Europäischer Sozialpreis: Botschafter der Polizei bringt Natur näher

Von: Andreas Röchter
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Aus den Händen von Peter Schöner (links) nahm Hermann Carl (Mitte) den Europäischen Sozialpreis entgegen. Mit ihm freute sich der Landesjagdverbandspräsident Ralph Müller-Schallenberg. Foto: Andreas Röchter
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Vollbesetzter Ratssaal: Zahlreiche Gäste gaben der Verleihung des Europäischen Sozialpreises auch in diesem Jahr einen würdigen Rahmen. Foto: Andreas Röchter
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Sergio Calero Fernandez verzauberte mit spanischen Klängen. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Schon die ersten Takte sprachen Bände: Die Eschweiler Musikschüler Yannik Skups (E-Gitarre) und Viola Korff (Keyboard) stimmten zum Auftakt des Festakts zur Verleihung des Europäischen Sozialpreises 2014 den Song „Mad world“ an. Und verrückt ist die Welt, in der wir leben, allemal.

Kriege und Raubbau an der Natur allerorten. Einer, der sich mit all seinen Kräften bemüht, die Welt ein wenig ins Gleichgewicht zu bringen, ist seit Freitag nun der 18. Preisträger: Der Monschauer Hermann Carl, der unter anderem seit 2004 als zertifizierter Waldführer im Nationalpark Eifel fungiert, erhielt aus den Händen von Peter Schöner, Vorsitzender des Europavereins „Gesellschaftspolitische Bildungsgemeinschaft“ (GPB), für sein „soziales Engagement und den Einsatz für die Umwelt“ den Europäischen Sozialpreis 2014, der unter der Überschrift „Mensch und Umwelt im Einklang“ stand.

Nach dem musikalischen Auftakt hieß zunächst die GPB-Geschäftsführerin Annelene Adolphs die zahlreichen Gäste im vollbesetzten Ratssaal des Rathauses mit einem wahren „Begrüßungsmarathon“ willkommen. „Der Europäische Sozialpreis ist eine Auszeichnung von Ehrenamtlern für Ehrenamtler“, unterstrich sie. In einem kurzen Grußwort betonte die stellvertretende Bürgermeisterin Helen Weidenhaupt die Bedeutung des Engagements Hermann Carls für die Gesellschaft. „Vielen Kindern ist heutzutage die Natur fremd. Sie lehren Kindern und Jugendlichen, Verantwortung für die Natur zu übernehmen. Und Sie tun dies nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern indem sie ihren Schülern Spaß an der Natur vermitteln.“

Peter Theissen, stellvertrender Bürgermeister der Stadt Monschau, schloss in seiner Gratulation ausdrücklich auch die Nachbargemeinde Simmerath ein. „Sie schaffen es sogar, dass Simmerath und Monschau aus einem Mund sprechen“, lobte er augenzwinkernd, um sich dankbar in Richtung Hermann Carl zu zeigen. „Mit ihrem Projekt ,rollende Waldschule‘ bringen sie die Natur zum Menschen. Und die Realisierung des Erlebnismuseums ,Lernort Natur‘ in Monschau ist schlicht und einfach die Erfüllung eines Traumes.“

Genau dieses Erlebnismuseum sei auch bestens geeignet, die Arbeit und Aufgaben der Jägerschaft zu verdeutlichen, erklärte Ralph Müller-Schallenberg, Präsident des Landesjagdverbandes NRW, dessen Mitglied Hermann Carl gemeinsam mit rund 65000 weiteren Waidmännern ist. Bei einem für junge Menschen immer abstrakter werdenden Bild der Natur, seien Begriffe wie „Naturschutz“ und „Umweltbildung“ zentrale Begriffe, für die der Preisträger einstehe.

Einen Exkurs in Richtung Sozialpolitik unternahm kurz darauf Peter Schöner: „Auch Staatsschiffe gehen unter, wenn die Lasten nicht gerecht verteilt sind“, machte er deutlich. Obwohl selbst im reichen Deutschland die Ladung längst verrutscht sei, werde der Kurs beibehalten. Die Bundesrepublik sei zum Paradies der Superreichen geworden, kritisierte er. „Die Verteilung der Lasten ist vollkommen ungerecht.“ Ein solidarisches und soziales Europa sei gefragt. „Das Prinzip der Solidarität gehört zu den Grundwerten der Europäischen Union. Wir brauchen Regierungen, die diesem Prinzip Rechnung tragen“, so der GPB-Vorsitzende.

Dann rückte der Höhepunkt des Festakts näher. Vor der Preisverleihung war es an GPB-Vizepräsident Jürgen Werner, die Begründung zur Nominierung Hermann Carls vorzutragen. Darin heiß es: „Ein tiefes Verständnis für unsere Umwelt ist erforderlich. Nachhaltige ländliche Entwicklung schützt die Natur und bringt Menschen Arbeit und Lebensqualität. Naturschutz ist auch ein Mittel zur Versöhnung, denn er schafft Verständigung und Erfahrungsaustausch über Landesgrenzen hinweg. Wir lernen von Hermann Carl, dass aller Reichtum aus der Natur stammt. Ohne die Natur gäbe es kein Leben und keine ökologische und ökonomische Weiterentwicklung.“

Laudator Heinz-Jörg Pionke, Polizeidirektor im Präsidium Aachen, nannte seinen Kollegen einen „Botschafter der Polizei“, der den sozialen Aspekt seines Berufs als Polizist in den privaten und persönlichen Bereich übertrage. „Er weckt und fördert das Interesse an der Natur, gestaltet sinnstiftende und schöpferische Aufgaben für Kinder und Jugendliche und wirkt damit nachhaltig!“ Hermann Carls Credo, mit dem er bislang nach eigener Schätzung rund 250000 Menschen erreichte, laute: „Mit vielen kleinen Ideen, Gesten und Taten etwas bewegen.“

Tief berührt nahm Hermann Carl den Europäischen Sozialpreis entgegen. „Mir und meinen Mitstreitern liegt daran, die Wertschätzung der Natur an die nachfolgenden Generationen weiterzugeben. Wir dürfen die Natur nutzen, denn wir Menschen haben in ihr einen berechtigten Platz. Die Frage lautet aber, ob wir dies behutsam tun. Nutzen wir die Natur so, wie sie es vorgesehen hat, wird sie uns integrieren. Tun wir dies nicht, wird sie uns abstoßen“, so der frischgebackene Preisträger, der im Wald das wertvollste Gut der Menschheit sieht. „Dies Kindern bewusst zu machen, rettet die Zukunft. Schalten wir das reine Kommerzdenken im Umgang mit der Umwelt aus und dafür unseren Verstand ein“, so sein Appell.

Musikalisch gestaltet wurde der Festakt nicht nur von den Musikschülern Yannik Stups und Viola Korff. Sergio Calero Fernandez begeisterte die Zuhörer mit spanischen Klängen an der klassischen Gitarre und gab einen Vorgeschmack auf das „Spanische Jahr“ der GPB. Waidmännische Klänge verbreitete das Bläsercorps der Hegeringe Roetgen und Hohes Venn. Den Schlusspunkt setzte traditionell der MGV „Siedlergemeinschaft Donnerberg“ unter Leitung von Gunther Antensteiner, der am Piano durch Elke Hoffmann-Kittel unterstützt wurde.

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