Fairtrade-Stadt Eschweiler: Verwaltung trinkt fair gehandelten Kaffee

Von: Patrick Nowicki
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Ein Schluck fair gehandelten Kaffee: Am kommenden Dienstag erhält Eschweiler die Auszeichnung als Fairtrade-Stadt. Verwaltungssprecher René Costantini zeigt das Logo, das nun alle Geschäfte tragen, die sich an der Initiative beteiligen. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Die Stadt erhält am kommenden Dienstag eine weitere Auszeichnung: Manfred Holz zeichnet Eschweiler als Fairtrade-Stadt aus. Sie ist damit die 484. Kommune in Deutschland, die die Kriterien erfüllt und fairen Handel in der Welt unterstützt.

In der Städteregion ist nur die Stadt Aachen mit dem Fairtrade-Siegel ausgezeichnet worden. Alle zwei Jahre wird nun überprüft, ob die Voraussetzungen für den Titel nach wie vor gegeben sind.

Die Stadtverwaltung selbst sieht sich nur am Anfang eines Weges. „Wir werden an diesem Thema dranbleiben“, sagt Sprecher René Costantini. Bisher schafft man gerade die Mindestbedingungen als Fairtrade-Stadt. Dazu gehört, dass man nicht nur selbst zwei Fairtrade-Produkte im Rathaus anbietet, sondern auch andere Mitstreiter sucht, die sich für fairen Handel einsetzen.

Inzwischen hat man in Eschweiler 21 Geschäfte ausgemacht, die ebenfalls mindestens zwei „faire“ Dinge in ihrem Angebot haben – zwölf Läden sind erforderlich. Schwieriger gestaltete sich die Suche in Eschweiler, sechs Gastronomen zu finden, die sich der Initiative anschließen. Im vergangenen Sommer wurde jedoch auch diese Hürde genommen. Die entsprechenden Läden tragen das Fairtrade-Logo.

Costantini legt Wert darauf, dass sich das Engagement für fairen Handel nicht ausschließlich auf das Rathaus beschränken darf. Deswegen freut es ihn, dass auch andere Organisationen und Institutionen auf den Fairtrade-Zug aufgesprungen sind. Als Beispiele nennt er die Pfarre Heilig Geist, die beim jüngsten Pfarrfest Fairtrade-Produkte angeboten hat, und die Bischöfliche Liebfrauenschule, die sich seit dem 30. November 2013 Fairtrade-Schule nennen darf.

„Wir unterstützen damit vor allem Kleinbauern und Kleinbetriebe in den Ländern des Südens“, heißt es auf der Homepage der Schule. An der Schule wurde auch ein Eine-Welt-Arbeitskreis gegründet, zu dem nicht nur Schüler und Lehrer zählen, sondern auch Eltern. Kein Wunder also, dass bei der Feierstunde am kommenden Dienstag am Blausteinsee auch eine Delegation der Bischöflichen Liebfrauenschule mit der Lehrerin Birgit Herkenhoff-Portik von der Arbeit als Fairtrade-Schule berichten wird.

Die Laudatio wird der Fairtrade-Ehrenbotschafter Manfred Holz halten. Der 69-Jährige setzt sich seit Jahrzehnten für den fairen Handel ein. Er gründete im Jahr 1988 den Verein Vehement (Vereinigung ehemaliger Entwicklungshelfer) mit und initiierte auch die Neusser Eine-Welt-Initiative, ein Zusammenschluss von über 25 Eine-Welt-Gruppen. Ein Jahr später war er an der Gründung des Eine-Welt-Netzes NRW beteiligt, dessen Vorstand er bis 2011 angehörte.

Im Jahr 1992 beteiligte er sich an der Gründung des Vereins Transfair, der Fairtrade in Deutschland vertritt. Darüber hinaus arbeitete er als Vorsitzender im Ausschuss „Frieden-Entwicklung-Mission“ im Diözesanrat im Erzbistum Köln ehrenamtlich. Zum Ehrenbotschafter der Fairtrade-Initiative wurde er im Juli 2011 ernannt.

Mit dem Fairtrade-Thema wird sich im Rathaus der Arbeitskreis „Global nachhaltige Kommune“ weiter befassen. Er ist aus der Steuerungsgruppe „Eschweiler 2030“ hervorgegangen. Ihr gehören nicht nur Rathausmitarbeiter an. In diesem Kreis wurden die Weichen für die erfolgreiche Bewerbung als Fairtrade-Stadt gestellt.

Der Ratsbeschluss datiert vom 29. Juni des vergangenen Jahres. Die offizielle Bewerbung erfolgte schließlich einen Monat später, am 20. Juli. Die Zusage des Vereins erfolgte schließlich im vergangenen Dezember, jetzt kommt es zur offiziellen Überreichung der Urkunde. Diese wird im Rathaus aufgehängt.

Zwar wird man fortan das Label „Fairtrade“ auf dem Briefkopf der Stadt finden, aber Schilder plant man nicht aufzustellen. „Ganz ehrlich, wir haben die Kriterien gerade erst erfüllt und es gibt noch viel zu tun“, sagt René Costantini. Bisher werden im Rathaus fair gehandelte Kekse und Kaffee angeboten. In Zukunft will man mit Aktionen auf die 17 Ziele, die vom Nachhaltigkeitsgipfel der Vereinten Nationen in New York vor zwei Jahren verabschiedet wurden, aufmerksam machen.

„Diesen Zielen fühlen wir uns als Stadt auch verpflichtet“, betont er. Wie man dafür werben kann, macht die Liebfrauenschule nun schon seit Jahren deutlich. In der Stadtverwaltung denkt man nicht nur darüber nach, weitere Geschäftsleute und Gastronomen auf das Thema aufmerksam zu machen, sondern auch Veranstaltungen auf die Beine zu stellen. Als Beispiel ist ein Fairtrade-Frühstück auf dem Marktplatz denkbar.

Nachhaltigkeit bedeutet in den Augen Costantinis nicht nur, Produzenten in Entwicklungsländern gerechte Preise zu zahlen, sondern auch Betriebe vor Ort zu berücksichtigen. „Es ist nachhaltiger, wenn Produkte einen kurzen Weg nehmen, statt sie im Internet zu bestellen und sie dann quer durch Deutschland transportiert werden“, wirbt er für den Kauf vor Ort. Auch dies zählt zu den Nachhaltigkeitszielen, denen sich die Stadt verpflichtet sieht. Deswegen werden weitere Mitstreiter gesucht, die ebenfalls Fairtrade-Produkte anbieten wollen.

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