Eschweiler - Facebook im Blick: Fluch oder Segen für Eschweiler und seine Vereine?

Facebook im Blick: Fluch oder Segen für Eschweiler und seine Vereine?

Von: Valerie Barsig
Letzte Aktualisierung:

Eschweiler. Seit nun schon zehn Jahren werden bei Facebook fleißig Bilder gepostet, Likes verteilt und Kommentare geschrieben. Das soziale Netzwerk hat viele Fans – und ist genauso oft auch in der Kritik. Was aber nützt eine Facebook-Seite der Stadt Eschweiler, der Politik oder Vereinen?

„Wir haben intensiv über einen Facebook-Auftritt diskutiert“, erzählt Stefan Kaever von der Stadt. Man habe sich dann aber doch dazu entschieden, es erstmal bei einem Auftritt der Stadtbücherei und der Mobilen Jugendarbeit des Jugendamtes zu belassen – als eine Art Pilotprojekt. „Für die gesamte Einrichtung Stadt wäre eine Facebook-Seite eine Riesenmenge Arbeit“, sagt Kaever.

In anderen Städten ist nämlich eine ganze Abteilung mit dem Auftritt im Netz beschäftigt. Denn: Ohne Kommunikation bringe Facebook gar nichts, sagt Kaever. Würden plötzlich viele der Eschweiler Bürger alle ihre Anliegen – von Finanzen über Bauangelegenheiten bis hin zu Fragen rund um den Personalausweis – bei Facebook posten oder per Nachricht Fragen stellen, könne man das bei der Stadt Eschweiler nur mit Personal stemmen, das sich in allen Belangen auskenne und auch noch schnell reagieren könne.

Gar nicht so einfach also, sagt Kaever. Bürgermeister Rudi Bertram ist sich allerdings bewusst, dass gerade junge Leute per Facebook gut erreichbar sind. „Für sie ist Facebook wie für uns Telefonieren“, sagt er. Das Thema Facebook wolle man mit der Zeit angehen, allerdings sei man noch mitten in den Überlegungen, wie eine Facebook-Seite der Stadt aussehen könnte.

Hans Krahe, Vorsitzender des FC Rhenania Lohn sieht den Facebook-Auftritt seines Vereins zwar als notwendig an, steht dem sozialen Netzwerk aber auch durchaus kritisch gegenüber. „Je mehr man auf Facebook stellt, desto mehr wird auch kommentiert“, sagt er. Er hat vor allem Angst vor negativen Kommentaren. Es gäbe nicht immer nur gute Zeiten im Verein, sagt er. Gerade dann könne Facebook eine Gefahr darstellen.

„Zu unpersönlich“

Auch Frank Dickmeis vom FC Germania Dürwiß findet Facebook einfach „zu unpersönlich“. Auch er hat negative Erfahrungen mit sogenannten „Shitstorms“ – also unangemessener Kritik – auf der Internetseite des Vereins gemacht. „Dort haben wir solche Kommentare dann wieder gelöscht“, erzählt er. Seine Angst ist, dass wenn ein Shitstorm auf Facebook losbricht, die Reaktion des Vereins einfach zu spät sein könnte.

„Sicherlich steckt dahinter auch ein Generationenproblem“, gibt er zu. Dazu komme aber auch noch der Faktor Zeit. Viele Vereine hätten ohnehin Probleme, ehrenamtliche Helfer zu akquirieren. „Jemanden für Facebook finden wir gar nicht so einfach“, sagt Dickmeis. Ganz ohne Austausch im Netz geht es bei der Germania Dürwiß allerdings auch nicht: Die Mitglieder des Vereins haben sich zum Austauschen von Terminen, oder um Spiele zu besprechen in geschlossenen Gruppen im sozialen Netzwerk organisiert. Dort darf nur der Kommentare schreiben, der auch in die entsprechende Gruppe eingeladen ist.

Das sieht Jochen Außenhofer, Vorsitzender der KG Lätitia Blaue Funken Eschweiler-Weisweiler, ganz anders: „Gefahrenpotenzial hat Facebook nur, wenn man sich nicht an die Regeln hält.“ In der heutigen Zeit halte er es für wichtig, soziale Netzwerke zu benutzen, um als Verein auf Veranstaltungen aufmerksam zu machen oder über das Vereinsleben zu informieren. „Man muss sich natürlich vernünftig präsentieren und positionieren“, sagt Außenhofer.

Die Facebook-Seite der Blauen Funken wird überwacht, damit keine unangemessenen, fremdenfeindlichen Kommentare oder Schimpfwörter auf die Seite gelangen. Trotzdem sieht er Facebook nur als eine Ergänzung zur sonstigen Vereinsarbeit. „Es gehört eben zur heutigen Zeit dazu“, findet der Vorsitzende. „Entscheidend ist, dass es schnell und aktuell ist.“ Viele Vereine hätten damit allerdings Schwierigkeiten, weiß Außenhofer. „Ist man nicht schnell genug, wird so eine Seite ganz schnell uninteressant.“

Den Nutzen von Facebook sieht vor allem die jüngere Generation. Das wissen auch Jusos und die Mitglieder der Jungen Union in Eschweiler, die beide fleißig ihren Auftritt im sozialen Netzwerk pflegen. „Gerade für junge Menschen ist es normal, das Internet täglich zu nutzen“, weiß Nina Weishaupt von der Jungen Union Eschweiler. Facebook ermögliche gerade Parteien und öffentlichen Stellen, mit Jugendlichen zu diskutieren – sei also eine gute Möglichkeit, Parteiarbeit auf der Straße gut zu ergänzen, findet Weishaupt.

Vor Shitstorms habe sie keine Angst: „Ich habe da bisher keine negativen Erfahrungen gemacht. Sie Diskussionen sind eher konstruktiv.“ So würden auf der JU-Seite auch Jusos fleißig zu Themen mitdiskutieren und junge Menschen, die in keiner Partei sind, sich aber für ein Thema begeistern. Im Internet kämen eben alle zusammen. „Und genau das ist doch der Sinn von Facebook“, sagt Nina Weishaupt.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert