Familienpaten: Chance für Eltern, einmal durchzuatmen

Von: Rudolf Müller
Letzte Aktualisierung:
13059340.jpg
Ein bis zweimal pro Woche mit Kindern spielen oder sie bei den Hausaufgaben betreuen: So schaffen Familienpaten Eltern die nötigen Freiräume, sich einmal um ihre eigenen Bedürfnisse zu kümmern. Der Sozialdienst katholischer Frauen sucht dafür weitere Ehrenamtler. Foto: Imago/epd
13059339.jpg
Marianne Deutz (links) betreut als Patin deutsche wie zugewanderte Familien. Petra Kogel koordiniert die Einsätze. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Der Alltag mit Kindern ist nicht immer leicht. Oft fehlt Eltern die Zeit, einmal durchzuatmen, sich um eigene Bedürfnisse zu kümmern. Auch wenn die zum Beispiel in einem Arztbesuch oder der Erledigung von Behördendingen bestehen.

Familienpatenschaften, wie der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) in Eschweiler sie vermittelt und begleitet, können da wertvolle Hilfe leisten. Ihr Bestreben: Eltern an der Grenze zur Überforderung ein wenig Freiraum zu verschaffen. Denn nicht alle haben ein familiäres Netzwerk, das es ermöglicht, Oma oder Opa stundenweise die Kinder anzuvertrauen, und viele sind auch neu zugezogen, fast noch ohne Kontakte in Eschweiler.

„Eltern sind dankbar, wenn eine Person ihres Vertrauens ein bis zweimal die Woche für ein paar Stunden zu den Kindern kommt und sie so entlastet werden“, weiß Petra Kogel, die für den SkF derartige Familienpatenschaften koordiniert. 17 davon gibt es derzeit, neun davon in Flüchtlingsfamilien.

Eine, die sich seit Jahren als Patin um Familien kümmert, ist Marianne Deutz. Die gelernte kaufmännische Angestellte und Mutter von drei inzwischen erwachsenen Söhnen hat zuerst zweieinhalb Jahre lang im Auftrag der Stadt eine irakische Familie unter ihre Fittiche genommen, dann im Auftrag des SkF eine deutsche Familie betreut.

Seit November kümmert sie sich zusätzlich um eine afghanische Familie. Eine Aufgabe, die ihr viel Freude macht. „Da kommt gerade von den Kindern enorm was zurück“, sagt sie. „Als Pate hat man es eigentlich sehr einfach. Die Kinder freuen sich, wenn ich komme, lernen gerne mit mir Vokabeln, weil sie wissen, danach gibt‘s etwas Positives.“ Erst kürzlich bestand eines „ihrer“ Kinder eine schwierige Prüfung mit Bravour.

„In ,meiner‘ Familie besuchen alle ihre Integrations- und Deutschkurse. Die machen Hausaufgaben, von denen ich bezweifle, dass so mancher Deutsche die könnte. Aber das Problem ist, dass sie anschließend kaum Gelegenheit haben, Deutsch zu sprechen. Wenn, dann nur in Gruppen, die von Ehrenamtlern geleitet oder begleitet werden.“ Dabei seien Frauen, so sagt Marianne Deutz, weitaus aufgeschlossener als Männer: „Die Frauen treffen sich regelmäßig mit einem Ehrenamtler in einer der Wohnungen am Stich. Da wird dann nur Deutsch gesprochen.“ Und sehr gerne würden die Flüchtlinge auch mit Deutschen in Kontakt kommen.

Dass Flüchtlinge schon aufgrund ihrer Kommunikationsprobleme mehr Einsatz ihrer Paten erfordern (durch Begleitung bei Arztbesuchen oder Behördengängen, bei der Suche nach Kindergartenplätzen oder dem Erledigen von Post), versteht sich von selbst. Aber auch deutsche Familien hätten manchmal gerne Unterstützung im Kontakt mit Ämtern oder Schulen.

