Eschweilers alte Straßen: Jupp Sieberichs liefert die Idee

Von: jlm
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Leo Braun, Vorsitzender des Mundartkreises des Geschichtsvereins, hat zwölf Pläne zusammengestellt. Foto: Julia Meuser-Romano

Eschweiler. Am Dienstag ist der letzte Tag einer besonderen Ausstellung in der Sparkasse. Leo Braun hat zwölf Pläne mit alten Straßenbezeichnungen zusammengestellt. 23 Namen sind auch Bestandteil eines neuen Heftes des Arbeitskreises Mundart.

Die Idee entstand beim Friseurbesuch, genauer bei Jupp Sieberichs. Dieser fragte seinen Kunden: „Wat maatsde jetzt? Dat Mundartbooch häsde dauch jetzt feadisch.“ Das war im Jahr 2003, das besagte Buch eine Erklärung aller rund 560 Eschweiler Straßenbezeichnungen. „Mije Alde hee en Dörwiß bruche nauch emme die plattdütsche Naame van os Strooße on Jaisjere, wenn mije zesamme send“, erzählte der Friseur gesprächig weiter und brachte so die zündende Idee.

Die Namen wurden notiert und auf einen Plan eingetragen, überprüft und ergänzt. Und damit sollte sein Projekt nicht beendet sein, genauer die Arbeit Leo Brauns, Vorsitzender des Mundartkreises des Geschichtsvereins. Nach Jahren der Arbeit eröffnete er nun in der Sparkasse, Marienstraße, die Ausstellung mit dem Titel „Mundartliche Bezeichnungen der Straßen, Wege, Gassen, Plätze und Stellen in Eschweiler um 1900“, die gleichzeitig eine Präsentation anlässlich des 40 jährigen Bestehens des Mundartkreises sein soll. Bis einschließlich heute können hier zwölf Pläne bestaunt werden, denn neben Dürwiß wurden auch Bergrath mit Bohl, Eschweiler-Stadtmitte, Hastenrath mit Scherpenseel, Hehlrath, Kinzweiler, Nothberg, Pumpe-Stich, Röhe, Röthgen, St. Jöris und Weisweiler mit Hücheln dargestellt.

Lothar Müller, Leiter der Sparkasse Eschweiler, dankte dem Hauptverantwortlichen für die erste und einzige Ausstellung in dieser Form und für eine Aufarbeitung, „von der nächste Generationen noch zehren werden“. Denn die Wurzeln einer Stadt und der Menschen lägen bei den Straßen, Gassen und Wegen, und „dass das nicht mehr verloren gehen kann, ist einfach toll“, lobte er die Arbeit. Bürgermeister Rudi Bertram bot sich schmunzelnd gleich für eine Aufarbeitung an, als er behauptete, als „Eischwiele Jung“, sicherlich noch das ein oder andere Gässchen zu kennen, das Leo Braun noch nicht gefunden habe. Sein Dank ging dabei an Leo Braun aber auch an alle Helferinnen und Helfer des Arbeitskreises, die das alles schließlich ehrenamtlich machen würden.

Anfangs keine Hausnummern

Der Mann des Abends, Leo Braun, berichtete über seine Arbeit und die Entwicklung Eschweilers. Zu Beginn habe es in Eschweiler nämlich nicht nur keine Straßennamen, sondern auch keine Hausnummern gegeben – die Menschen hätten dies schlichtweg nicht gebraucht, da Jeder Jeden kannte. Letzteres wurde erst unter Napoleon 1794 veranlasst. In Eschweiler, wie auch den umliegenden Orten wurden die Häuser nun fortlaufend nummeriert. In Eschweiler war die Nummer eins beim Bauernhof Huppertz an der Aachener Straße, die letzte Hausummer war die 403. Und auch neun Jahre später wurden bei der Volkszählung zur Ermittlung der Wahlberechtigten nur Hausnummern, aber keine Straßennamen aufgeführt.

Diese Liste für die Kommune Eschweiler, die „Akte Roerdepartement Nr. 160“, befände sich in Düsseldorf, erklärte Leo Braun, der sie persönlich eingesehen und kopiert habe. Erst 1815, unter den Preußen, wurden hochdeutsche Straßennamen Pflicht, 1858 wurden Eschweiler die Stadtrechte der Rheinprovinz nach preußischem Recht verliehen. Die ersten (offiziellen) Straßenbezeichnungen in Hochdeutsch, beschlossen 1861, waren dabei die „Gesundheitsstraße“, welche die heutige Neustraße ist, jedoch damals auf einem Damm auf dem sumpfigen Gebiet südlich der Inde war, und die „Balaklava Straße“, heute die Uferstraße. Dies waren die ersten Straßen südlich der Inde.

Leo Braun warb ebenfalls für ein ganz neues Heftchen des Arbeitskreises, das nun zu erwerben ist, und in dem 23 neue Straßennamen Eschweilers aufgeführt und erklärt werden, die in dem 2005 erschienen Werk „Wie me bei os sprich“ noch nicht erwähnt wurden. Unter anderem wird hier auch die Sperlichstraße erklärt, benannt nach dem verstorbenen Bernhard Sperlich, der von 1948 bis 1970 Stadtdirektor Eschweilers war. Seine Frau Berna Sperlich, 96 Jahre alt, lauschte wie zahlreiche andere Besucher den Worten Leo Brauns. Nachdem Toni Peters in seinem Mundartvortrag das Eschweiler Platt noch einmal zum Leben brachte, sang der Arbeitskreis mit seinen Gästen das von Franz Koch geschriebene Liedchen „Eischwiele Platt, dat es meng Moteschprooch“, begleitet von Friedrich Götz am Akkordeon.

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