Europameisterin geht in Lohn auf Torejagd

Von: Tobias Röber
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Susanne Kasperczyk (links im Trikot von Bayer Leverkusen) hat ihre Klasse in vielen Bundesligaspielen bewiesen. Jetzt kickt sie für Alemannia Aachen. Foto: imago/Jereczek

Eschweiler. Ein Stück weit wird es für Susanne Kasperczyk am Samstag wieder eine Reise in die Vergangenheit. Bei der Eröffnung des Blau-steinseecups (Samstag um 18 Uhr) steht die 28-Jährige auf dem Platz des FC Rhenania Lohn und zwar im Trikot des frischgebackenen Zweitligisten Alemannia Aachen, der auf den Bundesligisten und DFB-Pokal-Finalisten SGS Essen trifft.

Von 2007 bis 2009 schnürte Susanne Kasperczyk, die in Eschweiler geboren wurde, selbst die Schuhe für das Team aus dem Ruhrgebiet. 170 Spiele hat sie in der 1. und 2. Fußball-Bundesliga für vier Vereine absolviert und dabei als linke Verteidigerin 23 Tore erzielt. Für die Aachener Alemannia Aachen, mit der Susanne Kasperczyk aufgestiegen ist, werden wohl noch einige dazukommen.

41 Länderspiele

Nicht zu vergessen einige Auftritte im DFB-Pokal und die 41 Länderspiele für die U 17, die U 19 und die U 21 der deutschen Nationalmannschaft. Spiele in der A-Nationalmannschaft blieben ihr verwehrt. Verletzungen machten ihr einen Strich durch die Rechnung.

Aber der Reihe nach. Am 1. August 1985 erblickte Susanne Kas-perczyk das Licht der Welt in Eschweiler. Sie wuchs in Alsdorf auf, mit der Indestadt hatte sie immer wieder Berührungspunkte. Susanne Kasperczyk wurde fußballerisch auf Bolzplätzen groß. Vor allem kickte sie immer nur mit Jungen, was ihr, wie sie selbst betont, für ihre Karriere sehr zugutegekommen ist.

1992 trat sie gemeinsam mit ihrem ein Jahr älteren Bruder Maik, der unter anderem in Wenau und bei Germania Dürwiß kickte, bei Rhenania Lohn als Trainer war und jetzt zu den Sportfreunden Hehlrath gewechselt ist, Viktoria Alsdorf bei, bis zur C-Jugend durfte sie – wie das früher üblich war – mit Sondergenehmigung bei den Jungs mitspielen. Auch das sieht sie rückblickend positiv. 1999 stand der erste Wechsel an: Es ging zum FC Teutonia Weiden. Irgendwie hat sich auch damit jetzt wieder ein Kreis geschlossen. Als der DFB damals alle Profivereine aufforderte, Frauenmannschaften zu stellen, „schnappte“ sich die Alemannia eben Teutonia Weiden.

Das Talent von Susanne Kasperczyk war schnell entdeckt und es dauerte nicht lange, bis Angebote ins Haus flatterten. „Duisburg wollte mich“, sagt sie. Martina Voss spielte damals dort. Neben Thomas Icke Häßler und neuerdings Bastian Schweinsteiger nennt sie eben jene 125-malige Nationalspielerin als Vorbild. Den Schritt traute sich die gebürtige Eschweilerin noch nicht zu. Gleichzeitig streifte sie erstmals das DFB-Trikot über. 2002 wurde sie U-19-Europameisterin und bei der Weltmeisterschaft im selben Jahr Dritte. Zwei Jahre später wurde sie erneut mit der U 19 Vizeeuropameisterin.

„Respekt ohne Ende“

Die vielen Reisen brachten aber auch Probleme mit sich. So wollte die Höhere Handelsschule in Herzogenrath da nicht mitmachen. Susanne Kasperczyk verließ die Schule und wechselte auf das Berufskolleg Eschweiler. Dort hatte man Verständnis für ihre Fußballkarriere. Mit einem Lächeln dankt sie vor allem Josef Stiel und Raphael Lamm noch heute für die Unterstützung.

