Eschweilers Partnerstädte: Willkommen, bienvenue, welcome

Von: Rudolf Müller
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„Familienfoto“ in Reigate: In diesem prachtvollen Herrenhaus feierten Indestädter und englische Freunde mit französischen Gästen vor zehn Jahren das 20-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft. Links oben das Wahrzeichen der Indestadt, die Pfarrkirche St. Peter und Paul, rechts oben das Wahrzeichen von Wattrelos, die Kirche St. Maclou. Mit Wattrelos verbindet Eschweiler eine jetzt bereits 40-jährige Partnerschaft. Foto: Rudolf Müller/I. Röhseler
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Er heißt nicht nur fröhlich, er ist es auch, und das gleich in doppelter Hinsicht: Hartmut Fröhlich hat das Blühen der Partnerschaften mit Wattrelos und Reigate stets im Blick. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Der Mann kommt ganz schön rum. Seit fast 20 Jahren ist Hartmut Fröhlich Vorsitzender des Eschweiler Partnerschaftsvereins, kennt beide Partnerstädte fast wie die eigene Westentasche. Vor 1996 war es die Stadt selbst, die sich um die Beziehungen zu Wattrelos im Norden Frankreichs und Reigate & Banstead im Süden Englands kümmerte.

Beziehungen, die schon damals auf 20 bzw. 10 Jahre offizieller Verschwisterung der Städte verweisen konnten. Es war Bürgermeister Manfred Esser, der damals zu der Einsicht gelangte, dass ein Verein wesentlich schneller und flexibler agieren und reagieren kann als eine Behörde und durch einen anderen Blickwinkel auch ganz neue Akzente in die Partnerschaften setzen kann.

Feste Besuchstermine

263 Autobahnkilometer liegen zwischen Eschweiler und Wattrelos. 525 – Eurotunnel inbegriffen – sind es bis Reigate & Banstead. Klar, dass da nicht nur aufgrund zehnjährigen Vorsprungs die Bande mit Wattrelos vielfältiger sind und enger geknüpft als mit der Stadt vor den Toren Londons.

„Im Durchschnitt fahren wir vier- bis fünfmal pro Jahr nach Wattrelos“, sagt Fröhlich. Zum Berlouffefest im September, zum Weihnachtsmarkt und zu anderen Anläsen. Nicht einmal eingerechnet ist die Tour hunderter Karnevalisten zum Carnaval – auch wenn die in diesem Jahr der Terrorgefahr zum Opfer fiel.

„Nach Reigate & Banstead fahren wir alle zwei Jahre“, so Fröhlich, „aber dann für ein langes Wochenende von Donnerstag bis Sonntag. Der 50er-Bus ist dann immer voll: weil Freunde aus Wattrelos, die die Eschweiler Partnerschaft mit Reigate längst in eine muntere Dreiecksbeziehung verwandelt haben, auf halber Strecke mögliche leere Plätze okkupieren.

Die Beziehungen zwischen den Städten sind vielfältig und bereits seit Jahrzehnten über den Rahmen offizieller Behördenkontakte hinausgewachsen: So pflegt die Barbara-Grundschule seit Jahrzehnten eine offizielle, vom Land anerkannte Schulpartnerschaft mit Reigate. Einmal jährlich reisen Eschweiler Kinder auf die Insel, ebenso oft kommen junge Engländer hierher.

Ein Austausch, der aber hie wie dort an Grenzen stößt: Das alte Herrenhaus, in dem die Eschweiler Schüler, die in Reigate auch die Schule besuchen, untergebracht sind, hat gerade einmal Platz für 25 Kinder. Der Gegenbesuch muss mangels Räumen in Eschweiler in der Jugendbildungsstätte Rollefer Berg bei Kornelimünster untergebracht werden.

„Wir sind natürlich immer bemüht, weitere Schulpartnerschaften ins Leben zu rufen, gerade auch mit Wattrelos. Bürgermeister Rudi Bertram hat gerade erst einen neuen Anlauf mit Wattrelos angestoßen. Aber so etwas steht und fällt natürlich immer mit dem Interesse und Engagement der Lehrer“, sagt Hartmut Fröhlich.

Dass Schulpartnerschaften durchaus nachhaltig wirken können, das zeigen nicht nur die vielen persönlichen Freundschaften von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die beim Schüleraustausch entstanden: „Einer der ersten Schülerinnen, die mit der Barba-raschule nach Reigate reisten, haben wir jetzt als Lehramtsanwärterin in ein Praktikum an die Reigate Priory School vermittelt“, strahlt Fröhlich.

Neben der Barbaraschule unterhalten auch die KG Narrengarde und die KG Ulk sowie der Spielmannszug Bergrath enge Kontakte nach Reigate, dessen Redhill Corps of Drums regelmäßig zum Karneval anreisen, ebenso wie die Partnerschaft-Vorsitzende Janet Powell und Ehemann Graham immer wieder in Eschweiler anzutreffen sind.

