Fahrradkurs für Flüchtlinge

Von: tim
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Polizeihauptkommissar Ulli Schellin hatte ein waches Auge auf die jungen Flüchtlinge, die gestern an der praktischen Prüfung zum „Fahrradführerschein“ teilnahmen. Foto: Timo Müller

Eschweiler. Wann gilt rechts vor links? Was bedeutet welches Verkehrszeichen? Was muss ich beim Abbiegen mit dem Fahrrad beachten? Wann gilt welche Vorfahrtsregel? Solch grundlegende Verkehrsregeln lernen Kinder in Deutschland spätestens bei ihrer „Fahrradführerscheinprüfung“ in der Grundschule im Alter von acht bis zehn Jahren.

Doch eine so frühe Verkehrserziehung, wie sie hierzulande üblich ist, ist in den meisten Ländern schlichtweg nicht vorhanden. Daher tun sich gerade viele Flüchtlingskinder im hiesigen Straßenverkehr etwas schwer. Einige sind ein solch hohes Verkehrsaufkommen, wie es in Deutschland Alltag ist, nicht gewöhnt, andere wiederum kommen aus Großstädten, in denen statt Verkehrsregeln eher das Recht des Stärkeren gilt.

Um diese Problematik anzugehen, und den Jugendlichen die Regeln der Straßenverkehrsordnung zu vermitteln, veranstaltete das Haus St. Josef, in denen einige unbegleitete minderjährige Flüchtlinge untergebracht sind, einen „Integrations-Fahrradkurs“.

Polizeihauptkommissar Ulli Schellin hatte sich auf Anfrage der Einrichtung kurzerhand bereit erklärt, diese bei ihrem Vorhaben zu unterstützen, und wachte während des Fahrradtrainings über die 23 jungen Teilnehmer. Bereits vor dem eigentlichen Verkehrsunterricht wurden die Jugendlichen sprachlich mit einem speziellen Deutschkurs, in dem vor allem verkehrsspezifische Vokabeln auf dem Lehrplan standen, auf ihre „Führerscheinprüfung“ vorbereitet.

Bei einem Besuch in der Jugendverkehrsschule in Dürwiß, wurden den 13- bis 18-jährigen Flüchtlingen dann die wichtigsten Verkehrszeichen vermittelt. „Da die meisten Verkehrszeichen international die gleiche Bedeutung haben, sind hier zumeist schon Vorkenntnisse vorhanden gewesen“, berichtete Volker Neveling, Erzieher und Teamleiter für den Förderbereich unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge im Haus St. Josef.

Auch das Fahrradfahren an sich beherrschen die jungen Leute, die aus Afghanistan, dem Irak, Eritrea, Guinea und Nigeria stammen, zumeist bereits sehr gut, ergänzte Schellin. So absolvierten 22 junge Männer und eine Frau eine dreitägige Schulung, an deren Ende sowohl eine theoretische, als auch eine praktische Prüfung stand.

Bei der letzteren mussten die Jugendlichen unter Aufsicht von Polizeihauptkommissar Schellin sowie einigen Betreuern des Hauses St. Josef auf der Liebfrauenstraße und der Reuleauxstraße zeigen, dass sie das richtige Abbiegen mit Handzeichen und Schulterblick erlernt hatten. Doch auch auf das richtige Anfahren, sowie eine vorausschauende Fahrweise wurde geachtet. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Keiner der Jugendlichen hatte mehr als zehn Fehlerpunkte, und so fiel auch niemand durch die praktische Prüfung.

Nach dem Bestehen der theoretischen Prüfung, deren Auswertung noch einige Tage dauert, erhalten die jungen Fahrradfahrer einen „Fahrradführerschein“ sowie eine Urkunde. Den jungen Flüchtlingen machte die gesamte Prüfung sichtlich Spaß. Auf die Frage an einen jungen Afghanen aus Kabul, was der Unterschied zwischen dem Verkehr in seinem Heimatland und Deutschland sei, antwortete der Jugendliche in fast perfektem Deutsch: „In Afghanistan gibt es viel weniger Regeln. Und weniger Autos!“

Neben dem Erlernen der Verkehrsregeln, lenkte das Training die Jugendlichen zudem ein wenig von ihrem Alltag ab, zudem stärkt das Erreichen eines Ziels, wie der „Fahrradführerschein“, das Selbstbewusstsein der jungen Leute . Die Fahrräder, die bei der praktischen Prüfung genutzt wurden, gehören übrigens dem Haus St. Josef. Genutzt werden dürfen diese nur von Jugendlichen, die zuvor an der Fahrradprüfung teilgenommen haben.

Das dient vor allem der Sicherheit der Jugendlichen. Dazu lernen sie in der hauseigenen Fahrradwerkstatt, wie sie ihre Zweiräder pflegen und reparieren. Auch die passenden Fahrradhelme gehören zur Ausstattung der Einrichtung. „Gerade die Mobilität der Flüchtlinge trägt noch einmal viel zur Integration bei“, erklärte Neveling, „Beispielsweise können die Jugendlichen die an dem Kooperationsprogramm zwischen dem Haus St. Josef und dem SC Berger Preuß teilnehmen, nun sicher mit dem Fahrrad zum Sportplatz fahren .“

Und auch sonst ist ihr Bewegungsradius dank der Fahrräder nicht mehr so eingeschränkt. So stehen im Haus St. Josef für die Flüchtlingskinder nun auch Fahrradausflüge, beispielsweise zum Indemann, auf dem Plan. Am Ende bedankten sich die begeisterten Jugendlichen für die tolle Betreuung von Polizeihauptkommissar Schellin und den Mitarbeitern der Einrichtung.

Das Haus St. Josef nimmt übrigens gerne Fahrradspenden entgegen. Wer einen Drahtesel oder auch nur Ersatzteile spenden möchte wendet sich bitte an das Haus St. Josef, Hehlrather Straße 6, Telefon 78580.

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