Eschweiler - Extrawünsche? Dafür reicht das Geld vieler Senioren nicht

Extrawünsche? Dafür reicht das Geld vieler Senioren nicht

Von: Irmgard Röhseler
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Mit 105,57 Euro im Monat müssen die meisten Senioren im Heim auskommen. Extrawünsche sind oft unbezahlbar.
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Am Dienstag ist Auftakt unser Weihnachtsaktion Wunschzettel. Unser Partner ist das Senioren- und Betreuungszentrum. Foto: I. Röhseler

Eschweiler. Die Entscheidung, Mutter oder Vater in einem Seniorenheim bzw. Pflegeheim unterzubringen, fällt vielen Menschen schwer. Sie sind geplagt von Schuldgefühlen und einem schlechten Gewissen. Vor allen Dingen dann, wenn man sich mit einer Heimunterbringung noch gar nicht auseinandergesetzt hat.

Aber so geschieht es oft: Von einem Tag zum anderen ist nichts mehr, wie es einmal war, wenn die Eltern eine akute Erkrankung wie einen Schlaganfall erleiden oder ein Sturz sie ans Bett fesselt.

Das Senioren- und Betreuungszentrum der Städteregion Aachen (SBZ) an der Johanna-Neuman-Straße 4 bietet rund 240 älteren Menschen Raum für einen wohl umsorgten Lebensabend.

Pflege hat ihren Preis

Das SBZ ist in diesem Jahr wieder Partner unserer Weihnachtsaktion Wunschzettel, mit der wir am Dienstag beginnen möchten und den Senioren zum bevorstehenden Weihnachtsfest ein wenig Licht in den oft grauen und einsamen Alltag bringen möchten. Wir wollen helfen, ihnen Herzenswünsche zu erfüllen.

Auch wenn viele Senioren von ihren Familien auch weiterhin liebevoll umsorgt werden, so gibt es doch auch viele Menschen, die niemanden mehr haben oder selten Besuch erhalten. Hinzu kommt, dass eine Heimunterbringung nicht unerhebliche Kosten mit sich bringt. Da fehlt oft nicht nur die menschliche Nähe, sondern auch das nötige Kleingeld, um sich mal etwas Besonderes zu leisten.

Die Kosten für eine Unterbringung in einem Seniorenheim werden entsprechend der Pflegesätze berechnet. Wer mit der Pflegestufe 0 in ein Heim zieht, muss alle Kosten selbst tragen.

Für die Pflegestufe 1 muss man im modernisierten Pflegebereich des SBZ für ein Einbettzimmer mit Dusche monatlich 2995,45 Euro berappen (im Zweibettzimmer 2925,49 Euro), davon übernimmt die Pflegeversicherung 1023 Euro, es bleibt ein Eigenanteil von 1902,49.

In der Pflegestufe 2 belaufen sich die Kosten für ein Einbettzimmer auf 3625,75 Euro, davon übernimmt die Pflegeversicherung 1279 Euro. In der Pflegestufe 3 fallen für ein Einbettzimmer 4279,18 Euro an. Abzüglich 1550 Euro von der Pflegeversicherung müssen hier 2729,18 Euro selbst gezahlt werden.

41 Prozent erhalten Sozisalhilfe

Zieht ein Senior in den Wohnbereich des Hauses, zahlt er in der Pflegestufe 0 stolze 2197,23 Euro selbst; in der Pflegestufe 1 muss er nach Abzug der Pflegeversicherung (1023 Euro) noch 1698,98 Euro selbst berappen; in Pflegestufe 2 sind es noch 2073, 28 Euro (insgesamt 3352,28 abzüglich 1279 Euro Pflegeversicherung), und in Stufe 3 fällt ein Eigenanteil von 2455,70 Euro (insgesamt 4005,70 Euro abzüglich 1550 Euro Pflegeversicherung) an.

Fängt die Rente den jeweiligen Selbstkostenanteil nicht auf, müssen auch die Kinder zahlen und es geht an das Ersparte des Senioren – bis 10 000 Euro übrig bleiben.

Reichen die Leistungen der Pflegekasse, das Einkommen und vorhandenes Vermögen und das Pflegewohngeld immer noch nicht zur Bezahlung der monatlichen Gesamtkosten des Heimaufenthalts aus, übernimmt das Sozialamt die verbleibenden ungedeckten Kosten. Das Sozialamt überprüft dann vorab routinemäßig die Einkommens- und Vermögensverhältnisse des Ehepartners des Pflegebedürftigen und die seiner Kinder.

Im Senioren- und Betreuungszentrum erhalten 41 Prozent der Bewohner Sozialhilfe, 14 Prozent sind Pflegewohngeldbezieher und 45 Prozent Selbstzahler.

