Experten sprechen im Kulturzentrum über Tod und Sterben

Von: Andreas Röchter
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Boten umfassende Informationen zum Thema „Sterben in Würde“: die Teilnehmer der Informationsveranstaltung des Ethikkomitees des St.-Antonius-Hospitals. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Der Tod steht am Ende jedes Lebens. Doch auch und gerade in der letzten Lebensphase eines Menschen sollte dessen Würde eine hohe Priorität genießen. Der rasante Fortschritt der Medizin birgt zwar zahlreiche Möglichkeiten, das Leben zu verlängern, doch die Sinnhaftigkeit medizinischen Handelns darf dabei niemals aus den Augen verloren gehen.

Auf der anderen Seite steht die gesellschaftliche Diskussion über die aktive Sterbehilfe. Im Rahmen der „Woche für das Leben“ luden die Verantwortlichen des Ethikkomitees des St.-Antonius-Hospitals nun unter der Überschrift „Sterben in Würde“ zu einer breit angelegten Informationsveranstaltung in den Talbahnhof ein.

In Vorträgen schilderten zahlreiche Referenten ihre Sicht aus christlicher, medizinischer und pflegerischer Sicht. Darüber hinaus kamen Vertreter des Palliativnetzwerks Stolberg-Eschweiler, palliativer Pflegedienste sowie von Hospizen und ambulanter Hospizdienste zu Wort. Abschließend zeigten zehn Teilnehmer einer Podiumsdiskussion unter der Moderation von Dr. Eberhard Schneider auf, welche Hilfen es für sterbenskranke Menschen und deren Angehörige im Krankenhaus, Zuhause oder im Hospiz gibt.

Mit einem Impulsreferat eröffnete Pfarrer Christoph Graaff, auf dessen Initiative die Informationsveranstaltung stattfand, den Abend, in dem er seinen zahlreichen Zuhörern das christliche Menschenbild zum Thema „Sterben in Würde“ erläuterte: „Würde hat jeder Mensch, einfach weil er lebt, also aufgrund seines Menschseins!“ Nach christlicher Auffassung habe der Mensch das Leben von Gott empfangen. Deswegen dürfe er weder am Anfang noch am Ende über das Leben verfügen.

„Was aber würde passieren, wenn der Staat eine direkte oder aktive Sterbehilfe oder den assistierten Suizid oder die Beihilfe zur Selbsttötung erlauben würde?“, stellte Christoph Graaff eine Frage in den Raum, um diese aus seiner Sicht selbst zu beantworten: „Das wäre der Ausverkauf aller Mitmenschlichkeit und Würde!“

Privatdozent und Palliativmediziner Dr. Peter Staib, Chefarzt der Klinik für Hämatologie und Onkologie und Leiter des Euregio-Krebszentrums Eschweiler, stellte der kurativen Therapie mit dem Ziel der Heilung die palliative Therapieform, bei der die Symptomkontrolle zur Linderung und Steigerung der Lebensqualität des sterbenskranken Patienten im Vordergrund steht, entgegen und zitierte Cicely Saunders, Begründerin der Palliativmedizin. „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage, sondern dem Tage mehr Leben zu geben.“ Die Schmerztherapie, aber auch die psychosoziale Betreuung des Patienten seien wichtige Bausteine der umfassenden Fürsorge für einen Menschen in seiner letzten Lebensphase.

Maria Stolz, Krankenschwester in der Onkologie des St.-Antonius-Hospitals, machte deutlich, dass die bestmögliche Betreuung von schwerstkranken Patienten nur im Team möglich sei. „Dabei geht es nicht nur um Sterbe-, sondern genauso um Lebensbegleitung!“ Wichtig sei vor allem die Ehrlichkeit gegenüber dem Patienten und dessen Angehörigen sowie das Eingehen auf individuelle Wünsche.

Den Themenblock „Sterbenskrank im Krankenhaus“ beschloss Professor Dr. Uwe Janssens, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, der die „Therapiezieländerung in der Intensivmedizin“ beleuchtete: „Die Sterblichkeitsrate auf einer Intensivstation liegt zwischen 12 und 14 Prozent. Todesfälle sind also häufig und kommen nicht unerwartet.“ Die Kernaufgabe bestehe natürlich darin zu heilen, doch müssten die Bedürfnisse des Patienten immer im Vordergrund stehen. „Das zentrale Wort lautet: Würde!“ Dies bedeute auch, vermeidbares Leid zu vermeiden, wobei Leid nicht grundsätzlich zu verhindern sei. „Es müssen auch auf Intensivstationen Rückzugsräume geschaffen werden. Es ist ein Skandal, wenn auf dem Flur über Leben und Tod gesprochen werden muss!“

Aus der Sicht des Hausarztes eröffnete Allgemeinmediziner Dr. Paul-Hubert Wilhelms den Themenbereich „Sterbenskrank Zuhause“. Die Beziehung des Hausarztes zum Patienten umfasse eine intensive emotionale Anteilnahme. „Deshalb muss die Frage auch lauten, was der Prozess des Sterbens eines Patienten für den Hausarzt bedeute?“ Habe der Tod vor 100 Jahren noch einen festen Platz im Leben der Menschen gehabt, sei die Auseinandersetzung mit ihm inzwischen aus der gesellschaftlichen Mitte verschwunden.

Björn Guske vom Servicezentrum Häusliche Pflege Eschweiler sprach aus der Sicht des Pflegedienstes. Das seit 2007 bestehende Palliativnetzwerk Stolberg-Eschweiler stellten Dr. Elisabeth Ebner und Gabriele Schippers sowie Georg Pähler, Geschäftsführer des Cura-Pflegedienstes Eschweiler, und Manuela Rheinberg, Geschäftsführerin des DiAs-Pflegedienstes Stolberg, vor.

Vor der abschließenden Podiumsdiskussion lieferte mit der Diplom-Sozialpädagogin Inge Nadenau die Pflegedirektorin des Hospizes „Haus Hörn“, das 1986 eröffnet wurde, Einblicke in die älteste Einrichtung ihrer Art in Deutschland.

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