ETV: Von den Anfängen des SC Delphin bis zum „Magnesia-Club“

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Der „Magnesia-Club“ im Jahr 1930: K. Zöll, W. Meyer, Chr. Langohr, J. Kleinen, W. Hommelsheim, A. Maubach (stehend von links), H. Adenau, P. Nießen, W. Allmacher (Almadero), H. Esser, F. Hahnenbruch und H. Welter (sitzend von links). Foto: ETV

Eschweiler. Im zweiten Teil der Chronik zum 150-jährigen Bestehen des Eschweiler Turnvereins blicken wir auf die Anfänge des 20. Jahrhunderts.

Da es der Arbeitsbevölkerung an Badezimmern völlig mangelte, wurde nach einem Beschluss des Stadtrates am 1. August 1899 die Badeanstalt an der Kaiserstraße eröffnet. Die Waschanstalt war bereits ein Jahr zuvor der Öffentlichkeit übergeben worden. Das Wasch- und Hallenbad war das erste in der Aachener Region. Die Turner nahmen sofort die Gelegenheit zu schwimmsportlicher Betätigung wahr und gründeten in der Versammlung am 11. August 1899 eine Schwimmerabteilung.

Am Gedanken der schwimmsportlichen Bewegung hatten Wilhelm Dostall und Turnlehrer Wilhelm Seeger wesentlichen Anteil. Bald schon entfaltete sich diese Schwimmerabteilung zu einem blühenden Zweig des Vereins. Am 22. August 1959 ging diese äußerst erfolgreiche Abteilung über in den „Eschweiler Schwimmclub 1899 e.V.“, der zusammen mit dem „Schwimmverein Hellas Eschweiler“ den „Schwimmclub Delphin Eschweiler e.V.“ bildete.

„Volkstümliches Turnen“

Im Laufe der 1890er Jahre entstanden in Eschweiler weitere Turnvereine. In der Chronik des ETV heißt es, dass die Turner am 23. März 1897 zur Feier des 100. Geburtstages Kaiser Wilhelms I. im Festzug neben den mittlerweile entstandenen Turnvereinen Pumpe, Germania, Bergrath und Stich marschierten. Aus dem Turnerbund-Röthgen-Nord ging später die Turnabteilung der Eschweiler Sportgemeinschaft hervor.

„Turnen schafft sich Konkurrenz“, so berichtet ein Chronist des Aachener Turngaus und meint damit das „Volkstümliche Turnen“, das mit Leichtathletik, Schwimmen, Schlag- und Faustball und den vielen anderen Ballsportarten eigene Abteilungen hervorrief und in Konkurrenz trat mit den Anfang des 20. Jahrhunderts entstehenden Sportvereinen.

Aus der Fußballabteilung des ETV entstanden zum Beispiel die „Sportfreunde Schwarz-Weiß“, die dem „Westdeutschen Spielverband“ angehörten, und so konnte Mathias Büschbell, wie er 1924 berichtete, an den „Fußball-Meisterschaften“ teilnehmen. Turnermannschaften durften sich seit 1912 nicht an diesen Meisterschaften beteiligen, wenn sie nicht dem DFB angeschlossen waren, und der Deutsche Turnerbund hatte versäumt, eigene Meisterschaftsgruppen einzurichten. Schon im Jahre 1888 war von Wilhelm Fröschen eine Jugendabteilung gegründet worden.

Frauen und Mädchen war die Teilnahme an den Turnabenden zunächst verwehrt. Erst im Jahre 1921 konnte von A. Stockem eine Damenturnriege ins Leben gerufen werden. In der Schwimmerabteilung entstand schon 1913 eine Damenabteilung, der gleich 48 Damen beitraten. Allerdings wurde das gemeinsame Turnen und Schwimmen beider Geschlechter von katholischer Seite scharf kritisiert, und die Turnerinnen sollten nur in gewöhnlichen Kleidern ihre Wettkämpfe absolvieren.

Am 12. Juli 1913 wurde der „Magnesia-Club“ (Magnesiumcarbonat (Magnesia) brauchen die Geräteturner, um die Griffigkeit der Hände an Reck und Barren zu verbessern) in der „Altdeutschen“ von Willi Allmacher und anderen Turnern gegründet. Dieser „Club“ im Verein diente über lange Zeit hinweg als Hort der Geselligkeit und Freundschaft.

Zuerst als reiner Herrenclub gedacht, mauserte er sich in späterer Zeit zu einem gemischten Gesellschaftsclub, in dem gesungen, gelacht und viel erzählt wurde – besonders von alten Zeiten. 1980 übernahm eine Frau, Maria Kamps, die Leitung und konnte mit ihm 1993 das 80-jährige Bestehen feiern.

Ein harter Schnitt

Der Erste Weltkrieg bedeutete einen harten Schnitt in der Turn- und Sportentwicklung. 33 Turner des Vereins verloren ihr Leben. Eine Gedenktafel zur Erinnerung an diese schreckliche Kriegszeit wurde 1921 in der Badeanstalt errichtet und steht noch heute im Jahnbad.

Der Turnbetrieb wurde eingestellt, die Schwimmhalle blieb von Kriegsbeginn an geschlossen. Obwohl 1915 in der Turnhalle des Realgymnasiums geturnt werden konnte, ruhte das Vereinsleben in den Jahren 1917 und 1918 vollständig.

Nach dem Krieg fand der Verein verhältnismäßig schnell zu seiner Bedeutung zurück. Im Jahre 1925 erhielten die Turner Fritz Ney und Wilhelm Hommelsheim und bald darauf „Fräulein“ Bertchen Seeger als erste der Stadt Eschweiler das Sportabzeichen, das damals noch „Auszeichnung für vielfältige Leistung auf dem Gebiet der Leibesübungen“ hieß.

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