Eschweiler - Eva Eiselt beim Kabarettabend im Talbahnhof

Eva Eiselt beim Kabarettabend im Talbahnhof

Von: vr
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Eine technische Weltneuheit wurde von Kabarettistin Eva Eiselt im Talbahnhof auch noch vorgestellt: das „Real Book“ mit echten Seiten und „analogem Touchscreen“. Foto: Volker Rüttgers

Eschweiler. Was tun, wenn der Protagonist des Abends stockbesoffen in der Garderobe liegt? Da bleibt wohl nur die Improvisation. Eva Eiselt weilte nicht wirklich den gesamten Freitagabend im Delirium, doch ihre Rolle als emotional instabile Kabarettistin war Gesprächsthema Nr. 1 auf der Bühne, die von den skurilsten Charakteren eingenommen wurde, um Gesellschaft, Politik und Kunst den Spiegel vorzuhalten, in High Definition mit allen Falten und Pickeln.

Sie konnte einem fast Leid tun, die Sigrid. Die etwas überfordert wirkende Assistentin versuchte den Abend zu überbrücken und schwäbelte sich um Kopf und Kragen. Nachdem die „rheinische Frohnatur“ vom Ordnungsamt im breitesten Kölsch die Kleinkunstbühne am Freitagabend auf Feuchtigkeit, Deckenhöhe, IQ des Publikums und Bühnenabstand geprüft hatte, konnte das Kabarettprogramm mit Eva Eiselt auch schon los gehen.

Die geborene Euskirchenerin ist der Beweis, dass Kabarett und Situationskomik funktionieren. In der einen Szene noch die toughe, „Bullshit-Bingo“ spielende Top-Verkäuferin mit ihrem „Realbook“, mit echten Seiten, die ganz einfach analog upzuloaden sind, ist sie in der anderen Szene auf der Suche nach „Mr. Right“ im Saalpublikum.

Eiselt spielt ihre Rollen mit vollem Körpereinsatz und schont weder sich noch die parodierten Mitmenschen. Sie lässt dabei ihr Publikum nie außen vor, nimmt Kontakt auf oder baut dieses beispielsweise als Bild einer Kunstausstellung mit dem Titel „Kabarettpublikum 2015“ direkt in eine Nummer mit ein.

Dabei muss der Zuschauer schon aufpassen, dass ihm vor lauter Amusement über die natürlich gnadenlos überzeichnete, aber dennoch treffende Darstellung der Charaktere nicht der Wortsinn verloren geht, schließlich seziert die so charmant lächelnde Dame dort auf der Bühne mit messerscharfem Zungenschlag unsere tägliche Umwelt.

„Der Nächste bitte!“, heißt es da an der Zeittheke, wo ein bisschen rohe Freizeit zum Genießen leider „aus“ ist, dafür aber noch jede Menge Arbeitszeit zu haben ist und mehr als genug Endzeit einfach so herumliegt.

Vom „Warmbadetag, das sind 30 Rentner mit bunten Schwimmnudeln im Schwimmbad, da sieht der Tod lebendig aus!“ bis zum „Klapp-Schlepp“, den die Tochter dem nichts von seiner Inkompetenz ahnenden Papa geschenkt hat, wegen der „I-Meils“ und der besseren Kommunikation, zündete Eva Eiselt eine Lachrakete nach der anderen.

Und selbstverständlich durfte auch unsere „Mutti Angie“ nicht fehlen, die zum „Tag der offenen Kanzlerin“ mit M&Ms, von denen die schwarzen schon braun werden, lockte und jede Menge Stellung bezog, worauf ihre Psychologin im Übrigen neuerdings ganz schön stolz sei.

Bleibt zum Schluss nur noch Schopenhauer: „Je größer der Dachschaden, umso schöner ist die Aussicht zum Himmel.“. Die emotional instabile Kabarettisten sollte sich nach erfolgreichem Magenauspumpen in der Garderobe ihrer Philosophie-Depression weiter hingeben, natürlich nur in der Rolle, in der Vorstellung. Aber was ist schon real? Und apropos „real“, wieso muss man im „Netto“ eigentlich immer Brutto zahlen?

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