Eschweiler - ESW-Röhrenwerke: 63 Mitarbeiter erhalten Kündigung

ESW-Röhrenwerke: 63 Mitarbeiter erhalten Kündigung

Von: Tobias Röber
Letzte Aktualisierung:
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Die in finanzielle Schieflage geratenen ESW-Röhrenwerke arbeiten derzeit am Sanierungskonzept und hoffen auf einen Investor. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Nun steht es fest: 63 Mitarbeiter der ESW Röhrenwerke erhalten ihre Kündigung zum 1. Juni. Das ist Bestandteil des Interessenausgleichs, den die eigenverwaltende Geschäftsführung und die Mitarbeitervertretung der ESW-Röhrenwerke im Rahmen der Sanierung unterzeichnet haben.

„Damit haben wir einen wichtigen Schritt getan, die ESW Röhrenwerke neu aufzustellen und den aktuellen Rahmenbedingungen insbesondere des Erdölgeschäfts Rechnung zu tragen“, erklärt Herbert Lenzen, Geschäftsführer der ESW Röhrenwerke GmbH. und Dr. Frank Kebekus, vom Insolvenzgericht bestellter Sachwalter, ergänzt: „Ein erster wichtiger arbeitsrechtlicher Schritt ist nunmehr getan, die Eigenverwaltung hat allerdings noch weitere Sanierungsmaßnahmen umzusetzen.“

Wie viele der 298 Beschäftigten gehen mussten, war bis zuletzt nicht klar. Martin Peters, Geschäftsführer der IG Metall Eschweiler/Stolberg, sagt zu der nun getroffenen Maßnahme: „Der Betriebsrat hatte keine andere Wahl. Wir hatten erhebliche Zweifel daran, dass es einen Stellenabbau in dem Maße geben muss.“

Laut Peters habe jedoch im Zuge der Verhandlungen auch eine wesentlich größere Zahl im Raum gestanden. Etwa zehn Mitarbeiter hätten bereits zuvor gekündigt, teilt Journalist Schulz im Auftrag von Sanierungsberater Martin Lambrecht mit. Die gekündigten Mitarbeiter können ab sofort in eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft mit einer Laufzeit von sechs Monaten wechseln. Dieser Schritt ist jedem Beschäftigten freigestellt.

Und wie geht‘s jetzt weiter? Die Geschäftsführung befindet sich derzeit in Gesprächen mit einem Investor. „Mit diesem wolle man das notwendige Sanierungskonzept so gründlich wie nötig und so zügig wie möglich weiterentwickeln und dessen Eckpfeiler in den Insolvenzplan übernehmen“, heißt es in der Pressemitteilung von Thomas Schulz weiter.

„Wir hoffen, dass wir unseren Gläubigern sobald wie möglich weitere Einzelheiten zu einem umfassenden Sanierungskonzept mitteilen können“, sagt Herbert Lenzen. Welche weiteren Maßnahmen getroffen werden, stehe noch nicht fest, so Thomas Schulz.

Die ESW-Röhrenwerke hatten als erste Maßnahme das Insolvenzgeld beantragt. Das bedeutet, dass die Löhne für drei Monate von der Arbeitsagentur übernommen wurden, um dem Unternehmen etwas Handlungsspielraum  zu verschaffen. Ende Januar lief die Zahlung des Insolvenzgeldes aus. Das Insolvenzverfahren, das die Firma gewählt hatte, gibt es erst seit dem Jahr 2012. Die Geschäftsführung bleibt dabei an der Spitze des Unternehmens, jedoch wird ein Sanierungsberater zur Seite gestellt – in diesem Fall Martin Lambrecht aus Düsseldorf.

Bereits seit 1914 werden Stahlrohre am Standort Eschweiler produziert. 1925 wurde das Rohrwerk Ermag vom Eschweiler Bergwerks-Verein (EBV) übernommen. Die zukunftsweisende unternehmerische Entscheidung fiel 1982 mit der Umstellung vom Pilgerwalzwerk auf das gemeinsam mit SMS Schloemann Siemag entwickelte PSW-Verfahren. Seit Oktober 1987 ist die ESW Röhrenwerke GmbH ein mittelständisch geführtes, konzernunabhängiges Unternehmen. Bis zum Verfall der Erdölpreise produzierten knapp 300 Mitarbeiter jährlich rund 70 000 Tonnen Stahlrohre im PSW-Verfahren mit einem Jahresumsatz von durchschnittlich rund 80 Millionen Euro.

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