Dennoch, so Petra Kogel, müsse sich kein Pate überfordert sehen: „Im Vorfeld loten wir aus, wie viel Zeit und Engagement ein Pate zu investieren bereit ist, und schauen so, welcher Pate zu welcher Familie passt.“ Ganz gleich, ob mit oder ohne Migrationshintergrund.

Und kein Pate steht allein da: Dafür sorgen monatliche Gesprächsrunden mit allen „Kollegen“ im SkF-Domizil an der Peilsgasse. „Der Austausch dort ist sehr wichtig“, sagt Marianne Deutz. „Da gibt‘s Tipps und Anregungen, da werden konkrete Probleme besprochen, da wird darüber gesprochen, was man wie nah an sich ranlassen sollte, was man darf und was nicht.“ Denn nicht immer fällt es leicht, sich mit der Rolle der Entlastungskraft für gestresste Eltern abzufinden.

„Manchmal juckt es mich schon in den Fingern, mich in bestimmte Dinge einzumischen, aber das ist ja nicht der Sinn des Ganzen.“ Kommt es zu Problemen, können gemeinsame Gespräche von Familie, Paten und Koordinatorin weiterhelfen. Aber richtig schwerwiegende Probleme, so sagt Petra Kogel, hat es eigentlich noch nie gegeben.

Im Gegenteil, sagt Marianne Deutz: „Zunächst ist es für eine Mutter natürlich eine mutige Entscheidung, sich auf eine noch fremde Person in der Familie einzulassen. Aber mit der Zeit schließt man Freundschaft, wird Teil der Familie.“ Da werden dann auch Geburtstage gemeinsam gefeiert und Ausflüge unternommen.

Familienpate zu sein, ist ein Ehrenamt. Allerdings können bei größeren Ausflügen Fahrtkosten erstattet werden, zudem kann Spiel- und Beschäftigungsmaterial gestellt werden, als Ehrenamtliche sind die Paten über den SkF versichert und können an themenbezogenen Fortbildungen teilnehmen. Zur Finanzierung kann der SkF sich auf Sponsoren verlassen: Dazu zählt neben der Stadt Eschweiler die Bundesinitiative „Frühe Hilfen“, die Bischöfliche Stiftung für Mutter und Kind, der Caritasverband Aachen-Stadt und Aachen-Land sowie das Land NRW.

„Unsere Paten sind eine ganz tolle Gruppe“, sagt Petra Kogel. „Aber die ist natürlich offen für weitere Mitglieder.“ Wer sich einbringen möchte, der sollte Freude am Umgang mit Kindern haben, Erfahrung darin besitzen, auch für Fragen und Sorgen der Eltern ein offenes Ohr haben, offen und tolerant sein, Interesse an Fortbildungen haben und sich – wenn er eine Flüchtlingsfamilie unterstützen möchte – in Eschweiler gut auskennen, Freude daran haben, im Miteinander das Erlernen der deutschen Sprache zu fördern sowie Kontakte zu Institutionen und Behörden zu unterstützen.

Die Paten, die mit Hilfe des SkF Familien betreuen, sind eine bunt gemischte Gruppe. „Zunächst waren da nur Rentner“, berichtet Marianne Deutz, „aber inzwischen sind gerade in der Flüchtlingsbetreuung auch jüngere, berufstätige Menschen tätig. Und auch einige Ehepaare machen mit.“

Weitere Paten sind dringend nötig. „Wir machen schon gar keine Werbung mehr für unsere Familienpatenschaften, weil wir die Nachfrage nicht befriedigen können“, sagt Kogel. Allerdings melden sich immer wieder Familien, die in Eschweilers Kindergärten auf Flyer des SkF gestoßen sind. Oder die per Mund-zu-Mund-Propaganda von dem Projekt erfahren haben. „Gerade bei Flüchtlingsfamilien sehe ich einen großen Bedarf an Patenschaften“, sagt Petra Kogel.

Wer interessiert ist, kann sich an sie wenden: Petra Kogel, Telefon 02403/609180, E-Mail: p.kogel@skf-eschweiler.de.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert