Ex-Kneipier streitet vehement schwere Brandstiftung ab

Von: Wolfgang Schumacher
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Eschweiler/Aachen. Schon etwas länger her: In der Nacht des 22. Juni 2006 rückte die Feuerwehr gegen 4.30 Uhr in der Stadtmitte an, der Komplex „Bauer am Markt” brannte.

Das Feuer war dort in einem erst im Mai neu eröffneten Bistro ausgebrochen, vier Mieterinnen mussten vor dem Rauch ins Freie flüchten, die Gaststätte und auch umliegende Geschäfte wurden stark in Mitleidenschaft gezogen.

Seit Dienstag nun steht der damalige Betreiber der Gaststätte, ein junger Mann (27), vor der 8. Großen Strafkammer des Aachener Landgerichts. Die Kammer unter Vorsitz von Richter Hans Günter Görgen verhandelt wegen besonders schwerer Brandstiftung und schweren versuchten Versicherungsbetrugs. Dem ehemaligen Betreiber Arik A. wirft die Staatsanwaltschaft vor, in dieser Nacht zwei Fünf-Liter-Kanister Benzin in der Lokalität ausgeschüttet und die Räume in Brand gesetzt zu haben. Später dann habe er versucht, die Versicherung um 155.000 Euro zu prellen.

Die Anklage, die am Dienstag verlesen wurde, ist in ihrer Formulierungen ungewöhnlich ungenau. So soll der damals erst 22-Jährige, der heute in Dortmund an der Fachhochschule für Kfz-Technik studiert, „mit unbekannten Mittätern” das Feuer gelegt haben. Alternativ lässt die Anklageschrift offen, ob jene „unbekannten Mittäter” das Feuer auch alleine gelegt haben könnten. Dann wäre der Angeklagte der Auftraggeber für die Brandstiftung im eigenen Lokal.

Damals, so versuchte er dem Gericht zu erklären, habe die ganze Familie mitgeholfen, das sei von den Schwestern über die Mutter bis hin zum Stiefvater gegangen, so, wie es in der Türkei eben üblich sei. Der Angeklagte hat einen deutschen Pass, ist aber türkischer Abstammung. Der Stiefvater habe handwerklich nicht viel machen können, da er herzkrank sei. Doch er beschaffte von einem Onkel Geld für den notwendigen Umbau des in vielen Bereichen ziemlich heruntergekommenen Bistros, wie der Angeklagte sich erinnerte. „Die Theke war verfault. Als wir sie sanieren wollten, ging sie ganz kaputt.” Dann bestellte man über die Kontakte des Vaters bei einem Berliner Handwerker eine neue, die anderen Umbauten habe ein befreundeter Handwerker aus Antwerpen gemacht.

Das Problem: Die später bei der Versicherung eingereichten Rechnungen stimmten nicht mit den Ursprungsrechnungen überein, man vermutete bei einer Schadenssumme von 155.000 Euro einen Versicherungsbetrug. Die Staatsanwaltschaft unterstellt dem Angeklagten, er habe überhaupt keine neue Einrichtung bestellt, sondern nach dem Brand nur das Geld der Versicherung kassieren wollen.

Das weist der junge Mann weit von sich. Die ganze Familie habe das Projekt stemmen wollen, er habe nur offiziell seinen Namen gegeben und nicht immer alles gewusst, was der Vater so bestellt und getan habe. Dazu kam, dass der Vermieter sie über das Ausmaß der Schäden im Unklaren gelassen habe und sogar Miete forderte, als das Objekt noch nicht fertig war und keine Umsätze erzielt wurden. Der Prozess geht am 10. November weiter.
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