Enge Kontakte nach Wattrelos pflegen neben dem Karnevals-Komitee mit Norbert Weiland auf der einen und Jean-Luc Doyen auf der anderen Seite die Katholische Kirche, das Caritas-Behindertenwerk, das Städtische Seniorenzentrum Marienstraße, die Boule-Gruppe der Naturfreunde und die Offene Jugendarbeit Eschweiler, die für diesen Sommer gemeinsam mit ihren französischen Freunden ein Sommercamp in Frankreich plant.

Andere Kontakte sind eingeschlafen: Die beiden Ortsgruppen des Roten Kreuzes, die eng kooperierten, gibt es nicht mehr; Musikgesellschaft und Volkshochschule haben sich nach Personalwechsel in Sachen Austausch dem Dornröschenschlaf hingegeben.

Warum Klassen weiterführender Schulen nicht die Möglichkeiten nutzen, die die Verschwisterung gerade mit Reigatr & Banstead bieten, liegt für Fröhlich auf der Hand: „Es ist für Lehrer viel einfacher, von einem Spezialveranstalter eine Fertigfahrt einzukaufen, als eine Fahrt in die Partnerstadt selbst zu organisieren. Und billiger ist es obendrein.“

Räumt denn die Stadt selbst den Partnerschaften den ihnen gebührenden Stellenwert ein? „Ja“, sagt Fröhlich ohne Zögern. „Das erkennt man schon daran, dass wir als Verein auch beratendes Mitglied im Kultur-Ausschuss sind. Von der Verwaltung bekommen wir immer jede Unterstützung, die wir brauchen. Und Bürgermeister Rudi Bertram ist nicht nur fast immer zum Carnaval mit in Wattrelos, er fährt auch häufig mit nach Reigate. Dabei ist es natürlich für einen Bürgermeister nicht einfach, vier Tage dem Rathaus den Rücken zu kehren.“

Fast hätte Eschweiler an diesem Wochenende ein drittes Partnerschafts-,,Jubiläum“ feiern können: Vor fünf Jahren stand eine Partnerschaftsvereinbarung mit der südtürkischen Vorzeige-Stadt Dalaman kurz vor der Unterzeichnung, als man im Eschweiler Rathaus darauf aufmerksam wurde, dass der zwischenzeitlich neu gewählte Bürgermeister der Küstenstadt der vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften, EU-feindlichen Milliyetçi Hareket Partisi (MHP) angehört.

Daraufhin brach die Indestadt die Verhandlungen ab. Hartmut Fröhlich: „Es gibt immer noch Kontakte, aber da noch immer derselbe Bürgermeister am Ruder ist, gibt es keine Ambitionen, sich mit Dalaman zu verschwistern.“

Wattrelos und Reigate sind auch ganz schön. Was ist für Fröhlich das Beeindruckendste an Wattrelos? „Die Entwicklung der Stadt an sich. Die moderne Gestaltung der Straßenräume. Der fantastische Park mitten in der Stadt, der den Bürgern einiges zu bieten hat. Aber auch die Feste, die früher in Wattrelos gefeiert wurden. Fünf Stunden Essen, das macht denen hier keiner nach!“

Und an Reigate & Banstead? „Nette Pubs, zum Beispiel im alten Rathaus. Schöne Herrenhäuser. Und ebenfalls ein riesiger Park mitten im Stadtkerne. Mit Spielplatz, Fußballfeld, Tennisplätzen, Café und Skateranlage.“

Den allerdings hat Reigate nicht selbst gestaltet, weiß Fröhlich: „Obwohl England ja als Regenloch gilt, ist Surrey eine sehr trockene Gegend. RWE Water hat da vor Jahren aufwändige Tiefenbohrungen nach Wasser unternommen – und der Stadt dann zum Ausgleich die schönen Sportanlagen spendiert.“

Begeistert ist Fröhlich von der Freundlichkeit der Menschen in Reigate: „Die sind zuvorkommend und höflich, helfen gerne weiter.“

Was sind die „Musts“ für Wattrelos-Besucher? „Seit die Kneipen am Markt fast alle leider verschwunden sind, gilt: Hinfahren, wenn da Veranstaltungen sind, zum Beispiel der Blumenmarkt vor dem Rathaus im Juni, Musikfestivals, Sportevents, Stadtteilfeste, der Weihnachtsmarkt oder natürlich auch Carnaval.“

Auf den Geschmack gekommen

Was gehört zum Pflichtprogramm für Reigate-Besucher? „Den Stadtpark besuchen, in der Priory School das Treppenhaus des alten Klosters mit den Ölgemälden an Decken und Wänden erkunden, Pubs besuchen, auf die Hügel steigen und die fantastische Sicht Richtung Brighton genießen.“

Und natürlich: London erkunden. 30 Minuten Fahrt sind es mit der S-Bahn bis Victoria Station im Herzen der Metropole.

Und was unterscheidet Frankreich von England in den Augen des Beides-Kenners? „Naja – in Frankreich lässt sich das Bier trinken“, sagt Fröhlich über die Brauereistadt Wattrelos. „In England ist das gewöhnungsbedürftig. Und auch die Essgewohnheiten sind jenseits des Ärmelkanals etwas anders: Wer nicht gerne Minze hat, der muss bei fast allem vorsichtig sein.“

Ob Wattrelos oder Reigate: Nicht nur Hartmut Fröhlich ist da längst auf den Geschmack gekommen.

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