Euregio-Gefäß-Zentrum: Wenn eine Operation der Aorta nötig ist

Von: ran
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Operation einer Schlagader: Im Euregio-Gefäß-Zentrums des St.-Antonius-Hospitals referierten Experten über die Behandlungsmethoden eines Aortaaneurysmas. Foto: imago/Becker&Bredel

Eschweiler. Die Erweiterung der Hauptschlagader, ein sogenanntes Aortaaneurysma, ist auch für nicht spezialisierte Ärzte relativ leicht zu diagnostizieren. In der Praxisroutine müssen sich viele niedergelassene Ärzte der verschiedensten Fachgruppen diesem Thema widmen, denn bei etwa vier Prozent aller Menschen über 65 Jahre liegt eine solche Erweiterung vor.

Doch ab welcher Größe des Aneurysmas, bei welcher Symptomatik oder welcher Form der Erweiterung weitere diagnostische und therapeutische Schritte einzuleiten sind, darüber herrscht bisweilen Unklarheit.

Nicht zuletzt deshalb luden die Verantwortlichen des Euregio-Gefäß-Zentrums des St.-Antonius-Hospitals unter der Überschrift „Aortenaneurysmen - Offene Operationen oder Stent? Was, wann, wie?” zu einer Fortbildungsveranstaltung ein.

Neben Dr. Rudolf Müller, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie am St.-Antonius-Hospital und Leiter des Euregio-Gefäß-Zentrums, referierten Privatdozent Dr. Andreas Greiner, leitender Oberarzt des Europäischen Gefäßzentrums Aachen-Maastricht, sowie Privatdozent Dr. Gottfried Mommertz, Chefarzt der Abteilung für Gefäßchirurgie im St.-Marien-Hospital Bonn, zum Thema.

Dr. Andreas Greiner brachte seinen Zuhörern zunächst unterschiedliche Verfahrenstechniken bei der Behandlung des eher selten vorkommenden „thorako-abdominellen Aortenaneurysma” näher, dessen Operation eine relativ große Gefahr einer Beschädigung des Rückenmarks mit anschließender Lähmung sowie der Nierenarterien mit anschließend notwendiger Dialysepflicht birgt.

„Unterschiedliche Verfahren stehen zur Debatte, darunter die offene sowie die endovaskuläre Operation”, so der Oberarzt. Bei letztgenanntem Verfahren wird ein flexibler Führungsdraht (Stent) in die erkrankte Region geschoben. „Zu beachten ist, dass bei offenen Operationen nicht selten die linke Lungenhälfte zusammenbricht und der Chirurg sich die Frage stellen muss, ob der Patient die Ein-Lungen-Beatmung toleriert.”

In der jüngeren Vergangenheit seien auch Kombinationseingriffe, sogenannte Hybrid-Operationen, zur Anwendung gekommen. „Die Ergebnisse dieses eigentlich als für den Patienten schonend deklarierten Eingriffs sind jedoch eher ernüchternd. Deshalb sollte diese Therapie nur in Betracht kommen, wenn keine der beiden anderen Methoden erfolgsversprechend ist”, betonte der Privatdozent.

„Neue Methoden rufen nicht selten auch neue Komplikationen hervor”, machte Dr. Andreas Greiner deutlich. Deshalb sei eine multidisziplinäre Behandlung der Patienten auch immer dringlicher.

Dies unterstrich ebenso Dr. Gottfried Mommertz, der sich dem suprarenalen Aortenaneurysma (oberhalb der Nierenarterie) widmete. Er wies auf die Bedeutung eines großen Erfahrungsschatzes hin. „Studien belegen, dass in Kliniken, in denen bisher weniger als 300 solcher Eingriffe unternommen wurden, die Mortalität bei über 30 Prozent liegt. In Häusern mit mehr als 1000 Eingriffen sinkt sie auf unter zehn Prozent”, nannte er Zahlen.

Vor allem der Zugang zur suprarenalen Aorta sei schwierig. „Komplikationen führen immer wieder zu Verletzungen der Nieren, der Nebennieren, der Milz oder der Bauchspeicheldrüse”, so Dr. Gottfried Mommertz, der in diesem Bereich offene Operationen der endovaskulären Rekonstruktion vorzieht.

„Nach einer gelungenen offenen Operation ist die Lebenserwartung des Patienten höher”, so die Begründung. Den sogenannten Hybrid-Eingriffen steht der Chefarzt aus Bonn ebenfalls skeptisch gegenüber. „Studien zeigen eine enttäuschende Komplikations- und Sterblichkeitsrate.”

Abschließend informierte Gastgeber Dr. Rudolf Müller über das infrarenale Aortaaneurysma, der häufigsten Form einer Schlagadererweiterung und somit „tägliches Brot für den Gefäßchirurgen”. Dies liege bei einer Erweiterung der Bauchschlagader um mehr als drei Zentimeter vor, von der Männer häufiger betroffen seien als Frauen. „Alter über 65 Jahre und Raucher”, nannte der Leiter des Euregio-Gefäß-Zentrums typische Risikofaktoren.

Die Diagnose sei jedoch auch für Hausärzte gut möglich. „Jeder Arzt, der mit Ultraschall umgehen kann, erkennt Probleme an der Bauchschlagader.” Liege eine Größenzunahme des Aneurysma von mehr als 0,5 Zentimeter pro Jahr vor, sei eine Therapie notwendig. „Doch es gibt auch stabile Aneurysmen, die sich über Jahre nicht verändern. In solchen Fällen gilt es, die Erweiterung einfach in Ruhe zu lassen”, so der Chefarzt der Gefäßchirurgie am St.-Antonius-Hospital.

Die Verfahren „offene Operation” oder „Stent” müssten als gleichberechtigt betrachtet werden. Bei der Sterblichkeitsrate gebe es keine Unterschiede. „Bei offenen Operationen ist die Frühmortalität unmittelbar nach dem Eingriff höher, doch gleicht sich dies mit fortlaufender Zeit aus.”

Ähnlich verhalte es sich in Sachen Lebensqualität. Diese sei nach dem Einsetzen eines Stents zunächst höher, gleiche sich aber ebenfalls an. „Von entscheidender Bedeutung ist die Belastbarkeit des Patienten, die der Hausarzt am besten einschätzen kann”, erklärte Dr. Rudolf Müller.

Unabdingbar sei es, vor allem den Willen des Patienten zu respektieren. „Es gilt, dem Patienten die Wahrheit zu sagen, eine ehrliche langfristige Prognose zu stellen und sich zu fragen, ob der Leitgedanke eines Eingriffs, einfach, sicher und möglichst kurz, gewährleistet ist”, schloss der Gefäßchirurg die Fortbildungsveranstaltung, nicht ohne anzumerken, dass die dringende Voraussetzung, dem Patienten wirkungsvoll helfen zu können, sei, beide Verfahren absolut zu beherrschen.
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