EU-Parlamentspräsident Martin Schulz gratuliert der Dürwisser SPD

Von: Andreas Röchter
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Bestens gelaunt: Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlamentes, gratulierte nicht nur dem SPD-Ortsverein Dürwiß/Neu-Lohn zu dessen 70-jährigem Bestehen, sondern fühlte sich auch im Gespräch mit den indestädtischen Sozialdemokraten Claudia Moll und Dietmar Schultheis sichtlich wohl. Schultheis und Schulz kennen sich seit Jugendzeiten. Foto: Andreas Röchter
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Karin Schnitzler, Fritz Schmitz (M.) und Willi Greven (l.) wurden von Martin Schulz (3. v. l.) und Ortsvereinsvorsitzender Leo Gehlen (2. v.) für ihre jahrzentelange Mitgliedschaft ausgezeichnet. Mit den Jubilaren freuten sich Bürgermeister Rudi Bertram (3. v. r.) und Stefan Kämmerling (rechts). Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Dürwiß im Jahr 1946: Der Ort liegt in Trümmern, von der Gründung der Bundesrepublik Deutschland ist noch nicht die Rede, die Zukunft ist absolut ungewiss. Doch für Kaspar Greven, Paul Willms, Gerhard Clemens, Gottfried Göbbels, Wilhelm Butterweck und Gottfried Hannen ist diese bedrückende Situation kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken.

Im Gegenteil: Das Sextett möchte etwas zur Verbesserung der Lebensumstände der aus der Evakuierung zurückkehrenden Menschen beitragen. Und so rufen die sechs Männer den SPD-Ortsverein Dürwiß ins Leben und werden zu dessen Gründungsvätern.

Hochachtung für Gründer

Sieben Jahrzehnte später, dem Ortsverein gehören inzwischen auch die Sozialdemokraten aus Lohn an, gratuliert ein Mann den Genossen persönlich, der seit Jahren eine tragende Rolle auf höchster politischer Ebene inne, den Kontakt zur politischen Basis und seiner Heimat aber niemals verloren hat.

Der gebürtige Hehlrather Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlamentes, war am Freitagabend im vollbesetzten Saal der Gaststätte „Bei Kelche“ zu Gast, um den Nachfolgern der Gründungsväter seine Hochachtung aus- und Mut zuzusprechen, sich weiterhin politisch zu engagieren und das Feld auf keinen Fall Menschen zu überlassen, die allzu einfache Antworten auf die komplizierten Fragen der Gegenwart und Zukunft parat haben.

Bevor Martin Schulz, und mit ihm Personenschützer, ein Kamerateam und überregionale Journalisten den Saal betraten, nutzte der Ortsvereinsvorsitzende Leo Gehlen die Gelegenheit, zahlreiche Gäste aus allen gesellschaftlichen Bereichen zu begrüßen. Darunter auch Vertreter des politischen Mitbewerbers CDU. „Euch bekommen wir auch noch in den Griff“, rief der Ur-Sozialdemokrat seinem christdemokratischen Pendant aus Lohn augenzwinkernd zu, um anschließend die Kontinuität, die den SPD-Ortsverein Dürwiß stets ausgezeichnet habe, hervorzuheben.

„Mit Kaspar Greven, Hermann Ullerich, Erich Berschkeit, Hubert Büttgen und mir standen in sieben Jahrzehnten lediglich fünf Personen dem Ortsverein vor. Und nach mir könnte dieses Amt ja vielleicht eine Frau übernehmen“, blickte Leo Gehlen in die noch unbestimmte Zukunft.

Das erste Grußwort des Abends richtete dann Bürgermeister Rudi Bertram an seine Parteifreunde: „Wenn wir in das Jahr 1946 zurückblicken, dann in eine Zeit, in der es galt, in die Hände zu spucken und wieder etwas aufzubauen. Dies hat eine Generation vollbracht, durch die ich geprägt wurde. Bei uns zu Hause war Politik Alltag“, so der Verwaltungschef.

Die SPD in Eschweiler und Dürwiß habe immer ausgezeichnet, Politik für die Menschen vor Ort gemacht und dabei nie den „Boden der Tatsachen“ verlassen zu haben. „Dies macht Kommunalpolitik aus. Die Basis ist unser Terrain“, unterstrich Rudi Bertram. Von größter Bedeutung sei, angesichts der riesigen Herausforderungen für die Gesellschaft, diese Signale an die kommenden Generationen weiterzugeben.