Von den 240 Bewohnern (198 Frauen und 42 Männer) im SBZ gibt es vier Menschen, die die Pflegestufe 0 haben, 120 sind der Pflegestufe 1 zugeordnet, 99 haben die Pflegestufe 2 und 17 Bewohner die Pflegestufe 3.

Bezieher von Sozialhilfe erhalten Taschengeld (Barbetrag) in Höhe von mindestens 105,57 Euro monatlich. Das ist eine „Hilfe zum Lebensunterhalt“, mit denen sie ihre persönlichen Wünsche finanzieren. Dazu gehören Kosmetikartikel, Friseurbesuche, Fußpflege, aber auch die Instandhaltung von Schuhen und Kleidung. Mit einem monatlichen Taschengeld von 105,57 Euro können so gerade die persönlichen Bedürfnisse abgedeckt werden, aber ein Fläschchen Parfüm oder eine Flasche Wein sind oft nicht mehr drin.

Besonders ältere Menschen, die niemanden mehr haben und ihren Lebensabend in Seniorenheimen verbringen, denken gerade in der Vorweihnachtszeit schweren Herzens an die vertrauten Zeiten im geborgenen Kreis der Familie zurück.

Niemand ist vergessen

Mit unserer Weihnachtsaktion Wunschzettel möchten wir, wie eingangs gesagt, den Bewohnern eine Freude bereiten, ob bedürftig oder nicht. Mit unserer Aktion möchten wir den älteren Menschen zeigen, dass sie nicht vergessen werden.

Die Aktion Wunschzettel trägt aber auch oft dazu bei, dass sich weitere Ehrenamtler melden, die sich in ihrer Freizeit um alleinstehende Senioren kümmern. „Zurzeit haben wir 50 Ehrenamtler, die ein- bis zweimal unsere Einrichtung aufsuchen, um mit unseren Bewohnern zu spielen, spazieren zu gehen oder sich einfach mit ihnen unterhalten. Das Schöne ist, es melden sich immer mehr Menschen, die helfen möchten“, ist Bernhard Müller, Leiter des Senioren- und Betreuungszentrums, hoch erfreut und dankbar.

Denn es ist tatsächlich so, dass rund 30 Senioren, die im SBZ ihren Lebensabend verbringen, kaum oder auch gar nicht von ihren Angehörigen besucht werden.

„Das liegt zum einen an zerrütteten Familienverhältnissen, aber auch daran, dass manche Kinder schlichtweg keine Zeit haben“, weiß SBZ-Pflegedienstleiter Peter Gaida. „Manche besuchen ihre Mutter bzw. ihren Vater nur zu besonderen Ereignissen wie Weihnachten oder am Geburtstag. Es gibt aber auch Angehörige“, so Gaida weiter, die täglich unser Haus besuchen, um etliche Stunden mit ihren Lieben zu verbringen. Aber das sind wirklich die Ausnahmen. Die meisten Angehörigen besuchen ihre Verwandten ein- bis zweimal die Woche.“

Natürlich sind die Mitarbeiter gerade bei den Senioren, die alleine gelassen werden, bemüht, den älteren Menschen das Leben im Heim so angenehm wie möglich zu gestalten. Doch oft fehlt dem Personal die Zeit für ein paar persönliche Worte.

Harter Job fürs Personal

Gerade im Pflegebereich ist der Alltag anstrengend und stressig, und viele arbeiten am Limit. Dabei haben aber doch unsere alten Menschen das Recht auf einen würdevollen Lebensabend, der nicht nur die Abarbeitung von Grundbedürfnissen umfasst (waschen, essen, ins Bett bringen).

Darum freuen wir uns auch immer darüber, wenn Leser im Rahmen unserer Weihnachtsaktion so etwas wie eine Patenschaft für einen einsamen Menschen übernehmen und ihn ab und zu besuchen, mit ihm plaudern und spazieren gehen.

Bewegung im Grünen

Neben der vollstationären Pflege bietet das Senioren- und Betreuungszentrum auch eine Tagespflege und einen ambulanten Pflegedienst an.

Zudem gibt es den Service des Mobilen Mittagstisches und seit 2011 auch eine Einrichtung zum Betreuten Wohnen. Dank des guten Pflegekonzepts, bei dem immer die ganzheitliche Pflege und Betreuung im Mittelpunkt stand und steht, erfreut sich die Einrichtung einer stetigen Belegungsnachfrage und wurde mehrfach erweitert. Das Leben im Senioren- und Betreuungszentrum ist ein tätiges Miteinander. Großzügige Außenanlagen mit viel Grün, einem eigenen Park und einem Minigolfplatz samt Mehrgenerationenspielplatz ermöglichen weitläufige Bewegung bei jedem Wetter.

Kein Wunder, dass es die Indestädter in diese Einrichtung zieht. Immerhin sind über 70 Prozent der Bewohner Eschweiler, sie alle möchten ihren Lebensabend in ihrer Heimatstadt verbringen.

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