Eschweiler - Faktor-X-Siedlung „Neue Höfe“ nimmt Formen an

Faktor-X-Siedlung „Neue Höfe“ nimmt Formen an

Von: Patrick Nowicki
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An dieser Stelle entsteht der Quartiersplatz im Faktor-X-Wohngebiet „Neue Höfe Dürwiß“: Eine Gruppe mit Vertretern der Projektbeteiligten schaute sich nun einige Beispiele für ressourcenschonendes Bauen an. Foto: Patrick Nowicki
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Blick ins Treppenhaus eines Holzständerhauses, das im Gebiet „Neue Höfe Dürwiß“ steht. Wände und Treppe müssen noch verkleidet werden.

Eschweiler. Gerne wird der Vergleich bedient, dass es etwas wie Sand am Meer gebe. Dieser hinkt allerdings inzwischen, denn in vielen Regionen der Welt ist der Sand knapp geworden. Für die Zukunft ist es darum wichtig, Ressourcen zu schonen – die Idee, die hinter dem Faktor-X-Ansatz steht.

„Baustoffe sind nicht unendlich vorhanden“, betont Klaus Dosch, der die Faktor-X-Agentur in der Indeland GmbH leitet. In Dürwiß, auf dem Gebiet „Neue Höfe“, entstehen derzeit Häuser, die den Gedanken, ressourcenschonend zu bauen, widerspiegeln. Die 54 Grundstücke auf und am Gelände des ehemaligen Laurenzberger Sportplatzes, so betont die Stadtverwaltung, sind verkauft, fast die Hälfte davon ist bebaut.

Drei Beispiele vor Ort

Was die Faktor-X-Bauweise bedeutet, schaute sich nun eine Gruppe Politiker, Verwaltungsmitarbeiter, Planer und Projektbeteiligte an drei Beispielen vor Ort an. Der Technische Beigeordnete der Stadt Eschweiler, Hermann Gödde, räumte sogleich mit einem landläufigen Gedanken auf: „Es steht nicht im Vordergrund, die Energieeffizienz weiter zu steigern, sondern wie kann ich die Ressource sinnvoll einsetzen?“

Man schaut also weniger auf die Heiz- und Klimatechnik, sondern mehr auf den Baustoff. Konkret: Statt eine Decke aus Stahlbeton zu gießen, wird sie aus Holz oder Tonziegeln erstellt. Dies müsse nicht zwangsläufig teurer sein, meint Klaus Dosch, aber es werde Material verwendet, das nachwachse.

Das Projekt, das in Dürwiß und in Inden am Lucherberger See umgesetzt wird, soll fortgeführt werden. Gödde verkündete, dass man schon ein zweites Areal ausgeguckt habe, wo man ressourceneffizientes Bauen umsetzen wolle: nämlich am Vöckelsberg.

Mit im Boot sitzen RWE Power, die Kathy-Beys-Stiftung und die Innovationsregion Rheinisches Revier. Letztere unterstützt Untersuchungen, Baumaterial wiederzuverwerten. Dazu gehören auch Überlegungen, Recycle-Beton zu entwickeln und zu verwenden. In dieser Branche erhofft man sich auch neue Arbeitsplätze.

Mehrere Holzhäuser

Für die Stadt Eschweiler ist Eberhard Büttgen der Ansprechpartner beim Faktor-X-Bauen. Er führte die Gruppe durch das wachsende Wohngebiet in Dürwiß und nannte aktuelle Zahlen: Auf den bebauten Grundstücken stehen zwei holzbasierte Fertighäuser, drei Holzhäuser und 17 massive monolithische Häuser. „Man sieht es den Gebäuden von außen nicht immer an, dass es sich um Faktor-X-Häuser handelt“, sagte er. In Planung seien weitere fünf Fertighäuser, drei Mehrfamilien- und drei Einfamilienhäuser, die vorrangig mit Holz errichtet werden.

Das Innenleben eines Holzhauses zeigte der Dürwisser Zimmermann Hermann Kratzenberg. Das Holzständerhaus wird irgendwann nicht mehr als solches zu erkennen sein. Dort wo derzeit noch Grobspanplatten, Balken und Pfosten zu sehen sind, müssen noch Dämmung, Putz und Estrich aufgetragen werden. Holzhäuser sind energieeffizient, aber – und dies macht sie prädestiniert für Faktor-X-Siedlungen – vor allen Dingen ressourcenschonend, da es sich um einen nachwachsenden Rohstoff handelt.

Große Ambitionen

Das Baugebiet „Neue Höfe Dürwiß“ ist vor einigen Jahren mit großen Ambitionen gestartet. Unter anderem war geplant, Modellkommune für Kraft-Wärme-Kopplung zu werden. Zwar kam Eschweiler in die engere Auswahl im Land NRW, den Zuschlag erhielt die Kommune jedoch nicht.

Der Bau von Blockheizkraftwerken zur Stromversorgung des Gebietes zerschlug sich damit aus wirtschaftlichen Gründen. Laut Gödde ist es jedoch gelungen, einen anderen Aspekt umzusetzen: „Wir konnten viele unterschiedliche Bürger dafür gewinnen, ein Grundstück in den Neuen Höfen zu erwerben – junge Familien, aber auch Alleinstehende und ältere Menschen.“ Im Zentrum des Areals wird der Quartiersplatz entstehen.

Ist ein Großteil der Häuser gebaut, werden auch die Straßen und Wege folgen. Auch dort sollen ressourcenschonende Materialien eingesetzt werden. Die Stadt Eschweiler sieht sich noch nicht am Ende einer Entwicklung. Das Faktor-X-Konzept, das letztlich am Vöckelsberg zum Tragen kommt, wird überarbeitet und ergänzt. „Besonders eine ressourcenschonende und naturnahe Niederschlagsentwässerung soll umgesetzt werden“, teilt die Stadtverwaltung mit.

In Dürwiß sieht man die Ziele erreicht: „Wir haben in allen Häusern mindestens Faktor 2 erreicht“, teilt Klaus Dosch mit. Dies bedeutet, dass mindestens 50 Prozent weniger Material verbraucht wurde als in vergleichbaren Gebäuden. Damit habe man bewiesen, dass weiterhin traditionell gestaltete Bauten ressourcenschonend entstehen können, ohne dass es deutlich teurer werde.

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