Faisal Kawusi : Lässige Schärfe des leibhaftigen Vorurteils

Von: Andreas Röchter
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Präsentierte sich humorvoll, schlagfertig und in Richtung seines Publikums äußerst wissbegierig: Comedian Faisal Kawusi überzeugte seine Zuhörer im gut besuchten Talbahnhof. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Nach rund zweieinhalb Stunden waren sich alle Beteiligten näher gekommen: Comedian Faisal Kawusi hatte sich seinem begeisterten Publikum im gut besuchten Talbahnhof humorvoll, schlagfertig, frech und nicht zuletzt mit verbaler Schärfe ausgiebigst präsentiert, doch auch seinen Zuhörern ganz erheblich auf den Zahn gefühlt.

„Wie ist dein Name, Liebes?“, lautete die häufig gestellte Eingangsfrage in Richtung Publikum. Und so erfuhr nach und nach (nahezu) Jeder von (nahezu) Jedem, warum und mit wem der Nachbar vier Plätze weiter eigentlich vor Ort war und wie insgesamt die Zuschauerkonstellation denn so aussah. In einem Fall sogar doppelt, nämlich vor und nach der Pause. „Hatten wir schon!“, wurde Faisal Kawusi jedoch schnell von einem aufmerksamen Gast aufgeklärt.

Ansonsten zeigte sich der in der Nähe von Frankfurt geborene Wahl-Kölner, für den als Afghane mit polnischer Tante und stämmigem Körperbau das Wort „Vorurteil“ quasi erfunden wurde, in Sachen Geografie auf dem neuesten Stand der Wissenschaft: „Ich dachte bisher, dieser Teil Deutschlands bestünde nur aus Wasser“, begrüßte er die Inde- und Nachbarstädter.

Aber apropos Vorurteil: Hier und da könnte ja etwas dran sein. Etwa an der Annahme, afghanische Väter pflegten hin und wieder gegenüber der Nachkommenschaft einen eher autoritär angehauchten Erziehungsstil. „Ihr könnt euch daher vorstellen, dass die Worte meines Lehrers, die nicht selten ‚Faisal, wenn das noch einmal vorkommt, dann weht hier ab morgen ein ganz anderer Wind‘ lauteten, bei mir geradezu Angstzustände hervorriefen“, versicherte Faisal Kawusi mit glaubhafter Mimik.

Zu Beginn des zweiten Teils seines Programms ließ der gelernte Bankkaufmann dann auf ausdrücklichen Wunsch des Publikums sein im Zusammenspiel mit Kollege Luke Mockridge gewachstes, also von Haaren befreites, linkes Bein sehen, um kurz darauf zu bekennen, eigentlich wenig mit seinem Heimatdialekt anfangen zu können, in Ausnahmefällen jedoch auch schon einmal zum „Hessisch-Tourette“ zu neigen. Und sein „Arbeitsurlaub“ auf der Aida habe „Gepäcktechnisch“ unglücklich begonnen. „Mein Koffer war weg. Dies kann bei einem Afghanen durchaus schon einmal zu Verwicklungen führen“, wusste er zu berichten.

Darüber hinaus habe er gelernt, wie unglaublich ernst wir Deutschen die Sache mit dem Handtuch nähmen. Doch dies sei eigentlich eine gute Idee. „Etwa bei guten Parkplätzen. Handtuch drauf – meiner! Oder bei hübschen Frauen. So ist übrigens die Burka entstanden“, klärte Faisal Kawusi auf.

Um sich schließlich dem Thema „Diskriminierung“ zu widmen: „Früher waren wir Afghanen alle Attentäter und Mörder, nun sind wir sogar Grapscher!“ Wobei es ihm seine Statur generell auch nicht wesentlich einfacher mache. „Wenn ich als Dicker eine Hose suche, fühle ich mich wie ein Ami im Irak. Ich finde nichts! Das war übrigens jetzt Kabarett“, machte der Comedian gleich auf mehrere Tatsachen aufmerksam.

Selbstbewusstsein für alle

Und forderte alle Menschen zu selbstbewusstem Handeln auf: „Selbstbewusstsein bedeutet, sich seiner selbst bewusst zu sein. Also auch seiner Schwächen! Und wenn ihr, aus welchem Grund auch immer, gemobbt werdet: Setzt immer noch einen drauf! Lacht über euch selber. Damit nehmt ihr dem Schwächling, der sich auf eure Kosten profilieren möchte, jeglichen Wind aus den Segeln!“, so der Ratschlag des Comedian, der mit lautstarkem Applaus und nach einigen Zugaben von der Bühne des Talbahnhofs (vorerst) verabschiedet wurde.

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