Auch der Landtagsabgeordnete Stefan Kämmerling betonte die Wichtigkeit eines gut funktionierenden Ortsvereins als Basis einer Volkspartei. „Nur mit euch lebt die SPD. Ihr verteidigt unsere Werte Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität schon seit vielen Jahrzehnten“, lobte er. „Gerade in diesen Zeiten, in denen Rechtspopulisten bereits drittstärkste Kraft bei Landtagswahlen werden können, ist ein breites Fundament sozialdemokratischer Politik wichtig“, so das Mitglied des Ortsvereins Eschweiler-Mitte.

Die Begriffe Solidarität, Gleichberechtigung und Würde stellte dann der mit lautstarkem und herzlichem Applaus empfangene Präsident des Europäischen Parlamentes in den Mittelpunkt seiner Ansprache. „Wir streben eine Gesellschaft an, in der keiner der Herr und keiner der Knecht ist und deren Vertreter ihre Pflicht anerkennen, Menschen aufzunehmen und ihnen ein Leben in Würde zu ermöglichen“, sagte Martin Schulz. Dies bedeute allerdings keinesfalls, Gleichheit zu erzwingen.

Dies sei einer der historischen Fehler des Kommunismus gewesen. Vielmehr gelte es, die Einzigartigkeit jedes Menschen anzuerkennen. „Die Geschichte der Sozialdemokratie und der Arbeiterbewegung in der Region Aachen zeichnet nicht der Wunsch nach Gleichmacherei, sondern der Kampf um Gleichberechtigung, um Solidarität untereinander und in der gesamten Gesellschaft aus“, unterstrich der Würselener, der 14 Jahre lang an der Spitze des SPD-Unterbezirks Aachen-Land stand. Es könne nicht zeitgemäßer sein, für diese Werte einzutreten.

Allerdings seien diese Werte in einer Epoche der Vereinzelung, die jeden Tag komplizierter werde und schwieriger zu erklären sei, keinesfalls in Stein gemeißelt. „Sie werden von Menschen in Frage gestellt, die sagen, wir bräuchten keine sozialen Standards!“ Doch die Sozialdemokraten glaubten an eine Idee und machten den hart arbeitenden Menschen ein Angebot: „Nämlich eine Gesellschaft zu organisieren, in der Respekt die Grundlage des Zusammenlebens ist.“

Ein Leben in Würde bedeute nicht, Millionär zu sein, sondern mit Arbeit ein Einkommen zu erlangen, mit dem ein Leben zu bestreiten sei. „Vielleicht ein kleines Häuschen, vielleicht ein Urlaub im Jahr. Und vor allem die Möglichkeit, den Kindern eine Ausbildung zu ermöglichen, mit der diese wiederum einen Arbeitsplatz bekommen können, der es ermöglicht, eine Familie zu gründen.“ Dies von Generation zu Generation weitergeben zu können, sei ihr Bestreben, erklärte Martin Schulz unter dem Applaus.

Schulz ging auch kurz auf den „Brexit“ ein. „Dieser ist ein Irrtum. Niemand ist alleine stärker als in der Gemeinschaft!“ Bei allem Unverständnis hierzulande dürfe aber keineswegs vergessen werden, dass die Briten nach dem Zweiten Weltkrieg viel für Deutschland getan hätten. Zweifellos sei die Europäische Union ohne Großbritannien schwächer, doch vor allem im Hinblick auf das Wohlergehen britischer Bürger sei der Austritt aus der EU fahrlässig.

„Und für die Fahrlässigkeit von Politikern bezahlen sehr oft die Bürger!“, so der Politiker, der betonte, zur Generation zu gehören, die zeit ihres Lebens nur das „Mehr“ kennengelernt habe. „Es ist unsere Pflicht, alles dafür zu tun, dass unseren Kindern die gleichen Privilegien zuteil werden wie meiner Generation!“

Nach einem flammenden Appell nahm Martin Schulz mit Leo Gehlen die Ehrung verdienter Mitglieder vor.

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