Eschweiler - Ex-Mitarbeiter von Steil landen Teilerfolg vor Gericht

Ex-Mitarbeiter von Steil landen Teilerfolg vor Gericht

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
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Die Schließung haben sie nicht verhindert, aber zumindest eine Abfindung vor Gericht erstritten: die ehemaligen Mitarbeiter der Firma Steil in Aue, hier beim Warnstreik im März. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Der Kampf um den Erhalt der Theo-Steil-Niederlassung in Aue wurde zwar nicht gewonnen, aber letztlich landeten die ehemaligen Mitarbeiter dort einen Teilerfolg: „Alle vom Deutschen Gewerkschaftsbund im Auftrag der IG Metall geführten Arbeitsgerichtsverfahren sind beendet, die Kollegen, die über die IG Metall geklagt haben, bekommen eine Abfindung in vernünftiger Höhe“, teilt Gewerkschaftssekretär Ralf Radmacher von der IG Metall Stolberg-Eschweiler mit.

Für ihn ist das Ergebnis des Arbeitskampfes an der Niederlassung der Theo Steil GmbH auch ein Hinweis an andere Betriebe: „Mit einem Betriebsrat wären viele Möglichkeiten mehr da gewesen“, ist sich Radmacher sicher. Diesen Hinweis richtet er an alle Beschäftigten in anderen Firmen, die noch keinen Betriebsrat haben. Letztlich war die IG Metall von der Steil-Belegschaft eingebunden worden, als die Kündigungen bereits ausgesprochen waren. Ein Interessenausgleich sei dadurch erschwert worden.

Am 28. Januar dieses Jahres teilte das in Trier beheimatete Unternehmen seinen Mitarbeitern in Eschweiler mit, dass der Standort in Eschweiler geschlossen werden soll. So erhielten alle Beschäftigten eine Änderungskündigung mit der Option, zukünftig in Trier zu arbeiten. Als Alternative blieb nur der Verlust der Arbeitsplatzes. Die Strecke nach Trier beträgt über 160 Kilometer.

Viele Beschäftigte sprachen darum von einem Scheinangebot der Unternehmensleitung, zumal sich eine Steil-Niederlassung ins deutlich nähere Köln befindet. Die in Aue tätigen Mitarbeiter schalteten daraufhin die IG Metall ein, die Anfang März zu einem Warnstreik vor dem Werkstor in Eschweiler aufrief. „Der Arbeitgeber war zu keinen Gesprächen bereit“, berichtet Radmacher. Auch Schreiben der Mitarbeiter blieben unbeantwortet.

Die Unternehmensleitung reagierte postwendend und stellte per Schreiben vom 7. März die Arbeitnehmer von der Arbeit frei – unter Weiterzahlung der Bezüge bis zum Ende der Kündigungsfrist. Einen Tag später wurde das Werk geschlossen, ein Sicherheitsdienst patrouillierte an dem Gelände. Die Mitarbeiter und die Gewerkschaft beklagten sich weiter darüber, dass sonst aus Trier Funkstille herrsche.

Dies führte schließlich zu einer Protestaktion, die es in dieser Form in Eschweiler lange nicht gegeben hat: Am 18. März machte sich ein Tross mit etwa 20 der insgesamt 35 Beschäftigten aus Eschweiler auf nach Trier zum Hauptsitz der Theo Steil GmbH, um dort vor dem Firmensitz zu demonstrieren.

Zu den Teilnehmern zählen auch Eschweilers Bürgermeister Rudi Bertram und der Landtagsabgeordnete Stefan Kämmerling. In Trier kommt es dann zu einem Treffen mit der Geschäftsleitung. „Sie hat klargestellt, dass es Abfindungen nicht geben wird“, berichtet Radmacher. Dies sahen die Arbeitsgerichte inzwischen anders.

Zwar konnte die Schließung in Eschweiler nicht verhindert werden, aber das Fazit des IG-Metall-Gewerkschaftssekretärs fällt nicht nur negativ aus. „Es ist nicht selbstverständlich, dass sich ein Bürgermeister und ein Landtagsabgeordneter ihren freien Samstag opfern, um mit 20 Beschäftigten nach Trier zu fahren.

Es ging ja hier nicht um einen Großbetrieb.“ Noch wichtiger für ihn ist jedoch ein anderes Resümee: Bisher haben mindestens 20 von 35 ehemaligen Steil-Mitarebeitern einen neuen Arbeitsplatz bekommen.

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