„Faktor X” setzt Leuchtturm ins Umwelt-Camp C02

Von: Rudolf Müller
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Dies dürfte das ressourcen- und damit umweltschonendste Gebäude Österreichs sein: von Wiener Forschern entwickeltes Faktor-X-Haus, Vorbild für Eschweiler Bemühungen. Foto: grAT

Eschweiler. Noch gehört der Propsteier Wald dem Bund. Noch wartet man im Eschweiler Rathaus auf die Preisvorstellung der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Die, so hofft, der Technische Beigeordnete Hermann Gödde, wird im ersten Quartal des kommenden Jahres vorliegen.

Und dann wird aus dem einstigen Militärgelände ein 360 Hektar großer „Bürgerwald”: „Schon jetzt haben sich bei uns viele gemeldet, die Anteile daran erwerben wollen”, betont Gödde.

Das künftige Naherholungsgebiet wird ein ganz besonderes werden: Liegt doch mittendrin das Camp C02-Zero. Hier entwickeln Stadt und RWTH Aachen gemeinsam einen Standort für regenerative Energien und Umweltschutz in Entwicklung, Anwendung und Demonstration. Hier sollen neben Anlagen zur Erzeugung regenerativer Energie aus Sonne, Wind und Biomasse Labor- und Fertigungsflächen für ausgewählte Forschungsprojekte der Hochschulen und privater Forschungsinstitute entstehen.

Hier sollen auf einem Freiflächentestfeld zum Beispiel Umwelteinflüsse auf Baumaterialien ebenso untersucht werden wie Anpassungsstrategien an den Klimawandel. Geplant ist auch die Ansiedlung kleiner und mittelständischer Unternehmen aus der Umwelttechnik und die Errichtung eines Bildungs- und Ausbildungszentrums für Schulen, Hochschulen, Handwerk, Gewerbe, Industrie, Architekten etc.

Das allein aber reicht den Projektpartnern um Stadt, RWTH, Kathy-Beys-Stiftung, indeland-GmbH, Cluster Umwelttechnologien NRW und Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer (AGIT) nicht. Um als Ergänzung zu Campus Aachen und Forschungszentrum Jülich wirklich „Spitze” zu sein, bedarf es eines Alleinstellungsmerkmals, sprich: Da muss etwas her, was sonst niemand hat.

Ein „Leuchtturm”, dessen Strahlkraft Interessenten anlockt. Reiner Fey vom Stadt-Planungs- und Entwicklungsamt und Eberhard Büttgen vom RWTH-Lehrstuhl Abfallwirtschaft, beide federführend mit der Entwicklung des Camps befasst, hatten die Idee: Ein Faktor-X-Haus soll´s sein. Ein Haus, das es ihres Wissens in Europa bisher nicht gibt. Nicht im Gewerbebereich.

Als Wohnhaus dagegen schon: In Österreich zum Beispiel ist „Faktor X” ein großes Thema. Faktor X steht für Faktor 10: Auf zehn Prozent sollen die übliche Ressourcen bei Bau, Betrieb und späterer Entsorgung eines solchen Gebäudes reduziert werden. „Die größten Massenströme der Wirtschaft werden im Baubereich bewegt”, stellt die GrAT, die Gruppe Angepasste Technologie der Technischen Universität Wien fest.

Das schließt den Verbrauch von Baumaterialien ebenso ein wie den von Energie, zurückgelegte Transportkilometer und vieles mehr. Diesen Verbrauch auf ein Zehntel zu minimieren, führt zu Lösungen, die modular aufgebaut und leicht zu warten sind, langlebig und zeitlos und in den Naturkreislauf rückführbar. Und zu neuen Produkten wie leicht recycelbaren Punktfundamenten, holzbeheizten Biomasse-Speicheröfen und wiederverklebbaren Naturstein-Bodenfliesen.

Was den Wiener Forschern in Sachen Wohnhaus gelang, das müsste im Camp auch für Gewerbegebäude möglich sein, glauben Fey und Büttgen. Sie luden mit finanzieller Hilfe der Aachener Kathy-Beys-Stiftung die Wiener Forscher und etliche weitere Experten und Interessenten zu einem zweitägigen Workshop samt Ideensammlung nach Eschweiler ein. Anfang kommender Woche sollen im Rathaus wie auch im Saal des Bistro de Ville die Köpfe rauchen. „Wir erhoffen uns davon nicht zuletzt einen konkreten âFahrplanÔ für die weitere Entwicklung”, unterstreicht Hermann Gödde. Eschweiler, so der Beigeordnete, soll erste Adresse in Sachen „Faktor X” werden.

Experten lassen die Köpfe qualmen: Wie baut man ressourcenschonend?

Hochkarätig besetzt ist der Workshop zum Thema Faktor X, den die Aachener Stifdtung Kathy Beys gemeinsam mit der Stadt Eschweiler, der Aacheer Gesellschaft für Innovationstransfer und der indeland- GmbH ab Montag in Eschweiler veranstaltet.

Referenten sind Dr. Alfred Strigl vom Institut Plenum, Wien, und seinem Kollegen Dr. Fritz Hinterberger (Seri, Wien) Holger Rohn vom Wuppertal-Institut und Dr. Peter Jahns, Leiter der Effizienz-Agentur NRW. Teilnehmer sind neben Vertretern der Stadt Professor Peter Doetsch, Eberhard Büttgen und Roland Meyer vom RWTH-Lehrstuhl Abfallwirtschaft, Jan Benden vom Institut für Stadtbauwesen und Stadtverkehr der RWTH, Professor Martina Frommhold-Eisebith und Marco Trienes vom Lehrstuhl für Wirtschaftsgeographie, sowie Dr. Frank Betker vom Institut für Landes- und Entwicklungsforschung und Stephan Ellerhorst vom Cluster Umwelttechnologien NRW.

Sie beschäftigen sich bis Dienstag mit Fragen und Ideen zu Nachhaltigkeit, Bauweisen, Geschäftsmodellen, Infrastruktur und Marketing eines Faktor-10-„Leuchtturms” im früheren Camp Astrid. Gewünschtes Ergebnis: ein „Fahrplan” für das weitere Vorgehen der Stadt bzw. der Camp C02-Zero-Betreiber.

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