Ex-Tatort-Kommissar gastiert im Talbahnhof

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Bayerische Lieder ohne krachlederne Folkloristik: Michael Fitz beeindruckte seine Zuhörer im Talbahnhof. Foto: Christoph Hahn

Eschweiler. Ein bekanntes Fernsehgesicht – das verführt dazu, seinen Eigentümer mit allerlei Klischees zu überhäufen. Bei Michael Fitz fällt das zumindest nicht schwer. Der Spross einer bayerischen Schauspieler-Dynastie schob immerhin von 1992 bis 2007 als Münchener „Tatort“-Kommissar Dienst – Zeit genug, um im Gedächtnis der Fernsehnation haften zu bleiben.

Auch heute noch zeigt der 58-Jährige ausreichend auf dem Bildschirm Präsenz. Aber er ist seit 1984 darüber hinaus als Sänger und Gitarrist ziemlich erfolgreich. Und das, obwohl seine Lieder so gut wie ausschließlich im alpenländischen Dialekt geschrieben sind. Mit diesen Songs und noch viel mehr im Gepäck hat der Star am Freitagabend im Kulturzentrum Talbahnhof gastiert. Titel seines Programms: „Liedermaching“.

Der Begriff, geprägt von Fitz‘ Singer-Songwriter-Kollegen Götz Widmann, bezeichnet einen neuen Trend in der Liedermacher-Szene. Doch was Fitz mit Hilfe seiner vier, fünf Instrumente und – hinter den Kulissen – seines Sohnes (und Kollegen) Emanuel auf die Bühne bringt, wirkt von der Form her nicht gerade revolutionär: Fitz singt seine Lieder, und zwischen ihnen plaudert er.

Für den schnellen Konsum ist das auf jeden Fall nichts, denn die Zuhörer müssen sich ja, sobald es melodisch wird, auf die fremde Mundart einlassen. Dabei erweist sich der Gast als jemand, der sein Publikum zu dem verführen kann, was heute mit zum Schwersten zählt: Die Leute lassen sich aufs knallhart durchgezogene Bayerisch ein und lassen ihn nicht mehr los, zumal sich Fitz in der Pause auf den Rand des Podiums setzt, „Tonträger“ verkauft und signiert, sich mithin als Star zum (beinahe) Anfassen präsentiert.

Dass das Verstehen des im Rheinland eher exotisch wirkenden Zungenschlags so gut funktioniert, liegt an den Geschichten, die beim ersten Hinhören wie Moderationen und Konferencen wirken und doch mehr, viel mehr sind – Akte der kunstvollen Verführungen, die die Menschen vor dem Künstler in das Gefühls- und Gedankengeflecht der Lieder hineinziehen und nicht mehr hinaus lassen. „Da Bsuach“ („Der Besuch“) etwa entfaltet, wie Michael Fitz es ausdrückt, „persönliche Willkommenskultur“. Quintessenz: Komm, wie Du bist.

Gefühlsselig oder bleiern, gedankenschwer wird es im Verlauf der rund zwei Stunden Show übrigens nie. Vielmehr erweist sich Fitz als Meister darin, die große Welt in der kleinen zu spiegeln. Belehren will er nie, etwas sagen aber immer. Und während er hochvirtuos Gitarre spielt, entwickelt er vor poetisch-persönlichem Hintergrund seine Gedanken.

In „Hinter dem Zaun“ geht es zum Beispiel um den Mangel an Mut, im Leben auch mal etwas zu riskieren, in „Eng“ um das Bedrohliche im Hier und Heute – Extremismus und Hass klingen hier überraschend subtil an. Lieder zum Nachdenken und Glücklichsein – das muss ein Anderer erst mal bringen!

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