Europaforum: Für die Chance auf ein menschenwürdiges Leben

Von: ran
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Erschreckende Zahl: Weltweit sind mehr als 50 Millionen Menschen auf der Flucht. Tendenz steigend. Foto: Stock/Haytham Pictures
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Brachte seinen Zuhörern die Situation der Flüchtlinge in der Region näher: Polizeihauptkommissar Knut Paul. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Die Zahl ist schockierend: Mehr als 50 Millionen Menschen sind derzeit weltweit auf der Flucht vor Krieg, Terror, Verfolgung oder bitterster Armut. Entgegen manch landläufiger Meinung will aber nicht jeder dieser Flüchtlinge nach Deutschland.

„Lediglich 0,37 Prozent geben als Ziel die Bundesrepublik an“, machte Polizeihauptkommissar Knut Paul, Pressesprecher der Bundespolizeiinspektion Aachen, während des Donnerberger Gesprächskreises, der diesmal im Rahmen des Europaforums in Zusammenarbeit zwischen der Bundeswehr und des Europavereins „Gesellschaftspolitische Bildungsgemeinschaft“ (GPB) in der Donnerberg-Kaserne stattfand, deutlich.

Was wiederum nicht heiße, dass nicht auch auf Deutschland und die Region Aachen große Herausforderungen warteten, wie Oberstleutnant Frank Klaumann als Gastgeber des Gesprächskreises mit Zahlen belegte. „Wurden im Jahr 2005 in Deutschland 43.000 Asylanträge registriert, stieg die Zahl im Jahr 2014 auf 202.000. Und bis April 2015 kamen weitere 114.000 Anträge hinzu.“

Mit der Politik hart ins Gericht ging der GPB-Vorsitzende Peter Schöner: „Die durchaus berechtigte Forderung zahlreicher Politiker lautet, die Fluchtursachen in den Heimatländern zu bekämpfen. Sind aber die Politiker, die dies fordern, nicht die gleichen, die eben diese Fluchtgründe verursachen?“, so seine Frage.

Knut Paul, der seit 2010 der Bundespolizeiinspektion Aachen angehört, unterstrich gleich zu Beginn seiner Ausführungen, dass den Flüchtlingen im Raum Aachen „am Ende ihrer langen Reise“ eine Willkommenskultur entgegengebracht werde. „Klar ist, dass wir das weltweite Flüchtlingsproblem nicht hier an den Grenzen zu Belgien und den Niederlanden lösen werden können.

Aber es ist unsere Aufgabe, diesen Menschen die Chance zu geben, ein menschenwürdiges Leben zu führen“, so der Polizeihauptkommissar. Mit der Eröffnung der Dienststelle Eschweiler am 1. August kämen auf die Verantwortlichen der Indestadt besondere Aufgaben zu. „Aber Eschweiler und die Region sind vorbereitet“, ist Knut Paul sicher. Dabei baut der gebürtige Sachsen-Anhaltiner auf ein Netzwerk, in dem zahlreiche Institutionen, Organisationen, Gruppierungen und Arbeitsgruppen unter anderem an einem runden Tisch kooperieren.

Generell müsse aber erwähnt werden, dass die Zahl von bislang 220.000 Flüchtlingen, die nach Deutschland gekommen seien, in keinem Verhältnis zu den Flüchtlingszahlen stünden, die beispielsweise ein Land wie Jordanien aufgenommen habe. „Eine Gruppierung wie Pegida stellt diese Zahlen nicht in die korrekte Relation“, kritisierte Knut Paul. Viele der Flüchtlinge, von denen 50 Prozent unter 18 Jahre seien und die einfach nur in Frieden leben wollten, hätten die Hoffnung, eines Tages wieder in die Heimat zurückkehren zu können.

Um einem Sohn oder Bruder, der Anteil der Mädchen unter den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen liegt bei gerade einmal sieben Prozent, die Flucht nach Europa zu ermöglichen, seien Familien bereit, Schleusern bis zu 50.000 Euro zu zahlen. „Jährlich werden weltweit 300 Milliarden Dollar durch Menschenhandel umgesetzt.

Und 30 bis 50 Milliarden Euro verdienen Schleuserbanden durch Schleusungen innerhalb Europas“, nannte der Referent Summen, die Betroffenheit hinterließen. „Diese Zahlen machen deutlich: Die Ärmsten der Armen können gar nicht bei uns ankommen!“ Da die Region Aachen an der Schnittstelle des europaweiten Schienen-, Autobahn- und Fernbusnetzes liege, komme ihr beim Thema „Flüchtlinge“ eine besondere Relevanz zu.

„In 2014 wurden 370 der in ganz Nordrhein-Westfalen gestellten 670 Asylanträge von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Aachen gestellt“, verdeutlichte Knut Paul die Bedeutung der Region. Bei der anschließenden Diskussion herrschte Einigkeit, dass jedes Land der Europäischen Union der Verpflichtung unterliege, Flüchtlinge aufzunehmen und es nicht angehe, Länder wie Griechenland, Malta, Spanien, Portugal und Italien mit dem Flüchtlingsproblem alleine zu lassen.

„Es gibt einen Markt für Schleuser, da es keine legalen Wege nach Europa gibt. In dieser Hinsicht ist die EU gefordert, legale Wege zu schaffen und damit den Schleusern deren Handlungsgrundlage zu nehmen“, betonte Andrea Genten, Leitung der Koordination und Vernetzung von schulischen und außerschulischen Integrationsmaßnahmen der Städteregion Aachen. Weitreichendes und entschlossenes Handeln forderte abschließend Peter Schöner: „Das Problem der Flüchtlingsströme lässt sich nur durch ein wirklich vereinigtes Europa bewältigen, nicht durch einen lockeren Staatenbund!“

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