Süßigkeiten, fettige Speisen und möglicherweise Alkohol in den Sinn kommt, steht das Entsagen für Schwester Martina von der katholischen Kirchengemeinde Eschweiler nur an zweiter Stelle. „In der Fastenzeit geht es nicht nur darum, dass man auf etwas verzichtet, sondern darum, dass man die Zeit der Vorbereitung auf Ostern bewusst gestaltet.“ Wie dies genau aussehe, das sei ganz individuell. Manche Menschen beschäftigen sich intensiv mit der Heiligen Schrift, andere nehmen an Besinnungs- und Bußgottesdiensten teil, oder gönnen sich eine Stunde Meditation zur Mittagszeit.

Auch Diakon Bernhard Habermeyer betont: „Das Wichtigste an der Fastenzeit ist für mich die Einkehr und die Umkehr.“ Mit der Fastenzeit macht die katholische Kirche insbesondere auf das Heilige Jahr der Barmherzigkeit aufmerksam. Auch das Programm der katholischen Gemeinde Eschweiler steht unter diesem Schlagwort. So werden erstmals in diesem Jahr Fastenpredigten angeboten. Den Auftakt macht Pfarrer Hannokarl Weishaupt am Freitag, 12. Februar, 18 Uhr. Auch der emeritierte Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff wird in der Pfarre St. Peter und Paul eine Fastenpredigt halten.

Spezielle Angebote zur Fastenzeit bietet die evangelische Kirchengemeinde Eschweiler hingegen nicht an. Traditionell beruhe das Thema bei den Protestanten auf freiwilliger Basis, sagt Pfarrer Thomas Richter. Abgesehen von den Passionsandachten, die donnerstags in der Dreieinigkeitskirche stattfinden, überlasse die Gemeinde die individuelle Vorbereitung auf Ostern ganz ihren Mitgliedern. „Wie die Menschen diese Zeit gestalten, ist ihre Privatsache“, betont Richter.

Doch für viele Menschen hat die Fastenzeit ihren religiösen Aspekt längst verloren. Stattdessen bildet sie einen willkommenen Anlass, bewusst auf Genussmittel und andere Laster zu verzichten. Immer mehr Menschen legen für die Fastenzeit ihr Smartphone beiseite, reduzieren ihren Fernsehkonsum oder verbringen weniger Zeit im Internet. Nach wie vor nutzen viele Menschen die Gelegenheit, ihre Ernährung umzustellen, weiß die Oecotrophologin Sonja Denner. Seit vier Jahren ist die 33-Jährige am St.-Antonius-Hospital tätig und berät Menschen zu ihrem Ernährungsverhalten. Für die Oecotrophologin steht fest: Unvorbereitet sollte niemand in die Fastenzeit starten, zumindest nicht, wenn im strengen Sinne gefastet werden soll.

So sollte der Körper vor dem Fasten mit zwei Entlastungstagen auf die Fastenkur vorbereitet werden. In diesen sollte man bei der Ernährung auf viel Ost und Gemüse sowie Suppen setzen. Das eigentliche Fasten sollte dann nicht länger als zehn Tage dauern, warnt Denner. Wer länger fasten will, müsse dies unbedingt mit seinem Arzt besprechen.

Für Denner steht fest: Fasten eignet sich nur für Gesunde und Erwachsene. „Bei allen anderen Menschen besteht sonst ein zu großes Defizit an Mineralien.“ Und auch nach der Fastenkur gilt: Der Körper sollte innerhalb von drei Tagen nur langsam wieder an die normale Nahrungsaufnahme gewöhnt werden.

Auch wenn die Zeit nach Aschermittwoch vielen als Ausgangspunkt für eine Umstellung ihrer Ernährung diene, betont die Ernährungswissenschaftlerin: Als Diät eignet sich das Fasten nicht. Das Problem, sieben Wochen lang die Motivation aufrechtzuerhalten, dürfte jedoch ähnlich ausgeprägt sein, selbst wenn es sich nur um den Verzicht auf Kartoffelchips oder Vollmilchschokolade handelt. Die Ernährungswissenschaftlerin rät Fastenden deshalb, sich regelmäßig für kleine Erfolge zu belohnen. So könne man pro Fastentag einen kleinen Geldbetrag zurücklegen und sich davon einen Ausflug oder ähnliches gönnen. Denner hat ihren Bonus für den hoffentlich erfolgreichen Verzicht auf Süßigkeiten schon ins Auge gefasst: „Ich werde auf jeden Fall in den Buchladen gehen.“

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