Im Jahr 2003 folgte der Wechsel in die Fußball-Bundesliga. An das erste Training erinnert sich Susanne Kasperczyk noch gut. Beim FFC Brauweiler Pulheim kickten damals unter anderem Bettina Wiegmann und Silke Rottenberg. „Da hatte ich natürlich Respekt ohne Ende.“ Am 16. November 2003 gab Kasperczyk ihr Bundesliga-Debüt im Spiel gegen FSV Frankfurt. Am 31. Mai 2004 erzielte sie bei der 5:6-Niederlage gegen FFC Heike Rheine ihren ersten Bundesligatreffer.

Es folgten Stationen beim kommenden Gegner SG Essen Schönebeck (heute SGS Essen), dem 1. FC Köln (von dem Susanne Kasperczyk Fan ist) und Bayer Leverkusen. In Leverkusen sei man sich schon ein wenig wie ein Fußballprofi vorgekommen. Die Frauen brauchten nur die Kulturtasche mitnehmen und hatten einen großen Bus mit Liegesitzen zur Verfügung.

Frauen verdienen im Vergleich zu ihren männlichen Pendants nur sehr wenig Geld mit Fußball, tägliches Training muss dennoch sein. Susanne Kasperczyk erinnert sich noch etwa an die drei Jahre in Essen. Sie absolvierte ihre Ausbildung (gelernte Arzthelferin) in Aachen und arbeitete später unter anderem bei Koczyba in Eschweiler. Jeden Tag nach Dienstschluss ging es sofort ins Ruhrgebiet. „Man muss schon fußballverrückt sein, um das zu machen“, sagt die 28-Jährige. Die finanziellen Unterschiede bei Männern und Frauen zeigen sich in einem Beispiel. Die Alemannia muss in der ersten Runde des DFB-Pokals beim Hegauer FV antreten. Die weite Busreise plus Übernachtung im Süden Baden-Württembergs wirbelt das Budget ordentlich durcheinander.

Der Sport hinterließ Spuren an Susanne Kasperczyks Körper. Knie und Füße machten Probleme, weitere kamen hinzu. Deswegen kam es wohl nie dazu, dass Susanne Kasperczyk für die A-Nationalmannschaft auflief und aus diesem Grund wurde auch ihr Vertrag in Leverkusen im Jahr 2013 aufgelöst.

Susanne Kasperczyk sagt, dass sie „etwas kürzertreten“ wollte. Alemannia Aachen in der Regionalliga West schien da die perfekte Lösung. War es auch, wobei sich das mit dem „kürzertreten“ schon fast wieder erledigt hat. Seit Susanne Kasperczyk bei der Alemannia ist, hat die Mannschaft so ziemlich alles gewonnen. Im Winter schoss Kasperczyk selbst die Aachenerinnen zum Sieg beim FVM-Hallenpokal, der FVM-Pokal wurde gewonnen und dann kam noch der Aufstieg hinzu. Die Alemannia wurde Meister in der Regionalliga. Beruflich veränderte sich Susanne Kasperczyk auch. Inzwischen arbeitet sie beim Bauunternehmer Kutsch im Büro.

Und nun? „Man wird ja träumen dürfen. Mit der Alemannia in die 1. Liga aufzusteigen, wäre schon ein Traum“, sagt sie und grinst. Erstmal soll aber der Klassenerhalt her und dabei will Susanne Kasperczyk der jungen Mannschaft mit ihrer Erfahrung helfen. Große Unterstützung gibt es in Aachen. So reist die Fangruppe „Frauenpower“ ständig mit der Mannschaft. „Das ist fantastisch. Ein großer Dank an alle Unterstützer“, sagt Susanne Kasperczyk und nennt explizit Christina Nolle, die es möglich gemacht habe, dass Aachen in der 2. Liga spielen könne. Im Dezember macht sie ihre A-Lizenz und will als Trainerin arbeiten. Das Ziel lautet – beinahe selbstverständlich – die Bundesliga.

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