Etwas Veganes im Kühlschrank? Ja, Licht!

Von: ran
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Unfassbar, aber dennoch wahr: Markus Maria Profitlich hat die 50 überschritten und auf den Brettern, die die Welt bedeuten, also nicht zuletzt im Talbahnhof, die „zweite Halbzeit“ eingeläutet. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Die grenzenlose Enttäuschung im Publikum war spür- und hörbar: Es würde an diesem Abend doch tatsächlich kein politisches oder gar sozialkritisches Kabarett geben! Stattdessen setzte Markus Maria Profitlich an gleich zwei Abenden in Folge auf der wohltemperierten Bühne des vollbesetzten Talbahnhofs dazu an, ins Schwitzen zu kommen („ganz normal für Männer mit dünner Haut“).

Und er widmete sich einer Frage, die für Milliarden Menschen auf diesem Planeten von geradezu existenzieller Bedeutung sein dürfte: „Halbzeit – Gibt es ein Leben nach dem Fünfzigsten?“

„Von Trümmerfrauen geboren“

Doch was hat Markus Maria Profitlich damit zu tun? „Auch wenn sie es für eine optische Täuschung halten: Ich habe die 50 tatsächlich bereits überschritten. Unvorstellbar, in D-Mark wäre ich bereits über 100!“, konnte es der Komiker selbst kaum fassen. Zumal es die heutigen Männer über 50 von Anfang an nicht wirklich einfach hatten. „Wir wurden von Trümmerfrauen geboren und von den ersten Emanzen mit Doppelnamen erzogen“, so der Rückblick.

Herausgekommen sei dabei die „Generation Latzhose“. Diese könne es aber mit der aktuellen „Generation Klingelton“ problemlos aufnehmen. Etwa mit der Abteilung IT – sprich „Intelligenz-Tabu-Girls“. Und überhaupt sei die Verbindung der Damenwelt mit modernen Kommunikationsmitteln durchaus verhängnisvoll. „Der ewige Drang der Frau zum Tratsch hat seinen digitalen Höhepunkt erreicht“, zeigte sich Markus Maria Profitlich von seiner charmantesten Seite.

Die Natur habe es ja so eingerichtet, dass Männer im Alter äußerlich immer schöner und in Sachen innerer Werte immer reifer würden. „Das beste Beispiel ist Keith Richards. Ein Mann wie ein Baum mit nach außen gestülpten Jahresringen“, hatte der gebürtige Bonner, der sich kurz darauf einen Lebenstraum erfüllte und mit lautstarker Unterstützung des Publikums seinen Lieblingsfilm „Tarzan, der Herrscher des Dschungels“ nachspielte, auch blitzartig ein Paradebeispiel parat.

Geradezu nostalgisch wurde es, als der vielfach ausgezeichnete Comedian begann, in Urlaubserinnerungen zu schwelgen: Die Fahrten mit den Eltern und den fünf älteren Geschwistern zum Biggesee oder im Reisebus mit 50 Rauchern auf der serpentinenreichen Strecke nach Italien haben sich fest ins Gedächtnis eingebrannt. „Wie viel Mageninhalt sechs Kinder doch in sich tragen können...“

Doch der eigentliche Höhepunkt eines jeden Urlaubs sei der Dia-Abend nach der Rückkehr gewesen. „Dia? Das ist eine Speicherkarte, sehr groß, auf die allerdings nur ein Bild passt“, klärte Markus Maria Profitlich auch seine jüngeren Zuhörer im Publikum auf, bevor er zu einem Parforceritt durch die Geschichte des Aufklärungsgesprächs zwischen Vater und Sohn der zurückliegenden 20.000 Jahre ansetzte.

Sei die verbale Kommunikation in der Steinzeit noch etwas schleppend verlaufen, habe dies im Mittelalter auf den Spuren von Walther von der Vogelweide schon ganz anders ausgesehen. Über die Zwischenstation „Genosse Sohn“ im Zeitalter der 68er sorge inzwischen die „Aufklärungsapp“ im Gespräch mit Luca-Fynn für Durchblick auf allen Seiten.

Verzicht auf Schnittlauch

Dann wurde es ernst: Denn selbst für einen Mann in den besten Jahren sei der Gang zum Urologen irgendwann nicht mehr zu vermeiden. „Doch meiner war zuletzt krank. Hat der eigentlich noch nie etwas von Vorsorge gehört?“, fragte sich der ehemalige „Erklärbär“, bevor er Kenntnis von der Vertretung nahm. „Eine Urologin? Ich habe ja auch keine Ahnung von Waschmaschinen“, beschwerte sich Profitlich, der, um den Jo-Jo-Effekt zu umgehen, Diäten ablehnt, sich bemüht, auf Schnittlauch und versteckte Fette zu verzichten.

„Ergo ist Eisbein grundsätzlich erlaubt“, schlussfolgerte der Comedian, der die Frage, ob er auch etwas Veganes im Kühlschrank habe, mit einem eindeutigen Ja beantwortet. „Licht!“

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