Eschweiler - Eschweiler will jungen Menschen die Natur näherbringen

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Eschweiler will jungen Menschen die Natur näherbringen

Von: Patrick Nowicki
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Schwarzwald-Idyll: Willi Braunleder hat neben seinem Holzhaus aus dem Jahre 1997 ein zweites gebaut. Foto: Patrick Nowicki
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In den vergangenen Jahren setzt er sich verstärkt für die Natur ein und bewirtschaftet mit einem historischen Traktor... Foto: Patrick Nowicki
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...die etwa 8000 Quadratmeter große Obstwiese. Foto: Nowicki

Eschweiler. Sein Zuhause gibt ihm ein „Urlaubsfeeling“. In der Tat: Wer sich die beiden Holzhäuser, die große Obstwiese und den bunten Garten anschaut, der wähnt sich Mitten im Schwarzwald. Willi Braunleder wohnt allerdings in Röhe. Seine Familie lebt seit mehreren Generation in dem Ort. Was einst als Notwendigkeit geschah, wurde für ihn zur Passion.

Der 67-Jährige sieht sich eng mit der Natur verbunden und will etwas von diesem Gefühl an andere, vor allem junge Menschen weitergeben.

Mitte der 90er Jahre entschied sich der ehemalige Justizfachwirt mit seiner Frau Uschi für den Bau eines Holzhauses. Die Idee entstand im Urlaub, genau: im Schwarzwald. Dort erlebte die Familie, dass die Neurodermitis des Sohnes im Holzhaus zurückging. Braunleder machte sich von diesem Moment an auf der Suche nach Anregungen für sein Holzhaus. Informationen aus dem Internet waren damals noch nicht zu bekommen und Fachfirmen vor Ort dünn gesät. Den Grundriss entwarf er selbst. So entstand schließlich das markante Blockhaus am Röher Ortsrand unmittelbar an der Autobahn.

Müll von der Autobahn

Die Hauptverkehrsader ist allerdings von dichtem Grün verdeckt. Nur die vorbeibrausenden Fahrzeuge sind zu vernehmen, allerdings spricht Braunleder davon, dass er „dies heute nicht mehr hört“. An den Lärm gewöhne man sich. Was ihn allerdings nach wie vor erzürnt, ist der Müll, der regelmäßig auf seine 8000 Quadratmeter große Streuobstwiese nebenan gelangt. „Der Landesbetrieb Straßenbau, der eigentlich für die Autobahnauffahrt zuständig ist, kümmert sich nicht“, sagt Braunleder.

Etwa 80 Bäume mit alten Obstsorten befinden sich auf dem Areal. Ihre Namen sind nur Kennern noch geläufig, solche wie Berlepsch und Winterrambur. „Hier ist nichts gespritzt, alles reine Natur“, berichtet er. Geld verdienen will er mit dem Obst nicht, wer dort einen Korb pflücken möchte, der ist herzlich willkommen, sollte sich allerdings vorher anmelden. Vor allem junge Menschen will er für die Natur begeistern: „Statt mehrere Stunden vor dem Computer zu verbringen, sollte man lieber an die frische Luft gehen“, rät er. Er selbst hat sich sein „Reich“ als Ausgleich zu seinem vor allem psychisch anstrengenden Beruf geschaffen. Als Justizfachwirt lernte er die dunklen Seiten des Lebens kennen. „Das war manchmal schwer zu verarbeiten“, gesteht er. Also ging er in seinen großen Garten – als Ausgleich.

Seine Ideen verknüpft er oft mit seinem sozialen Engagement. „Jeder denkt nur noch an sich, Dinge werden nicht mehr wertgeschätzt“, wettert er. Allerdings wird er nicht überall mit offenen Armen empfangen. Als er der Grundschule Röhe vorschlug, dass die Grundschüler auf seiner Streuwiese Obst sammeln können, scheiterte dieses Vorhaben an versicherungstechnischen Fragen. Aufgeben will er deswegen jedoch keineswegs. Etwa 2500 Kilogramm Obst kamen im Jahr 2013 zusammen. Vieles davon verarbeitete seine Frau zu Marmelade und Gelee, der Rest wurde von einer Eingliederungsgesellschaft zu Saft gepresst.

Wer über das Areal in Röhe schreitet, entdeckt viele Details. Aus Tibet kam die Idee, eine Säule mit den Namen seiner Enkel zu gestalten. Auch die Steine haben eine besondere Bedeutung, denn sie stammen vom elterlichen Haus an der Erftstraße, das vor einigen Jahren abgerissen wurde. Der große Blausteinblock am damaligen Eingang dient heute als Bank im Garten. Aus einer historischen Mähmaschine gestaltete er eine Schaukel. Auch das Hinweisschild zur Streuobstwiese zimmerte er selbst zusammen. Liegt ihm eine Einladung zu einer Eisernen Hochzeit vor, schafft er ein Kunstwerk aus Eisen. „Ich habe eben manchmal viele Ideen“, gesteht er. Meistens verschwindet er dann für einige Stunden in seiner Werkstatt und baut verschiedene Materialien zusammen.

Zurück an die frische Luft: Die Obstwiese mit einer Sense zu kürzen, ist zu aufwendig. Also kaufte er alte Traktoren, die deutlich kleiner sind als ihre heutigen Nachfolger. Ein roter Bungartz aus den 50er Jahren und ein grüner Güldner aus den 30ern zieren seine Sammlung. Und sie sind regelmäßig im Einsatz. Die Schätze auf vier Rädern erfordern natürlich auch einige Pflege. Darum kümmert sich Braunleder im Winter.

Es gibt also immer etwas zu tun im und am Holzhaus. Inzwischen stehen am Röher Schubbendenweg zwei imposante Holzhäuser nebeneinander. Vier Familien leben in dem Haus, dass Braunleder in Ständerbauweise errichten ließ. Ist der Bau eines Holzhauses kostspielig? „Nicht teurer als ein Haus aus Stein, allerdings gesünder“, meint Braunleder. Konkrete Zahlen will er hingegen nicht nennen. Dies sei auch schwer übertragbar, weil dies abhängig von Größe und Ausstattung sei.

Sorgen bereitet ihm aktuell der Ortsteil Röhe, vor allem der Bereich nördlich der Autobahn. „Der ist ein Stiefkind“, meint er. Niemand kümmere sich die Belange der Menschen dort. Als Beispiel nennt er den Zeppbach, den er mit Anwohnern regelmäßig freischneidet. Eigentlich sei dies eine Aufgabe des Wasserverbands, aber „der kümmert sich nicht darum“. Er will sich darum weiter für Röhe einsetzen, auch im Geschichtsverein. Schließlich lässt sich die Geschichte der Familie Braunleder dort bis ins 15. Jahrhundert hinein nachweisen. Auch das Blockhaus steht auf einem historischen Punkt: Dort starb Willi Braunleders Vater im Jahr 1946.

Für die Zukunft hofft er, bei vielen jungen Leuten die Liebe zur Natur zu wecken. Gerne kann man ihn an der Obstwiese besuchen: „Dann braucht man auch keine Muckibude, das kann man alles hier machen“, meint er.

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